Montag, 20. November 2017

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Saudi-König Salman greift durch Warum Protzprinz Alwaleed jetzt im Luxusknast im Ritz sitzt

Baut seine Macht aus: Kronprinz Mohammed bin Salman leitet das neue Anti-Korruptionskomitee in Saudi Arabien. Zuvor hatte sein Vater König Salman 11 Prinzen und 4 Minister entlassen

In Saudi-Arabien hat König Salman in der Nacht zum Sonntag zahlreiche Prinzen, Minister und ranghohe Militärs wegen des Verdachts der Korruption entlassen. Neue Amtsinhaber wurden sogleich ernannt. Durch die Entlassungswelle baut Kronprinz Mohammed bin Salman, der zugleich als Chef des neuen Anti-Korruptions-Komitees ernannt wurde, seine Macht aus.

Viele der Beschuldigten, insgesamt etwa 50 Personen, wurden im Luxus-Hotel Ritz Carlton in Riad festgesetzt. Das Hotel wurde am Wochenende vorsorglich geräumt, um Platz für die prominenten Gefangenen zu schaffen. Privatflugzeuge erhielten Startverbot, um die Flucht weiterer der Korruption Verdächtiger zu verhindern.

Auch Hotelmagnat Prinz Alwaleed entlassen und im Hotel Ritz festgesetzt

Unter anderem wurden der Minister für die Nationalgarde, Prinz Moteib bin Abdullah, Wirtschaftsminister Adel al-Fakieh und der Kommandeur der Marine, Abdullah al-Sultan, von ihren Aufgaben entbunden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Samstagabend.

Unter den festgesetzten und entlassenen Prinzen ist auch der milliardenschwere Hotel-Magnat Prinz Alwaleed bin Talal. Er kontrolliert die Investmentfirma "Kingdom Holding" und zählt zu den reichsten Menschen der Welt. Zu den Firmen, an denen die Kingdom Holding beteiligt ist, zählen auch Citigroup, Apple, Twitter und 21st Century Fox. Prinz Alwaleed kontrolliert zudem zahlreiche TV-Netzwerke in der arabischen Welt.

Prinz Alwaleed wurde in Deutschland auch als "Protz-Prinz" bekannt, nachdem er sich beim US-Magazin Forbes über eine nach seiner Ansicht zu niedrige Platzierung im Ranking der reichsten Menschen der Welt beschwert hatte. Er sei viel reicher als von Forbes angegeben, hatte Alwaleed mitteilen lassen. Er nutzte zeitweise außerdem einen A 380 als Privatflugzeug - der fliegende Palast beherbergte fünf Schlafzimmer, ein türkisches Dampfbad und einen Parkplatz für den Rolls Royce. Den A 380 hat Alwaleed allerdings inzwischen wieder verkauft.

Der 62-jährige Prinz Alwaleed ist einer der einflussreichsten Geschäftsleute im Nahen Osten. Der Enkel des Staatsgründers Ibn Saudi ist dem Magazin "Forbes" zufolge mit etwa 16 Milliarden Euro Vermögen der reichste Mann der arabischen Welt. Sein Geld hat er mit einem Immobilienimperium gemacht. Ihm gehören über seine Kingdom Holding unter anderem zahlreiche Luxushotels wie das George V in Paris oder das Savoy in London. Auch am Kurznachrichtendienst Twitter Börsen-Chart zeigen sowie an den Möwenpick-Hotels ist er beteiligt.

Prinz Alwaleed bin Talal: Der reichste Mann Saudi-Arabiens wurde ebenfalls im Hotel Ritz festgesetzt

In einer offiziellen Erklärung des Königshauses hieß es, "einige schwache Seelen" hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, "um illegal Gelder anzuhäufen".

Kronprinz Mohammed bin Salman leitet Anti-Korruptions-Komittee

Zugleich wurde offiziell ein Anti-Korruptions-Komitee unter der Führung von Kronprinz Mohammed bin Salman ins Leben gerufen. Der Kronprinz, der erst vor wenigen Monaten von seinem Vater Salman zum Thronfolger ernannt wurde, gilt als treibende Kraft hinter den Personalentscheidungen in der Monarchie.

Der Thronfolger des greisen Königs Salman gilt als der starke Mann in Saudi-Arabien. Experten sahen die Festnahmen als Mittel seiner Machtfestigung.

Ritz-Carlton in Riad: Vom Luxushotel zum provisorischen Knast

Der arabische Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete derweil, dass elf Prinzen, vier amtierende Minister sowie mehrere Dutzend ehemalige Minister festgenommen worden seien.

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