Samstag, 23. September 2017

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Staatsfinanzen China vor der Schulden-Mauer

Ende des 15-jährigen Immobilienbooms: Alle Indikatoren weisen auf ein Platzen der Blase in China hin
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Ende des 15-jährigen Immobilienbooms: Alle Indikatoren weisen auf ein Platzen der Blase in China hin

Chinas Staatsverschuldung nimmt alarmierende Ausmaße an. Hoffentlich fällt Parteiführung und Regierung rasch ein Gegenmittel ein. Sonst wackelt die Weltwirtschaft.

Die Verschuldung Chinas ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen: 251 Prozent des BIP, noch 2008 waren es 147 Prozent. Damit liegt China auf einem Niveau mit den westlichen Industrieländern und deutlich über dem Wert anderer Schwellenländer. "China hat sich verschuldet, bevor es reich wurde," zitiert die Financial Times einen Analysten. Dabei gibt vor allem das Tempo Anlass zur Sorge, also der rasche Anstieg der Schulden.

Schon vor einiger Zeit habe ich in diesem Zusammenhang von der chinesischen Schuldenwirtschaft nach westlichem Vorbild gesprochen. Allen Beteuerungen zum Trotz wachsen die Schulden weiter. Zu groß sind die Sorgen, dass Wirtschaftswachstum weiter zu belasten. Doch ein immer größerer Anteil der neuen Kredite dient nur noch dazu, bestehende Kredite zu bedienen. Die Erfahrung anderer Länder lehrt, dass erhebliche Fehlinvestitionen die Folge sind. Ein Blick auf die Geisterstädte in China scheint diesen Punkt zu bestätigen.

Aufgeblähter Bausektor

Dem Bausektor kommt mit einem Anteil von 13 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) eine erhebliche Bedeutung zu. Zählt man die von der Bauwirtschaft abhängenden Sektoren wie Stahl und Baumaterialien hinzu, liegt der Wert sogar bei 16 Prozent des BIP beziehungsweise einem Drittel des gesamten Investitionsvolumens. Die Financial Times schätzte den Anteil des chinesischen BIP, der letztes Jahr mit dem Bau, Verkauf und der Ausstattung von Wohnungen generiert wurde, gar auf 23 Prozent. Das liegt deutlich über dem vergleichbaren Wert zum Höhepunkt der Blase in den USA, Irland oder Spanien.

Damit ist die chinesische Bauwirtschaft, wie George Magnus, ein ausgewiesener Chinaexperte, in einem Beitrag für die FT feststellt, das Rückgrat der Weltwirtschaft: Treiber der Entwicklung in China und damit Stütze der Rohstofflieferanten von Australien bis Peru.

Nun droht das Ende des 15-jährigen Immobilienbooms. Alle Indikatoren weisen auf ein Platzen der Blase in China hin. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ist das Volumen an verkauften Wohnungen in den ersten vier Monaten des Jahres um 7,8 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum gingen die Baubeginne um 22,1 Prozent zurück.

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