Montag, 19. November 2018

Fall Khashoggi - Siemens-Chef Joe Kaeser sagt Reise nach Riad ab "Es ist die sauberste Entscheidung, aber nicht die mutigste"

Siemens-Chef Joe Kaeser fährt nicht nach Riad: "Die sauberste Entscheidung, aber nicht die mutigste"
picture alliance/dpa
Siemens-Chef Joe Kaeser fährt nicht nach Riad: "Die sauberste Entscheidung, aber nicht die mutigste"

Lange hat Siemens-Chef Kaeser offen gelassen, ob er trotz der Ermordung des kritischen Journalisten Khashoggi nach Saudi-Arabien reisen werde. Nun hat er die Notbremse gezogen und seine Teilnahme abgesagt - wie viele andere Wirtschaftsgrößen vor ihm.

Nach internationaler Empörung über den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi hat Siemens-Chef Joe Kaeser einen Besuch in Saudi-Arabien abgesagt. "Es ist die sauberste Entscheidung, aber nicht die mutigste", schrieb Kaeser am Montag auf "Linkedin". Der Siemens-Chef wollte ursprünglich an einer großen Konferenz der saudischen Regierung teilnehmen, zu der Unternehmenslenker und Investoren aus aller Welt geladen sind.

Vor Kaeser hatten bereits andere prominente Manager ihre Reise nach Riad abgesagt. Kaeser war in Politik und Medien in die Kritik geraten, weil er seine Teilnahme nicht schon früher abgesagt hatte.

Saudi-Arabien ist für Siemens ein Milliardenmarkt, derzeit ist das Unternehmen dort an zwei Großprojekten beteiligt: dem Bau eines Gaskraftwerks und der neuen U-Bahn in der Hauptstadt Riad.

Kaeser begründete sein Zögern: Er habe die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen wollen: die Ziele und den Ruf von Siemens, die Partnerschaft mit den Kunden in der arabischen Welt und dem saudischen Königreich, eine geschäftliche Chance mit einem Wert von bis zu 30 Milliarden Dollar bis 2030 und tausende von Arbeitsplätzen in Saudi-Arabien und anderswo.

"Und es ist keine Entscheidung gegen das Königreich oder dessen Volk", schrieb Kaeser. "Aber jetzt muss die Wahrheit (über das Verschwinden Khashoggis) herausgefunden und der Gerechtigkeit Genüge getan werden."

Kaeser zählt zu den letzten prominenten Wirtschaftsführern, die sich gegen eine Reise nach Riad zum so genannten "Davos in der Wüste" entschieden haben. Auch andere Größen aus Politik und Wirtschaft machen einen Bogen um das Treffen. Absagen kamen unter anderem von US-Finanzminister Steve Mnuchin, IWF-Chefin Christine Lagarde und den Chefs von Deutscher Bank, HSBC und Credit Suisse.

Nach wochenlangem Dementi hatte Saudi-Arabien am Samstag eingestanden, dass der regierungskritische Journalist Khashoggi im Konsulat des Königsreichs in Istanbul getötet worden sei.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH