Donnerstag, 30. Juni 2016

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Förderung zurückgedreht Spanien bricht seine eigenen Solar-Gesetze

Solarkraftwerk in Sanlucar La Mayor bei Sevilla: Planungssicherheit für Investoren gibt es nicht mehr

Wenn Unternehmen in politisch instabile Regionen investieren, sichern sie sich vorab oft gegen die Folgen von Enteignungen ab. Dass müssen sie jetzt wohl selbst in Europa: Bei der Solarförderung bricht Spanien seine eigenen Gesetze.

Köln - Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Spanien nicht als eines der Sorgenkinder der europäischen Union - sondern als eines der aufstrebenden, wachstumsstärksten europäischen Länder. Der kreditgetriebene Immobilienboom sorgte für ordentliche Wachstumszahlen, und die spanische Sonne lockte nicht nur Urlauber, sondern auch unzählige Unternehmer und Investoren, die in spanische Solaranlagen investieren wollten.

Viele deutsche Unternehmen waren dabei: Warum in deutsche Solaranlagen investieren, wenn in Spanien doch sehr viel mehr Sonnenstunden eine deutlich bessere Ausbeute versprechen? Zudem lockte der Staat ausländische Investoren mit großzügigen Subventionen: Bis zu 45 Cent pro Kilowattstunde Solarstrom garantierte die spanische Regierung den Anlagenbetreibern.

Scheinbar eine sichere Sache mit stolzen Renditen: So warben Solarfonds und Betreiberfirmen für Investments in Spanien. Deutsche Energieunternehmen wie die Münchener Stadtwerke, der Kölner Versorger Rheinenergie und der Essener Energiekonzern RWE Börsen-Chart zeigen, Anlagenbauer wie Ferrostaal und Versicherungskonzerne wie die Munich Re Börsen-Chart zeigen: Sie alle schätzten eine Investition in spanische Solaranlagen als sicher und rentabel ein und steckten viel Geld in spanische Sonnenenergie.

Insgesamt floss ein zweistelliger Milliardenbetrag in spanische Solaranlagen. Selbst als die Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa nach dem Lehman-Crash bereits voll zugeschlagen hatte, warb etwa der Solarfondsanbieter Voigt & Collegen aus Düsseldorf noch mit den soliden Renditen bei "vertretbarem Risiko", die Solaranlagen in Spanien versprächen. "Das war ja auch der Fall", sagt Hermann Klughardt, Geschäftsführer des Düsseldorfer Asset Managers, der Anlagen mit einer Leistung von rund 30 Megawatt in Spanien gebaut hat.

"Jeder hat gedacht, die staatlich garantierte Vergütung sei sicher"

"Noch bis zum 24. Dezember 2010 hat jeder selbstverständlich gedacht, die staatlich garantierte Vergütung sei sicher. Die Banken, die Betreiber, wir als Asset Manager, unsere Investoren." Der spanische Staat garantierte schließlich auch im Jahr 2008 noch 30 Cent Vergütung pro Kilowattstunde für neue Anlagen. Und für die zuvor in Betrieb genommenen Anlagen galt sogar noch ein Vergütungssatz von 45 Cent - garantiert für 25 Jahre Betriebszeit.

Doch nach Weihnachten 2010 war dann plötzlich gar nichts mehr sicher in Spanien. Zunächst kürzte die spanische Regierung die Solarförderung noch nur begrenzt: Ein Teil der Anlagenbetreiber, nämlich jene, die vor Ende September 2008 Anlagen errichtet hatten, sollten drei Jahre lang nur noch für eine bestimmte Menge von Kilowattstunden die garantierte Vergütung erhalten, den Rest zum Marktpreis von rund sechs Cent verkaufen. "Schon das war ein klarer Rechtsbruch und hatte Folgen für einen Teil unserer Investments", sagt Klughardt.

Anlagen des Asset Managers mit einer Leistung von vier Megawatt erzielten plötzlich deutlich geringere Erträge - Ausschüttungen konnten die Fonds, die für diese Anlagen aufgelegt worden waren, für diese drei Jahre nicht mehr leisten, die Einnahmen reichten nur noch für Zins und Tilgung.

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