Sonntag, 29. Mai 2016

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Ölpreis-Crash reißt Milliardenloch in russischen Haushalt Geldnot zwingt Moskau zu Rosneft-Verkauf

Ölraffinerie im russischen Samara: Russlands Wirtschaft ist extrem abhängig vom Ölpreis. Setzt sich der Preisrutsch fort, dürften neben Russland noch viele Schwellenländer in Schwierigkeiten geraten

Russland erwägt als Reaktion auf den rapiden Ölpreisverfall eine Teilprivatisierung des Rohstoffkonzerns Rosneft. Es gehe um ein Paket von 19,5 Prozent, sagte Finanzminister Anton Siluanow im Staatsfernsehen. Derzeit hält die Regierung Rosneft zufolge rund 70 Prozent an dem Ölgiganten.

Der stetige Ölpreisverfall in den vergangenen anderthalb Jahren setzt den russischen Staatshaushalt immer stärker unter Druck. Siluanow schätzt, dass die Haushaltslücke umgerechnet etwa 36 Milliarden Euro groß sein könnte. Laut Experten hängt der Etat der Rohstoffmacht etwa zur Hälfte von den Einnahmen aus dem Handel mit Öl und Gas ab. Der Haushalt für 2016 basiert auf einem angenommenen Ölpreis von 50 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Zuletzt kostete ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent jedoch weniger als 30 Dollar. Auch die Rückkehr des Iran auf den Weltmarkt nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen könnte die verfügbare Ölmenge weiter steigern und die Preise weiter drücken.

Russland hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Privatisierungen angekündigt, um sich bei Engpässen Geld zu beschaffen - so auch in der schweren Finanzkrise 2009. Siluanow sagte, auch Anteile anderer Staatsunternehmen - zum Beispiel Banken - könnten künftig verkauft werden, um Haushaltslücken zu stopfen. Zudem sei es möglich, den staatlichen Vermögensfonds NWF anzuzapfen.

Parallel zum Ölpreis hat auch die Landeswährung Rubel massiv an Wert verloren, zum Dollar beträgt das Minus mehr als 50 Prozent. Siluanow sagte, da der Ölpreis nicht mehr so stark fallen dürfte wie bisher, werde auch der Rubel nicht erneut in dem Ausmaß nachgeben.

Auch andere Ölförderländer geraten massiv unter Druck. So rief Venezuela am Freitag den Wirtschaftsnotstand aus. Ein entsprechender Erlass gibt dem sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro nun 60 Tage Zeit, Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur einzuleiten. Das Dekret stattet ihn mit Sondervollmachten aus. Laut Zentralbank ist die Wirtschaft des Opec-Landes in den ersten neuen Monaten 2015 um 4,5 Prozent geschrumpft. Zugleich beschleunigte sich der Preisauftrieb auf 141,5 Prozent. Das ist höchste Inflationsrate weltweit.

ts/la/dpa/reuters

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