Mittwoch, 19. September 2018

USA und Kanada ohne Einigung Abbruch der NAFTA-Gespräche besorgt deutsche Wirtschaft

Stahlwerker im kanadischen Ontario: Die Verhandlungen mit den USA kommen nicht voran

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich besorgt über den Abbruch der Gespräche über einen neuen nordamerikanischen Handelspakt. "Deutsche Unternehmen haben dort in Milliardenhöhe investiert und über Jahre umfassende Lieferketten aufgebaut", teilte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, am Samstag in Berlin mit. Die deutsche Wirtschaft sei auch deshalb auf eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA, Mexiko und Kanada angewiesen.

Bei den Gesprächen über einen neuen nordamerikanischen Handelspakt, bislang unter dem Kürzel Nafta bekannt, konnten sich die USA und Kanada nicht einigen. Beide Seiten gingen am Freitag ohne ein Ergebnis auseinander. Die Gespräche sollen am Mittwoch kommender Woche fortgesetzt werden.

"Die instabile Situation verdeutlicht, wie wichtig eine eigenständige, nach vorne gerichtete Handelspolitik der EU ist, inklusive der EU-Kanada- und EU-Mexiko-Abkommen", erklärte Schweitzer.

Trump bremst Verhandlungen zwischen USA und Kanada aus

Die Gespräche zwischen den Delegationen von Kanada und den USA am Freitag blieben ohne Durchbruch. Die Stimmung war angespannt. Dazu trugen Aussagen von Trump gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg bei, denen zufolge ein Handelsabkommen mit Kanada nur zu den Bedingungen der USA zustande käme. Darüber hatte zunächst der "Toronto Star" berichtet.

Trump bestätigte später seine Aussagen. "Wenigstens weiß Kanada, wo ich stehe", schrieb er auf Twitter. Bei einer Rede in North Carolina warf Trump Kanada erneut vor, die USA zu benachteiligen. "Ich liebe Kanada, aber sie haben unser Land viele Jahre lang ausgenutzt."

Die kanadische Chefunterhändlerin, Außenministerin Chrystia Freeland, sagte, dass eine für alle Parteien vorteilhafte Vereinbarung in Reichweite sei. Dafür benötige es aber "guten Willen und Flexibilität auf allen Seiten". Der kanadische Regierungschef Justin Trudeau hatte zuvor jedoch gesagt, er wisse, dass die USA wollten, dass sein Land die Unterstützung für kanadische Milchbauern aufgebe. "Aber wir haben nicht vor, das zu tun."

Das mexikanische Wirtschaftsministerium teilte mit, dass das Land dafür sorgen wolle, dass Kanada Teil des neuen Abkommens bleiben werde.

Gespräche werden Mittwoch fortgesetzt

Die Gespräche zwischen den USA und Kanada zur Lösung ihres Handelsstreits werden kommende Woche fortgesetzt. Am Mittwoch werde man sich erneut zusammensetzten.

Mit Mexiko hatten sich die USA bereits am Montag auf ein vorläufiges Abkommen geeinigt. Der neue Pakt soll an die Stelle des bisherigen Nafta-Abkommens zwischen Kanada, den USA und Mexiko treten. Um Kanada mit an Bord zu holen, hatte Trump eigentlich eine Frist gesetzt, die am Freitag auslief. Dies würde es dem mexikanischen Präsidenten Enrique Pena Nieto erlauben, die Vereinbarung noch zu unterzeichnen. Er scheidet Ende November aus dem Amt. Trump muss nach US-Recht 90 Tage mit seiner Unterschrift warten.

Beide Länder streiten seit Monaten über das 24 Jahre alte Nafta-Abkommen und verhandeln seit Tagen intensiv über einen Kompromiss. Er soll an die Stelle des bisherigen Nafta-Pakts zwischen Kanada, den USA und Mexiko treten. Der Handel zwischen den USA, Kanada und Mexiko hat ein Volumen von mehr als einer Billion Dollar jährlich. Die ungelöste Frage der Nafta-Nachfolge sorgt an den Märkten für Unruhe. Seit Monaten gibt es die Sorge vor einem Handelskrieg, weil Trump beim Thema Handel auch mit China und der EU im Streit liegt.

la/dpa/reuters

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