Samstag, 21. Juli 2018

Chinas Bosse Ren Zhengfei - dieser Mann führt Chinas bekannteste Marke

Da geht´s lang: Huawei-Chef Ren Zhengfei weist Chinas Präsident Xi Jinping während dessen Besuchs des Telekom-Riesen den Weg

Geely-Chef Li Shufu sorgt mit seinem Einstieg bei Daimler für Aufregung in der weltweiten Autobranche. Doch nicht nur die Autohersteller bekommen den wachsenden Einfluss von Chinas mächtigen Bossen zu spüren. mm-Reporter Wolfgang Hirn beschreibt in seinem neuen Buch unsere unbekannten Konkurrenten - wir stellen einige von Ihnen vor. Heute: Huawei-Chef Ren Zhengfei.

Ein Campus vom Feinsten. Viel Grün, künstliche Seen, Tennisplätze, Basketballfelder. Zwei Hotels, vier und fünf Sterne. Ein Sechssternehotel ist gerade im Bau. Stünden da nicht auch noch ein paar Bürogebäude, könnte man glatt meinen, man sei in einem Club Med.

Aber das ist hier der Campus des Telekomkonzerns Huawei. Rund 30.000 Beschäftigte arbeiten hier in den elf - von A bis K durchbuchstabierten - Bürogebäuden. A ist in traditionell chinesischem Stil gebaut. Dort residiert unter anderem der Firmengründer Ren Zhengfei. In B sitzen die Finanzleute, in F die Forscher und Entwickler und in J ist die Huawei Universität untergebracht.

Dort gibt es - wie in jedem der elf Gebäude - mehrere Restaurants, zum Beispiel ein thailändisches, ein koreanisches und ein japanisches. In A werden die Speisen von über zehn verschiedenen chinesische Küchen angeboten. Die Mitarbeiter können sich aussuchen, wo sie mittags speisen wollen. Shuttle-Busse verkehren um die Mittagszeit zwischen den diversen Gebäuden. Für die Ruhe danach gibt es separate Räume, wo sie die Füße hochlegen können. Hier verschläft aber trotzdem keiner die Zukunft.

Huawei ist in jeder Hinsicht ein Vorzeigeunternehmen. Die wichtigsten Superlative: Chinas bestes Technologieunternehmen. Chinas führender Global Player. Chinas bekannteste Marke.

Wolfgang Hirn
Chinas Bosse: Unsere unbekannten Konkurrenten

Campus Verlag, 284 Seiten, gebunden, Februar 2018, 26.00 Euro

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Als einst John Chambers, der Chef von Cisco Börsen-Chart zeigen , von Wall-Street-Journal-Reportern gefragt wurde: Welche Firma unter seinen Wettbewerbern ihm am meisten Sorgen macht, antwortete er: "Das ist sehr einfach. Vor 25 Jahren wusste ich bereits, dass mein größter Rivale einst aus China kommen würde. Nun weiß ich, dass es Huawei ist."

Dahinter steckt ein kluger Kopf: Ren Zhengfei. Als er 1987 Huawei gründete, war er bereits 44 Jahre alt und zuvor Ingenieur beim Militär gewesen. Sein Startkapital waren 21.000 Yuan, er selbst konnte nur 3000 Yuan beisteuern. Der Rest kam von fünf Partnern.

Huawei startete als eine Handelsfirma mit 12 Beschäftigten. Sie verkauften zunächst Schalteinrichtungen für Telekomfirmen, ein paar Jahre später stellten sie sie selbst her. Sie waren zunächst von schlechter Qualität, hatten aber günstige Preise, und Huawei bot einen sehr guten Service. Und Huawei ging in Gegenden Chinas, die die ausländischen Konkurrenten wie Ericsson oder Motorola mieden.

Deals mit Vodafone und der Deutschen Telekom

Hinzu kam: "Die Huawei-Mitarbeiter saugten Informationen wie ein Schwamm auf", schreibt Tian Tao in seinem Buch Huawei - Leadership, Culture and Connectivity. Sie übernahmen viel von ihren Konkurrenten und integrierten dies in ihre Systeme. Kein Klau, sondern alles legal. Sie bezahlten dafür Lizenzgebühren, in Spitzenzeiten über 200 Millionen Dollar im Jahr. Irgendwann - schwer auf ein Jahr zu datieren - waren sie auf Augenhöhe mit ihren Lehrmeistern.

Dann kam 2005 der Durchbruch mit einem Deal mit Vodafone Börsen-Chart zeigen . Es folgten wenig später Verträge mit fast allen führenden Telekomgesellschaften in Europa, auch der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen. Mit diesen Kunden hat Huawei sogenannte Joint Innovation Centers (JIC), in denen gemeinsam entwickelt wird.

Hinzu kommen 30.000 Forscher und Entwickler in China und Entwicklungszentren in aller Welt. Mindestens 10 Prozent vom Umsatz gehen jedes Jahr in Forschung und Entwicklung.

Dank dieser Innovationspower kam, was kommen musste: Bei Ausrüstungen für die Telekomindustrie ist Huawei seit 2014 weltweit die Nummer eins, Ericsson wurde abgelöst. Nokia und Siemens Börsen-Chart zeigen spielen keine große Rolle mehr.

