Montag, 25. März 2019

OECD Wo die Reichen immer reicher werden

Verteilung des Gesamteinkommens: In den USA ist das Einkommen der Reichsten am stärksten gestiegen

Wie verteilt sich das Gesamteinkommen auf die Bevölkerung? Sind die Reichen tatsächlich überall vermögender geworden? Wo stiegen die Einkommen am meisten und wo am wenigsten? Der aktuelle Bericht der OECD gibt Auskunft.

Wien - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat wieder ihren Bericht über die Einkommensverteilung vorgelegt. Das Ergebnis ist eindeutig: In den vergangenen 30 Jahren sind die Reichsten in den meisten Industriestaaten noch reicher geworden.

Das vermögendste Prozent der Bevölkerung hat seinen Anteil am Gesamteinkommen deutlich vergrößert: In den USA hat sich ihr Einkommensanteil seit 1980 sogar mehr als verdoppelt und erreichte 2012 rund 20 Prozent des Gesamteinkommens, teilte die OECD mit.

Auffallend sei, dass sogar in Ländern, die eine Tradition der ausgeglicheneren Einkommensverteilung hätten, wie in Finnland, Norwegen und Schweden der Anteil des reichsten Prozents der Bevölkerung am Gesamteinkommen (vor Steuern) um 70 Prozent auf 7 bis 8 Prozent gestiegen ist. Demgegenüber seien die Reichsten in Frankreich, den Niederlanden und Spanien nicht um soviel reicher geworden.

Die Reichsten der Reichen haben laut OECD-Berechnungen in den USA am stärksten zugelegt. Der Einkommensanteil der Superreichen, des reichsten 0,1 Prozent der US-Bevölkerung, sei von 1980 bis 2010 von 2 auf 8 Prozent des Gesamteinkommens gestiegen. Demgegenüber besitze das reichste 0,1 Prozent der Bevölkerung in Frankreich "nur" drei Prozent des Gesamteinkommens.

Steuersätze für Spitzeneinkommen wurden fast überall gesenkt

Die Einkommen der ärmsten Haushalte in den OECD-Ländern hätten demgegenüber mit dem wachsenden Einkommen der Gesamtwirtschaft nicht Schritt gehalten. Viele seien am Einkommensniveau der Mitte der 80er Jahre stehen geblieben.

Die Krise habe das starke Wachstum der Einkommen der Superreichen nur vorübergehend gestoppt, so die Organisation für Wirtschaft und Zusammenarbeit in Europa (OECD).

Durch die Steuerreformen der letzten 30 Jahre wurden in fast allen OECD-Ländern die Steuersätze für Spitzeneinkommen gesenkt. Im Schnitt wurden die Spitzeneinkommen in der OECD im Jahr 1981 mit 66 Prozent besteuert, im Jahr 2013 nur mehr mit 43 Prozent. Auch Steuern für Kapitaleinkommen sind gesunken, so wurden die Steuern auf Dividenden-Einkommen von 75 Prozent auf 42 Prozent gesenkt.

Ohne gemeinsame politische Aktionen werde die Kluft zwischen Arm und Reich in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch weiter aufgehen, warnte OECD-Generalsekretär Angel Gurria am Mittwoch laut Mitteilung. Daher sei es umso wichtiger, dass die Spitzenverdiener ihren fairen Anteil an Steuern zahlten. Um dies zu erreichen sollten die Staaten verschiedene Formen der Vermögensbesteuerung prüfen, etwa Erbschaftssteuern. Außerdem sollte eine Harmonisierung der Besteuerung von Kapital und Arbeit geprüft werden.

akn/dpa-afx

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung