Montag, 24. September 2018

Das reichste Prozent besitzt mehr als die Hälfte des globalen Vermögens "Unsere Volkswirtschaften belohnen eher Reichtum als Arbeit"

Millionärsmesse in München: "Ungleichheit ist Gift für unsere Gesellschaft"

Steigende Ungleichheit in der Welt gefährdet nach einem Bericht der Organisation Oxfam die Gesellschaft und die Demokratie. Wer arm sei, beteilige sich seltener an politischen Prozessen oder unterstütze eher "Anti Establishment"-Parteien, sagte Oxfam-Expertin Ellen Ehmke. "Ungleichheit ist Gift für unsere Gesellschaft."

Nach aktuellen Zahlen nehme die Ungleichheit weltweit zu, ergab der Oxfam-Bericht. Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitzt mehr als die Hälfte des globalen Vermögens und damit mehr als die übrigen 99 Prozent zusammen. Außerdem seien im Jahr 2017 82 Prozent des weltweiten Vermögenswachstums auf das Konto dieser kleinen Minderheit gegangen, während der Besitz der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung stagniert habe.

"Die Studie offenbart, dass unsere Volkswirtschaften eher Reichtum belohnen als die harte Arbeit von Millionen von Menschen", sagte Oxfams Executive-Direktorin Winnie Byanyima. "Die Superreichen werden immer reicher und reicher, während Millionen von Menschen von Hungerlöhnen leben müssen."

Byanyima prangert die Steuerhinterziehung als Hauptproblem für die globale Ungerechtigkeit an und fordert Staats-und Regierungschefs weltweit dazu auf, Steueroasen zu bekämpfen und mehr Geld in die Bildung der ärmeren Bevölkerung zu stecken.

Im Besonderen kritisiert Byanyima den US-Präsidenten Trump dafür, dass er in den USA ein "Kabinett der Milliardäre" geschaffen hat. Zudem helfe seine Steuerreform nur den superreichen Amerikanern, nicht aber den gewöhnlichen US-Bürgern.

Oxfam präsentiert die Studie unmittelbar vor Beginn der 48. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF), an dem auch der US-Präsident teilnimmt. Sie ist zugleich eine fundamentale Kritik an den Wirtschaftssystemen der westlichen Welt.

Die Tagung beginnt am Dienstag (23.Januar) in Davos. Oxfam rief die Teilnehmer erneut dazu auf, härter gegen Steuertricks von Konzernen und einzelner Superreicher vorzugehen sowie faire Einkommen sowie bessere Bezahlung von Frauen durchzusetzen. "Soziale Ungleichheit ist ein Hemmschuh für die Beseitigung der Armut in der Welt", sagte Jörn Kalinski, Kampagnenleiter von Oxfam Deutschland.

Oxfam stützt sich bei den Berechnungen auf Daten der Schweizer Großbank Credit Suisse sowie die Milliardärsliste des US-Magazins "Forbes".

Leo/dpa/reuters

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