Montag, 22. Oktober 2018

Schweigegeld für Porno-Star Trump hat Anwalt Schweigegeld an Stormy Daniels erstattet

Stephanie Clifford alias Stormy Daniels mit ihrem Anwalt Michael Avenatti: "Das amerikanische Volk wurde belogen"

US-Präsident Donald Trump ist offenbar tiefer in die Affäre um eine Schweigegeldzahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels verwickelt, als er bislang zugegeben hat. Trumps Anwalt Rudy Giuliani ging am Mittwoch mit einer überraschenden Enthüllung an die Öffentlichkeit: Trump habe seinem damaligen Rechtsvertreter Michael Cohen die Zahlung von 130.000 Dollar an Stormy Daniels erstattet. Dies hatte der Präsident zuvor bestritten. Daniels' Anwalt bezichtigte ihn deshalb der "unverfrorenen Lüge".

Cohen hatte die 130.000 Dollar wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl 2016 an die Pornodarstellerin gezahlt, damit sie nicht öffentlich über ein angebliches sexuelles Abenteuer mit Trump spricht. Der langjährige Trump-Vertraute gab an, das Geld aus eigener Tasche und ohne Trumps Wissen gezahlt zu haben.

Die Zahlung ist juristisch brisant: Sollte sie geleistet worden sein, um kurz vor der Wahl eine negative Berichterstattung über Trump abzuwenden, hätte sie womöglich als Wahlkampfspende deklariert werden müssen. Dies geschah aber nicht, weswegen der Verdacht illegaler Wahlkampffinanzierung im Raum steht.

Geld von Trumps Familienkonto an Anwalt Cohen

Im TV-Sender Fox News räumte Trumps Anwalt Giuliani nun explizit ein: "Die Zahlung wurde durch eine Kanzlei geleistet, und der Präsident hat sie zurückerstattet." Dies sei "über einen Zeitraum von mehreren Monaten" hinweg geschehen.

Dabei habe Trump nach der Wahl monatlich 35.000 Dollar "von seinem persönlichen Familienkonto" an Cohen überwiesen, sagte Giuliani der "New York Times". Die Zahlungen hätten sich auf 460.000 bis 470.000 Dollar summiert. Der Präsident habe nicht nur das Geld für Stormy Daniels erstattet, sondern auch "weitere Ausgaben".

Giuliani sagte weiter, dass Trump "wahrscheinlich" zunächst nicht gewusst habe, dass sein Anwalt Cohen das Schweigegeld an Stormy Daniels überwiesen habe. Trump habe Cohen "weiten Spielraum gegeben, um diese Sache auf diskrete Weise beizulegen", sagte Giuliani dem "Wall Street Journal".

Trump hatte Zahlungen zuvor stets bestritten

Mit seinen Ausführungen widersprach Giuliani den bisherigen Angaben seines Mandanten. Er habe sich dabei mit Trump abgesprochen, beteuerte er. Warum Giuliani ausgerechnet jetzt die Öffentlichkeit informierte, blieb unklar. In den Interviews zeigte sich Giuliani zuversichtlich, den Verdacht illegaler Wahlkampffinanzierung ausräumen zu können: Alles sei "absolut legal" verlaufen.

Trumps Rechtsvertreter Cohen steht zur Zeit selbst im Visier der Justiz. Vor einigen Wochen beschlagnahmten Ermittler bei ihm umfangreiches Aktenmaterial. Möglicherweise ist Trumps Anwaltsteam nun zu dem Schluss gekommen, dass Trumps Zahlungen an Cohen in den Ermittlungen ohnehin aufgeflogen wären.

Mit seiner Enthüllung nahm Giuliani allerdings in Kauf, dass Trumps bisherige Äußerungen in der Angelegenheit unwahr erscheinen. Erst am 5. April hatte ihm ein Journalist an Bord des Präsidentenflugzeugs Air Force One die Frage gestellt: "Wissen Sie, woher Cohen das Geld für die Zahlung (an Daniels) hatte?" Trump entgegnete: "Nein, das weiß ich nicht."

"Das amerikanische Volk wurde angelogen"

Auf die Frage, warum Cohen der Pornodarstellerin so viel Geld überwiesen habe, sagte der Präsident: "Das müssen Sie Michael Cohen fragen." Trump hat bislang immer bestritten, überhaupt ein sexuelles Abenteuer mit Stormy Daniels gehabt zu haben.

Der Anwalt der Darstellerin, Michael Avenatti, fühlte sich durch Giulianis Enthüllung bestätigt. "Wir sagen seit Monaten, dass das amerikanische Volk hier angelogen wurde", twitterte Avenatti. "Jeder Amerikaner sollte ungeachtet seiner politischen Überzeugungen empört darüber sein, dass Trump an Bord von Air Force One unverfroren gelogen hat."

Das Schweigegeld an Stormy Daniels beschäftigt bereits die Gerichte: An die Stillhaltevereinbarung fühlt sie sich inzwischen nicht mehr gebunden, sie liegt darüber mit Cohen im Rechtsstreit. Am Montag reichte sie zudem Verleumdungsklage gegen Trump ein

la/afp

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