Dienstag, 18. September 2018

Erst kassieren, jetzt jammern Deutsche Reeder wollen Geld und Hilfe - mal wieder

Containerschiff: Für die meisten Anleger ein Desaster - doch viele Reeder verdienen weiter prächtig

Die deutsche Schifffahrt könnte nach dem Verkauf der HSH Nordbank an US-amerikanische Investoren weiter schrumpfen. "Wir erwarten, dass allein im Zusammenhang mit dem Eigentümerwechsel bei der HSH Nordbank rund 450 weitere Schiffe verkauft werden könnten", sagte Alfred Hartmann, Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. "Wenn diese Schiffe ins Ausland gehen, bedeutet das einen erheblichen Aderlass für den Schifffahrts-Standort Deutschland."

Das Problem ist hausgemacht und verschärft sich nun: Deutsche Reeder sowie ihre Finanziers hatten in den Boomjahren der Schifffahrt bis zum Jahr 2008 immer neue Schiffsfonds aufgelegt und neue Schiffe gebaut. Da sich prächtig daran verdienen ließ und das Risiko an die Anleger abgegeben wurde, wuchs die Zahl der Containerschiffe trotz rückläufiger Charterraten kräftig.

Durch die Überkapazitäten am Markt und rückläufige Wachstumsraten im Welthandel verfielen anschließend die Fracht- und Charterraten. Viele Schiffe konnten Zins und Tilgung nicht mehr zahlen. Schiffsbanken und zahlreiche Anleger, die sich trotz Krise einen Schiffsfonds haben aufschwatzen lassen, verloren Milliarden.

Zahlreiche Schiffe wurden stillgelegt, verschrottet oder ins Ausland verkauft. Die deutsche Handelsflotte, die 2011 in der Spitze 3784 Schiffe umfasste, schrumpfte bis Mitte 2017 auf 2720 Schiffe.

Auf der Käuferseite fanden sich Reedereien aus anderen Ländern, zum Beispiel Griechenland. Sie hatten sich in den Boomjahren der Schifffahrt zurückgehalten, auch weil sie sich die hohen Preise für neue Schiffe nicht leisten konnten. Nun kauften sie die billig zu erwerbende deutsche Tonnage zum Marktwert auf. Der konnte 50 oder sogar 70 Prozent unter dem Anschaffungswert liegen.

Schiffe versenken: Die unheilvolle Allianz zwischen Großreedern und Politik

Die HSH Nordbank, die von den Ländern Schleswig-Holstein und Hamburg an US-amerikanische Investoren verkauft wird, bestätigte den geplanten Verkauf von 450 Schiffen nicht. Gegenwärtig habe die Bank noch Schiffskredite im Wert von fünf Milliarden Euro in den Büchern, bei abnehmender Tendenz. Das entspreche mehreren hundert Schiffen. Die Bank war einmal der größte Schiffsfinanzierer weltweit und finanzierte mehr als 2000 Schiffe. Sie musste rund zehn Milliarden Euro darauf abschreiben und trennte sich von einem Großteil des Portfolios.

Auch andere einstmals große Schiffsbanken wie die Commerzbank und die Deutsche Bank haben sich zurückgezogen. Aus der HSH Nordbank war zu hören, sie werde sich neuen Geschäften mit den deutschen Reedereien nicht verschließen - aber nur, wenn es sich um zukunftsfähige Geschäfte zu "vernünftigen" Konditionen handele. Das alte Modell, bei dem lediglich das finanzierte Schiff der Bank als Sicherheit diente, sei nicht lebensfähig und als alleinige Begründung für eine Geschäftsbeziehung nicht tragfähig. Die Bank habe in der Vergangenheit zehn Milliarden Euro aus Schiffsfinanzierungen abschreiben müssen, ein zweites Mal werde dies nicht geschehen.

la/dpa/reuters

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