Montag, 17. Dezember 2018

Neuer New Yorker Bürgermeister Demokrat de Blasio löst Bloomberg ab

Überlegen gewonnen: Der neue New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio (2. v. rechts) mit seiner Familie

Das war ein haushoher Sieg: Erstemals nach zwei Jahrzehnten wird die Weltstadt New York wieder von einem Demokraten regiert. Der Linke Bill de Blasio tritt ab 1. Januar die Nachfolge von Michael Bloomberg an.

New York - Die Finanzmetropole New York wird nach zwei Jahrzehnten wieder von einem Demokraten regiert. Der bekennende Linke Bill de Blasio gewann die Bürgermeisterwahl haushoch gegen seinen republikanischen Konkurrenten Joe Lhota.

Er wird damit Nachfolger des Milliardärs Michael Bloomberg, der nach zwölf Jahren im Amt nicht mehr antreten durfte. Auch in Virginia gewann ein Demokrat: In der landesweit beachteten Gouverneurs-Wahl setzte sich Terry McAuliffe knapp gegen den Favoriten der Tea Party durch, während in New Jersey der moderate republikanische Gouverneur Chris Christie wiedergewählt wurde.

"Liebe New Yorker: Heute habt Ihr Euch laut und deutlich für einen Richtungswechsel in unserer Stadt ausgesprochen, vereint in dem Glauben, dass unsere Stadt keinen New Yorker zurücklassen darf", sagte de Blasio gestern Abend bei seiner Siegesrede vor 2000 Anhängern im Stadtteil Brooklyn. Er prangerte die wachsende Ungleichheit in der Millionen-Stadt an. Diese werde er bekämpfen.

Die Familie de Blasio steht für alles, was der Amtsinhaber und Milliardär Bloomberg nicht ist: Sie sind multi-ethnisch und wohnen im Trend-Bezirk Brooklyn und nicht auf der teuren Upper East Side. Die Kinder waren auf ganz normalen öffentlichen Schulen. Die Familie gilt als bodenständig, nahbar und bescheiden.

Höhere Reichensteuer - für die Kleinkindbetreuung

Von seinem Vorgänger Bloomberg - dem er eine Spaltung der Stadt in arm und reich vorwarf - übernimmt der bisher als Ombudsmann in der Stadtverwaltung tätige de Blasio eine schwere Bürde. Für 2014 wird im Haushalt eine Lücke von 2,2 Milliarden Dollar erwartet.

Gleichzeitig fordern die Gewerkschaften deutliche Lohnerhöhungen für die städtischen Beschäftigten, die nach Prognose der bisherigen Verwaltungen zwischen vier und acht Milliarden Dollar kosten könnten. Der 52-Jährige hat im Wahlkampf höhere Steuern für die Reichen angekündigt. Damit will er die Kleinkindbetreuung ausbauen und die Schließung von Krankenhäusern verhindern.

Der 1,96 große de Blasio ist ein erfahrener liberaler Politiker. Unter anderem agierte er als Wahlkampfmanager für Hillary Clinton, als diese 2000 erfolgreich als Senatorin für den Bundesstaat New York kandidierte. In den vergangenen Jahren machte er sich einen Namen als lautstarker Kritiker Bloombergs.

Im Mittelpunkt stand dabei stets die umstrittene Polizeitaktik des "Stop and Frisk", bei der Menschen ohne Anlass durchsucht werden. Diese Methode wurde häufig bei jungen Schwarzen angewendet und deswegen von Gegnern häufig als rassistisch bezeichnet. Im Juli war de Blasio, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, zusammen mit anderen bei einer Demonstration gegen die Schließung eines Krankenhauses in Brooklyn festgenommen worden.

Zu Beginn des Wahlkampfs hatte kein Experte de Blasio auf der Rechnung. Die vom Amtsinhaber Bloomberg unterstützte Christine Quinn, Chefin des Stadtrats, und der Skandalpolitiker Anthony Weiner galten lange als Favoriten. Aber dann holte de Blasio auf, dominierte die Vorwahl seiner Partei deutlich und lag seitdem in allen Umfragen gegen seinen republikanischen Gegenkandidaten Lhota praktisch uneinholbar vorn. Auch die "New York Times" unterstützte de Blasio schließlich.

wed/rtr

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