Freitag, 22. März 2019

Lager für Edelmetalle Geheimvorrat in der Schweiz verzerrt Platinmarkt 

Unscheinbare Lagerhalle: Freilager in Embrach bei Zürich

Fünf Monate lang haben die Bergleute in Südafrika gestreikt, das Platinangebot auf dem Weltmarkt ist um 40 Prozent geschrumpft. Am Preis des für die Autoindustrie wichtigen Edelmetalls hat das nichts geändert. Warum? Unscheinbare Lagerhallen nahe Zürich könnten die Antwort bergen.

Zürich - Von außen ist nur ein gewöhnliches Güterumschlagzentrum zu sehen. Der Embraport der Zürcher Freilager AG in Embrach nahe der Schweizer Großstadt präsentiert sich als Ansammlung von Lagerhallen für die Logistik. Doch dahinter verbirgt sich laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ein Schatz, der so riesig ist, dass er allein die Richtung auf Edelmetallmärkten bestimmen kann.

Dem Bericht zufolge reicht schon die Ungewissheit, wie viel Platin in den geheimen Speichern unter dem Gelände lagert, um die Preise zu verzerren. Ein Glück für die Automobilindustrie, die Platin für Katalysatoren braucht. Denn normalerweise hätte der Rohstoff sich in diesem Jahr dramatisch verteuern müssen. Tatsächlich aber verharrt der Preis für das Edelmetall um 140 Dollar pro Unze.

Erst am Dienstag haben südafrikanische Bergarbeiter einen seit Januar dauernden Streik beendet. Für die Bergbaukonzerne Anglo American Börsen-Chart zeigen, Impala und Lonmin brachte der Ausstand Milliardeneinbußen. Südafrika sorgt in normalen Jahren für drei Viertel der Platinproduktion. Schon der bisherige Ausfall dürfte das Weltangebot um 40 Prozent in diesem Jahr drücken, auf das niedrigste Niveau seit 1975, schätzt der Katalysatorenhersteller Johnson Mathey (via Bloomberg). Es gebe einen Nachfrageüberhang von mehr als 1,2 Millionen Unzen.

Reuters verweist darauf, dass die Firmen wie Swissmetal, die Tresore im Freilager nutzen, keine Angaben über die dort gelagerten Mengen machen müssen. Die Agentur zitiert Händler, "Jede Firma weiß, wie viel sie selbst hat, aber nicht wie viel die anderen besitzen. Die Kunden wissen aber, dass es dort Metall gibt, und deshalb gab es keine Panikkäufe."

Das Gelände ist vom Schweizer Zoll ebenso wie von Steuern und Auflagen befreit, solange die Güter dort nur für Handelszwecke gelagert werden. Das macht die Anlage attraktiv für Händler, Spekulanten und Lieferanten gleichermaßen.

Allerdings wächst in der Schweiz die Kritik an diesem Arrangement. Das Finanzministerium hat ebenso Reformen angeregt wie der Rechnungshof. In dessen Bericht wird auf die "wirtschaftlichen und politischen Interessen" verwiesen, die durch die geheimen Rohstofflager berührt würden.

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