Dienstag, 25. September 2018

Chinas wichtigste Bosse - Teil 5 Der App-Killer - Tencent-Boss Pony Ma

Tencent Ceo Pony Ma: Weltgrößter Spieleanbieter mit mehr als 10 Milliarden Dollar Umsatz

Geely-Chef Li Shufu sorgt mit seinem Einstieg bei Daimler für Aufregung in der weltweiten Autobranche. Doch nicht nur die Autohersteller bekommen den wachsenden Einfluss von Chinas mächtigen Bossen zu spüren. mm-Reporter Wolfgang Hirn beschreibt in seinem neuen Buch unsere unbekannten Konkurrenten - wir stellen einige von Ihnen vor.

Der große innerchinesische Rivale von Jack Ma heißt auch Ma, mit westlichem Vornamen Pony, mit chinesischem Vornamen Huateng. Pony Man ist nicht so outspoken und auch kein Showman wie Crazy Jack. Sein Scheitel sitzt verdammt akkurat. Er liebt das dezente Grau des Businessanzugs.

Verkleidungen a la Jack Ma sind nicht seine Sache, auch wenn er zu einer Neujahrsfeier in dem von ihm geführten Konzern Tencent Börsen-Chart zeigen schon mal als Sänger auftritt. Pony Ma wirkt eher im Hintergrund von seinem Büro in der neuen Hauptverwaltung in Shenzhen.

Wolfgang Hirn
Chinas Bosse: Unsere unbekannten Konkurrenten

Campus Verlag, 284 Seiten, gebunden, Februar 2018, 26.00 Euro

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Ein architektonisches Meisterwerk, das 600 Millionen Dollar kostete. Es besteht aus zwei 250 Meter hohen Türmen, die mit drei sogenannten Skybridges miteinander verbunden sind. Jede Brücke ist mit einem symbolischen Namen versehen: Gesundheit, Kultur und Wissen.

Auf der Gesundheitsbrücke zum Beispiel befinden sich eine Saftbar, ein Fitnesscenter, ein Basketballfeld und eine 300-Meter-Laufbahn. Die beiden Bürotürme bieten Platz für 12.000 Beschäftigte und stehen nicht weit vom "alten" Gebäude, das aber bereits nach sieben Jahren zu klein war, und noch näher an seiner Uni.

Pony Ma studierte an der Shenzhen University Computerwissenschaften. Im November 1998 hat er dann zusammen mit vier Studienfreunden aus Shenzhen Tencent gegründet. Kurz darauf entwickelten sie den Instant Messenger QQ. Als die Gewinne sprudelten, ging Tencent Börsen-Chart zeigen 2004 an die Börse in Hongkong. Mit den Emissionserlösen bauten Ma und seine Freunde vor allem das Onlinegaming-Business massiv aus.

80 Millionen Menschen spielen "Honour of Kings" - jeden Tag

Heute ist Tencent der weltgrößte Spieleanbieter, macht damit über 10 Milliarden Dollar Umsatz (2016) und verdient viel Geld. Honour of Kings ist das erfolgreichste Handyspiel der Welt, obwohl es fast nur in China gespielt wird. Dort hat es 200 Millionen registrierte Nutzer, jeden Tag spielen es 80 Millionen Menschen.

Es ist so populär, dass der chinesische Staat Mäßigung einforderte. Tencent sperrte deshalb das Spiel für Kinder unter 12 Jahren nach 21 Uhr. Und auch in der Armee gab es Spielverderber. Man fürchtete angesichts der Spielsucht dort allen Ernstes eine abnehmende Kampfbereitschaft.

Ähnlich erfolgreich sind die Spiele League of Legends und Clash of Clans. Sie kamen durch milliardenteure Zukäufe in Tencents Portfolio. So zahlte Tencent für den Clash-of-Clan-Entwickler Supercell aus Finnland fast 9 Milliarden Dollar. Tencent ist unter den drei BAT-Unternehmen das aggressivste, was Übernahmen anbetrifft. Zwischen 2012 und 2017 gaben sie bei 75 Deals über 60 Milliarden Dollar aus. Jüngster Deal: eine 12-Prozent-Beteiligung an Snapchat-Mutter Snap.

Baidu, Alibaba und Tencent: Die BAT-Firmen wildern auch bei Goldman Sachs

Interessant dabei: Tencent, aber auch Alibaba und Baidu, verlassen sich nicht mehr auf die Investmentbanken, die sie bei der Suche nach Übernahmeobjekten beraten und anschließend die Deals abwickeln. Sie machen das selber, haben eigene M&A-Abteilungen, für die sie gute Leute von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen und anderen Wall-Street-Banken abgeworben haben. Bei den Gehältern können die BAT-Unternehmen locker mithalten. Geld spielt bei allen dreien keine große Rolle.