Trotzdem heben sie bei Huawei nicht ab. Man macht auf Understatement. Einst platzte ein Manager in ein Meeting hochran giger Kollegen und sagte: "Ich habe eine schlechte Nachricht: Wir gehören nun zu den Fortune-500-Unternehmen." Keine Hand regte sich zum spontanen Applaus, keine Champagnerkorken knallten. Man ging zur Tagesordnung über.

Das ist das Gen von Gründer Ren, der ein bescheidener Mensch geblieben ist. Bis 1997 fuhr er einen alten Peugeot. Erst danach leistete er sich einen BMW. Wenn immer es die Zeit erlaubte, schob er das Schiebedach zurück, fuhr durch Shenzhen und hörte Englisch-Lektionen.

Huawei wird von rotierenden CEOS geleitet

Wenn er reist - und er reist viel, mindestens 100 Flüge im Jahr -, informiert er nicht die lokalen Büros. Er ist einfach da, kommt mit dem Taxi. Als er kürzlich in der Taxischlange am Shanghaier Hongqiao-Flughafen gesichtet und abgelichtet wurde, ging das Foto durch die sozialen Medien. Er hat keinen Fahrer, auch die Vorstände nicht - das Unternehmen wird von rotierenden CEOs geleitet. Es wird weder Business, geschweige denn First Class geflogen.

Ren gab auch die klaren Linien vor: keine oder höchstens kleine Übernahmen. Und: im angestammten Business, der Telekommunikation, bleiben. Router, Server, Schaltanlagen - das waren die Produkte, mit denen Huawei groß und stark wurde. Daneben produzierten sie auch Handys, aber lange Zeit nur für Telekomgesellschaften, die diese unter ihrem Namen verkauften.

2011 aber fing Huawei an, unter eigenem Namen Handys zu vertreiben. Ein schwieriger Sprung, denn nun war man plötzlich im Endverbrauchergeschäft. Doch Huawei ist auch dies gelungen. Binnen weniger Jahre wurden sie weltweit die Nummer drei hinter Apple und Samsung - und sie wollen mehr. Richard Yu, Chef der Handysparte: "Wir kommen Apple Börsen-Chart zeigen Schritt für Schritt, Innovation für Innovation näher."

Huawei-Handys punkten nicht nur mit starken Kameras

Huawei-Smartphones konkurrieren nicht über den Preis, sondern über Innovationen. Sie haben starke Kameras durch eine Kooperation mit Leica. Leica-Besitzer Andreas Kaufmann sagt: "Wir haben auch mit Samsung Börsen-Chart zeigen verhandelt, aber Huawei war viel schneller." Dank des Erfolgs im Handygeschäft will man bis 2020 das Ziel erreichen, 100 Milliarden Dollar Umsatz zu machen.

Doch bei allem Erfolg hat Huawei eine schwache Stelle. Die heißt USA. Weil Ren mal beim Militär war, glauben die Amerikaner allen Ernstes, dass Huawei eine Tarnorganisation der Volksbefreiungsarmee ist, während Huawei behauptet, das Unternehmen sei im Besitz der chinesischen Mitarbeiter, die seit Jahren regelmäßig Anteile bekommen. James Lewis vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington sagt, die US-Sicherheitsbehörden "sind fest davon überzeugt, dass Huawei im Interesse der chinesischen Regierung handelt und dieser beim Spionieren hilft."

Eher wahrscheinlich ist allerdings, dass die Amerikaner mit diesem vorgeschobenen Argument ihre eigene Industrie - allen voran Cisco - schützen wollen. Ren konterte 2015 in Davos bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte: "Wir wurden nie von unserer Regierung gebeten, zu spionieren." Von den US-Telekomfirmen bekommt Huawei aber keine Aufträge. Und da diese auch den Handymarkt beherrschen, verkauft Huawei in den USA fast keine Smartphones. Bislang jedenfalls. Gerüchteweise soll aber AT&T überlegen, Huawei-Handys ins Programm zu nehmen.

Da half bislang auch alles Lobbying in Washington nicht. Obwohl Huawei das chinesische Unternehmen ist, das das westliche Handwerk von Marketing, PR und Lobbying am besten versteht.

In Großbritannien, wo Huawei sehr stark ist und sogar ein Cyber Security Evaluation Centre etabliert hat, haben sie Lord Browne, den ehemaligen Chef des Ölkonzerns BP, und Sir Andrew Cahn, Ex-Chef von UK Trade & Investment, in den Board berufen.

In Brüssel engagierte Huawei den ehemaligen EU-Botschafter in China, Serge Abou, als Senior Advisor für die Europäischen Institutionen. Für manchen hat dieser Seitenwechsel ein Gschmäckle, für Huawei ist der Mann freilich eine echte Brüsseler Spitze.

Messi als globaler Markenbotschafter von Huawei

Und auch in Deutschland hat das Unternehmen um sich einen honorigen Beraterkreis geschart - vom Ex-Daimler-Manager Rolf Eckrodt bis zum ehemaligen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Bernd Pfaffenbach.

Aber vielleicht wichtiger als all diese Herren in dunklen Anzügen ist ein Mann in kurzen Hosen - Lionel Messi. Argentiniens Fußballstar ist der globale Markenbotschafter von Huawei.

Was die können, können wir auch, dachte man beim chinesischen Konkurrenten ZTE - und engagierte als Werbeträger Cristiano Ronaldo, den portugiesischen Starkicker.

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