Donnerstag, 24. Mai 2018

Schwacher Dollar - USA verspielen gigantischen Vorteil Trump und die Währungskrieger

Donald Trump: US-Administration regiert kopflos und widersprüchlich

Mit dem Dollar geht's bergab: Nach wie vor ist die US-Währung die wichtigste Währung der Welt. Doch Trump und seine Leute sind dabei, diesen gigantischen Vorteil zu verspielen.

Die Ereignisse der vergangenen Tage haben mich an ein Gespräch mit Barry Eichengreen erinnert. Sieben Jahre ist das her. Damals steckte der Schock der Weltrezession noch allen in den Knochen. In Washington herrschte politische Blockade. Präsident Barack Obama und der Kongress hatten sich derart im Streit ums Geld verhakt, dass die Kreditwürdigkeit der USA in Zweifel gezogen wurde. Wir sprachen über die Folgen - für Amerika, den Dollar, das Weltwährungssystem.

Henrik Müller
manager magazin
Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor war Müller stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

Und Eichengreen, der große Ökonom von der kalifornischen Universität Berkeley, sagte große Umbrüche vorher: Der Dollar werde seine Rolle als dominierende Stellung verlieren. "In zehn Jahren wird es drei große Weltwährungen geben." Der Euro und der chinesische Yuan würden dem Dollar ernsthafte Konkurrenz machen.

Keine Frage, diese tektonischen Verschiebungen würden "tiefgreifende Auswirkungen" zeitigen. Die Stabilität der Wechselkurse und der Finanzmärkte sei gefährdet. Die USA wiederum verlören ihr "exorbitantes Privileg", sich in eigener Währung zu günstigen Konditionen verschulden zu können. Für Amerika werde es deshalb schwieriger, seine chronischen Defizite im Staatshaushalt und im Außenhandel zu finanzieren.

In diesem Szenario stehen die USA am Ende als dezimierte Großmacht da - ärmer, schwächer, unsicherer. Dollar-Politik ist auch globale Machtpolitik.

Lange dachte ich, Eichengreen habe sich verschätzt. In den vergangenen Jahren sah es wahrlich nicht so aus, als hätten die USA große Probleme, ihre dominante Rolle in der Weltwirtschaft zu halten. Aber das ändert sich gerade.

Jetzt gerät einiges ins Rutschen

In Obamas zweiter Amtszeit erlebten die USA einen ordentlichen Aufschwung, die Defizite gingen zurück. Die Eurozone hingegen war zerstritten und drohte immer wieder auseinanderzubrechen. China kämpfte gegen Kapitalflucht und verschärfte die Kapitalverkehrskontrollen. Eigentlich logisch, dass der Dollar seine Rolle als wichtigste Währung der Welt in den vergangenen Jahren sogar noch ausbauen konnte.

Doch jetzt scheint einiges in Rutschen zu kommen. Vielleicht behält Eichengreen doch Recht.

Der Dollar Börsen-Chart zeigen fällt. Gegenüber gegenüber dem Euro hat die US-Währung seit Donalds Trumps Amtsantritt 18 Prozent verloren, gegenüber dem Durchschnitt der Währungen der wichtigsten Handelspartner der USA immerhin knapp zehn Prozent.

Dollar hat zum Euro seit Trumps Amtsantritt knapp 20 Prozent verloren

Die US-Administration reagiert kopflos und widersprüchlich. Finanzminister Steve Mnuchin hat in der abgelaufenen Woche in Davos den Eindruck vermittelt, ein schwacher Dollar sei im Interesse der USA, weil dadurch Amerikas Exporte billiger würden. Ein Tabubruch. US-Regierungen sprechen sich traditionell für einen starken Dollar aus - aus guten Gründen, denn daran hängt der Weltwährungsstatus und Amerikas "exorbitantes Privileg", sich billig verschulden zu können.

Kurz daraufwidersprach dann jedoch Donald Trump seinem Finanzminister, ebenfalls von Davos aus, im TV-Interview: Er wolle "einen starken Dollar sehen". Die US-Währung werde "stärker und stärker". Fake news, gemessen an den tatsächlichen Daten.

Man darf gespannt sein, wie der Dollar-Kurs auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed und auf Trumps erste Rede zur Lage der Nation (beides am Mittwoch) reagiert.

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