Aber berühmt wurde Tencent nicht durch seine gewinnbringende Spielsucht, sondern durch den Instant-Messsenger-Dienst WeChat. Pony Ma mag Teams. Er lässt sie - das hat er von Microsoft Börsen-Chart zeigen abgeschaut - um die besten Ideen wetteifern.

WeChat entstand aus einem internen Wettstreit zweier Forschungsteams. Das eine saß im Headquarter in Shenzhen, das andere im Forschungszentrum in Guangzhou. Sieger wurde Anfang 2011 die zehnköpfige Guangzhou-Truppe um Zhang Xiaolong. Er wird in der Szene als "Vater von WeChat" verehrt.

WeChat ist viel besser als WhatsApp - mit mehr Funktionen

Wenn man sagen würde, das ist das chinesische WhatsApp, dann wäre es eine Beleidigung für die WeChat-Betreiber. Denn WeChat ist viel besser als WhatsApp, es hat viel mehr Funktionen. Roland-Berger-Chef und Chinakenner Charles-Édouard Bouée sagt: "WeChat ist alles zusammen: WhatsApp, Skype, Instagram and Facebook Börsen-Chart zeigen ." Und was Bouée vergessen hat, auch noch ein wenig Amazon Börsen-Chart zeigen , Uber oder Lieferando.

Tencents Ziel sei es, so HSBC-Analyst Chi Tsang, mit WeChat alle anderen Apps auf dem Smartphone zu ersetzen. Die Mega- App also, ein geschlossenes System, das man nicht mehr verlassen muss. Es soll nur noch eine App geben - die reicht.

WeChat - der App-Killer.

Zwei von drei Chinesen benutzen bereits WeChat, den App-Killer

Zwei von drei Chinesen, also knapp eine Milliarde, nutzen bereits WeChat. Jeder User von WeChat erhält einen QR-Code. Das ist eine quadratische Matrix, die selbst aus vielen kleinen schwarzen und weißen Quadraten besteht. Dieser Code ist quasi die WeChat-ID, die immer öfter die Visitenkarte ersetzt.

Gehörte es in China lange zum Begrüßungsritual, beidhändig die Kärtchen auszutauschen, so scannt man nun - fast eine Kulturrevolution - häufig gegenseitig die QR-Codes mit den Smartphones.

Tencents Domäne ist also ganz klar der Messenger-Dienst. So wie die von Alibaba Börsen-Chart zeigen der E-Commerce ist. Trotzdem duellieren sich die beiden, aber - und das ist etwas schräg - verbrüdern sie sich auch gleichzeitig. Einerseits herrscht brutaler Wettbewerb zwischen den beiden, vor allem bei den Bezahlsystemen, wo die chinesischen Verbraucher nur vor der Frage stehen: Nutze ich Alipay oder Tencent Pay? Auch im E-Commerce attackieren sie sich. Tencent stieg im März 2014 bei JD.com, dem einzigen großen Alibaba-Rivalen ein. Alibaba revanchierte sich, indem es im Frühjahr 2017 beschloss, in den Onlinegaming-Markt einzusteigen.

Coopetition: Harte Rivalen bildeten Zweckbündnis gegen Uber

Harte Rivalen sind die beiden auch bei den Lieferdiensten von Essen: Ele.me (Alibaba) versus Meituan Dianping (Tencent), der Shootingstar der Online-Szene. Andererseits machen die beiden Giganten auch schon mal gemeinsame Sache, wie zum Beispiel, als sie sich gegen den mächtigen US-Konzern Uber zusammenschlossen und diesen quasi aus dem chinesischen Markt kickten.

Für dieses Wechseln zwischen Competition (Wettbewerb) and Cooperation (Zusammenarbeit) haben die Ökonomen ja einen Begriff erfunden, eine Wortkreuzung sozusagen: Coopetition.

Doch bei aller Dominanz der beiden: Es gibt noch den dritten im BAT-Trio - das Suchmaschinenportal Baidu mit Sitz in Beijing. Manche Experten zweifeln, ob das B noch dazugehört, weil A(libaba) und T(encent) schon so weit vorausgeeilt sind.

Bei Baidu sieht man das freilich anders. Dort sieht man sich noch in derselben Topliga.

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