Samstag, 30. Juli 2016

Markt spielt verrückt "Ölmarkt könnte in Überangebot ertrinken"

Ölförderung in North Dakota (Archivbild): Manche Ölsorten sind angesichts des Preisverfalls nahezu fast wertlos

Die Ölpreiskrise nimmt immer extremere Formen an: Der Preis für eine bestimmte US-Sorte rutscht auf 1,50 Dollar ab. Kurzzeitig gab es Gerüchte, er sei unter null gefallen - was der betroffene Abnehmer jedoch dementiert.

An den Rohstoffmärkten herrscht Aufregung, weil der Preis für die drei wichtigsten Referenzsorten WTI, Brent und Opec-Öl unter 30 Dollar pro Barrel (159 Liter) gefallen ist. Doch an regionalen Märkten ist der Absturz noch weit extremer: Die derzeit wohl billigste Sorte ist das North-Dakota-Sour-Öl, für das eine Raffinerie nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg vergangenen Freitag nur noch 1,50 Dollar zahlte.

Grund für den niedrigen Preis ist die schlechtere Qualität des Öls. Die Sorte North Dakota Sour ist reich an Sulfaten und dadurch für Raffinerien teurer zu verarbeiten. Hinzu kommen Engpässe in einigen Pipelines. Dennoch alarmiert der Preissturz Händler und Banker - schon allein wegen seiner Geschwindigkeit und Heftigkeit: Im Juni hatten Raffinerien für ein Barrel North Dakota Sour noch bis zu 47 Dollar gezahlt (Preisliste: hier).

Zwischenzeitlich herrschte regelrechte Aufregung an den Märkten. Denn die Raffineriegruppe Flint Hills Resources hatte eine Liste veröffentlicht, auf der die Sorte North Dakota Sour sogar nur noch minus 0,50 Dollar kostete. Die Ölproduzenten hätten demnach draufzahlen müssen, damit ihnen jemand das Öl abnimmt.

Flint Hills Resources gehört zum US-Industriegiganten Koch Brothers, die Preislisten der Firma gelten als Referenzwert für viele andere regionale Abnehmer. Mehrere US-Finanzblogs veröffentlichten deshalb Screenshots der spektakulären Preisliste:

Screenshot der negativen Preisliste
Flint Hills Resources, Zerohedge.com
Screenshot der negativen Preisliste
Kurz darauf dementierte ein Sprecher von Flint Hills Resources die Meldung, und die Firma löschte die entsprechende Preisliste von ihrer Website. Man habe versehentlich falsche Angaben gemacht, sagte der Sprecher. Korrekt sei ein Preis von 1,50 Dollar. Wie der Fehler genau zustande kam, sagte er nicht.

Die Sorte North Dakota Sour ist nicht die einzige, deren Preis in absurde Tiefen gestürzt ist. So ist beispielsweise auch der Preis für bestimmte kanadische Ölsandsorten in den vergangenen zwei Jahren von 80 auf fast 8 Dollar abgestürzt.

Das Überangebot am Ölmarkt dürfte in den kommenden Wochen weiter zunehmen. Nach dem Atomabkommen mit Iran hat die internationale Staatengemeinschaft die Sanktionen gegen den Mullah-Staat aufgehoben - das Land kann nun mit seinem Erdöl auf den Weltmarkt zurückkehren.

"Ölmarkt könnte in einem Überangebot ertrinken"

So schließt auch die Internationale Energieagentur (IEA) einen weiteren Rückgang der Ölpreise wegen des hohen Angebots auf dem Weltmarkt nicht aus. Die Preise könnten noch tiefer fallen, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht der Agentur. Obwohl die IEA davon ausgeht, dass der Anstieg der Öl-Lagerbestände in der zweiten Jahreshälfte nachlassen wird, "könnte der Ölmarkt in einem Überangebot ertrinken".

Unter dem Strich sieht die IEA in der ersten Jahreshälfte ein Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt von 1,5 Millionen Barrel pro Tag. Neben dem zu hohen Angebot sehen die IEA-Experten die Ölpreise auch durch eine schwächere Nachfrage in China belastet, nachdem die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zuletzt an Schwung verloren hatte.

Die Ursache für die etwas schwächere Entwicklung der Ölreserven sieht die IEA darin, dass Förderländer außerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ihre Produktion wegen der niedrigen Preise zurückfahren werden. Die Experten schätzten den Rückgang hier im laufenden Jahr auf ein Volumen von 600 000 Barrel pro Tag. Allerdings dürfte die Rückkehr des Irans auf den Weltmarkt nach dem Ende der Sanktionen diesen Rückgang des Angebots wieder ausgleichen.

ssu/rei/dpa

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