Sonntag, 16. Dezember 2018

Drohende Strafzölle auf Autos EU will sich gegen "Rabauken" wie Trump wehren

Mercedes-Exportwagen vor der Verladung in Bremerhaven: Trump droht mit Strafzöllen

Die EU-Kommission hat den Vorwurf von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen, Europa erhebe deutlich höhere Zölle als die USA. Es sei zwar richtig, dass die Einfuhrzölle der EU bei Autos höher seien als die auf der US-Seite, sagte ein Sprecher der Behörde am Montag in Brüssel. In anderen Bereichen wie Lkw und Pickup-Trucks hätten dagegen die USA höhere Zölle. Dies gelte auch für andere Produkte wie Schuhe, Textilien oder Erdnüsse.

"Sich bestimmte Zölle in einer Kategorie wie Rosinen herauszupicken (...), zeigt nicht das ganze Bild", sagte der Kommissionssprecher mit Blick auf Trumps Auto-Vergleich. Die EU habe "einen der offensten Märkte der Welt. Wenn jemand anfängt, Steine zu werfen, sollte er besser erst sicherstellen, dass er nicht in einem Glashaus lebt."

"Zölle auf beiden Seiten ziemlich ähnlich"

Im Durchschnitt seien die Zölle auf beiden Seiten "ziemlich ähnlich", sagte der Specher weiter. Auf der EU-Seite beliefen sie sich auf drei Prozent, auf der US-Seite auf 2,4 Prozent.

Trump hatte vergangene Woche Strafzölle auf Stahl und Aluminium beschlossen, die auch europäische Produzenten treffen würden. Am Samstag drohte er den Europäern mit weiteren Strafzöllen auf europäische Autos, wenn diese ihre "grauenhaften" Zölle auf US-Produkte nicht abschafften. Dabei nannte er ausdrücklich die deutschen Marken Mercedes und BMW.

Trump kündigt weitere Gespräche mit EU an

US-Präsident Donald Trump hat unterdessen weitere Gespräche mit der EU über die Handelsstreitigkeiten angekündigt. Sein Handelsminister Wilbur Ross werde mit "Vertretern der Europäischen Union sprechen", schrieb Trump am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Kompromissbereitschaft gegenüber der EU im Streit über die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium ließ der US-Präsident aber nicht erkennen.

Bei den Gesprächen seines Handelsministers werde es um die Abschaffung der "hohen Tarife und Barrieren" gehen, welche die EU im Handel gegen die USA einsetze, kündigte Trump an. Diese Handelsbeschränkungen seinen "nicht fair" für die US-Landwirte und -Produzenten.

Am Wochenende waren bereits EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer in Brüssel zusammengetroffen. Nach dem vierstündigen Gespräch äußerte sich die EU-Vertreterin jedoch enttäuscht über mangelndes Entgegenkommen der USA.

"EU wird sich gegen Rabauken im internationalen Handel wehren"

Von den Drohungen Trumps im Handelsstreit zeigte sich Malmström allerdings unbeeindruckt. Der Handel werde von einigen zum "Sündenbock" für Probleme der Globalisierung gemacht, sagte sie am Montag in Brüssel. Er werde "als Waffe" eingesetzt, "um zu drohen und einzuschüchtern". Die EU habe aber "keine Angst". Sie werde sich "gegen Rabauken" im internationalen Handel wehren.

Trump hatte die Strafzölle von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium am Donnerstag abgezeichnet. Von den Zöllen ausgenommen werden sollen aber zumindest vorläufig Kanada und Mexiko, mit denen die USA derzeit über eine mögliche Neufassung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta verhandeln. Trump stellte auch eine Ausnahmeregelung für Australien in Aussicht.

la/AFP/reuters

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