Samstag, 16. Dezember 2017

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Video zeigt festgesetzte Milliardäre in Riad So leben die Prinzen im Luxusknast im Ritz

Luxusknast Ritz-Carlton in Riad: Die BBC hat sich dort umgeschaut

Sie sind eingesperrt im wohl teuersten Gefängnis der Welt - und viele von ihnen würden Millionen Dollar zahlen, um den Luxusknast in Riad wieder verlassen zu können. Seit rund drei Wochen harren mehr als zwei Dutzend Prinzen, ehemalige Minister und hohe Militärs im Fünfsterne-Hotel Ritz in Riad aus - in einer spektakulären Aktion in der Nacht zum 4. November hatte Saudi-König Salman zahlreiche Führungskräfte entlassen und festsetzen lassen. Kurzerhand wurde in jeder Nacht Riads teuerstes Hotel geräumt und in einen provisorischen Luxusknast verwandelt: Eine Reporterin der BBC hatte jetzt die Möglichkeit, mit ihrem Kamerateam das Hotel Ritz zu besuchen.

In dem "goldenen Käfig" streifen zahlreiche Personen durch die riesige Marmorlobby. Der große Pool- und Spa-Bereich ist leer, ebenso wie Bowling-Bahn und Fitness-Raum. Die meisten der unter Hausarrest stehenden Prinzen kommen nur zum Essen aus ihren Zimmern, berichtet die Reporterin - Aufnahmen von Gesichtern sind ihr ebenso verboten wie die Aufzeichnung der Unterhaltungen. Die meisten der prominenten Gefangenen verbringen ihre Zeit damit, über eine eigens eingerichtete Hotline so gut es geht Kontakt zu ihren Rechtsanwälten, ihren Familien und ihren Firmen zu halten: Ihre Handys sind ihnen abgenommen worden.

Unter den Gefangenen ist auch der milliardenschwere Hotel-Magnat Prinz Alwaleed bin Talal. Er kontrolliert die Investmentfirma "Kingdom Holding" und zählt zu den reichsten Menschen der Welt. Als die Männer und Frauen in der Nacht zum 4. November ins Hotel Ritz gebracht und dort festgesetzt wurden, seien viele noch davon ausgegangen, dass es sich um eine Machtdemonstration von Kronprinz Mohammed bin Salman halte und sie am nächsten Tag wieder freikämen, berichtet die Reporterin der BBC. Mit jedem Tag, den der Hausarrest andauere, wachse der Zorn und die Ungeduld der Hotel-Ritz-Insassen: Fast jeder der Korruption und unrechtmäßigen Bereicherung Beschuldigten sei bereit, sehr hohe Summen zu bezahlen, um das Hotel Ritz endlich wieder verlassen zu können.

Die Gefangenen sollen spätestens zum Jahresende aus dem Luxusknast auschecken, heißt es in dem Bericht der BBC. Auch Prinz Mohammed, Chef des Anti-Korruptions-Kommitees, habe kein Interesse daran, sich mächtige Feinde zu schaffen. Zwar müssen die prominenten Insassen des Ritz nichts entbehren - außer der Freiheit. Doch deren Wert ist kaum mit Geld zu beziffern.

Protz-Prinz Alwaleed will endlich wieder auschecken

Prinz Alwaleed wurde in Deutschland auch als "Protz-Prinz" bekannt, nachdem er sich beim US-Magazin Forbes über eine nach seiner Ansicht zu niedrige Platzierung im Ranking der reichsten Menschen der Welt beschwert hatte. Er sei viel reicher als von Forbes angegeben, hatte Alwaleed mitteilen lassen. Er nutzte zeitweise außerdem einen A 380 als Privatflugzeug - der fliegende Palast beherbergte fünf Schlafzimmer, ein türkisches Dampfbad und einen Parkplatz für den Rolls Royce. Den A 380 hat Alwaleed allerdings inzwischen wieder verkauft.

Der 62-jährige Prinz Alwaleed ist einer der einflussreichsten Geschäftsleute im Nahen Osten. Der Enkel des Staatsgründers Ibn Saudi ist dem Magazin "Forbes" zufolge mit etwa 16 Milliarden Euro Vermögen der reichste Mann der arabischen Welt. Sein Geld hat er mit einem Immobilienimperium gemacht. Ihm gehören über seine Kingdom Holding unter anderem zahlreiche Luxushotels wie das George V in Paris oder das Savoy in London. Auch am Kurznachrichtendienst Twitter Börsen-Chart zeigen sowie an den Möwenpick-Hotels ist er beteiligt. In einer offiziellen Erklärung des Königshauses hieß es, "einige schwache Seelen" hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, "um illegal Gelder anzuhäufen".

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