Samstag, 2. Juli 2016

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Diskussion um Bargeld-Verbot Wer Bargeld verbietet, muss Vollgeld fordern

Es mehren sich die Stimmen, das Bargeld abzuschaffen. Doch wer würde letztlich davon profitieren?

Bereits in meinem Kommentar in der vergangenen Woche zum Thema Bargeldverbot habe ich deutlich gemacht, dass es nur vordergründig darum geht, Kriminalität und Steuerhinterziehung zu bekämpfen. In Wirklichkeit geht es darum, die Sparer zugunsten der Schuldner zu enteignen und zum Ausgeben von Geld für mehr oder weniger sinnvolle Dinge zu motivieren, im verzweifelten Versuch, den Schuldenturm der westlichen Welt vor dem Einsturz zu bewahren.

Nun hat sich mit Peter Bofinger erstmals ein namhafter deutscher Ökonom und Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung zu der Idee bekannt. Auch hier natürlich vor allem um Kriminalität zu bekämpfen. Die Durchsetzung der Negativzinsen wäre dabei nur ein angenehmer Nebenaspekt. Mit Blick auf das Vorbild Skandinavien wird immer wieder betont, dass dort neben dem Staat auch die Banken groß für dieses Anliegen werben.

Dies sollte - nicht zuletzt wegen der Erfahrungen in der Finanz- und Eurokrise - skeptisch stimmen. Denn es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen Bargeld und einem Guthaben auf dem Bankkonto. Bargeld ist eine Forderung gegen die Notenbank und damit letztlich gegen den Staat. Das Kontoguthaben ist ein Anspruch gegen die Bank und unterliegt, wie wir leidvoll gesehen haben, einem erheblichen Risiko.

Daniel Stelter
Bei Eigenkapitalquoten von rund 3 Prozent Bedarf es keiner großen Ereignisse und die Bank ist pleite. Das europäische Bankensystem in Summe steht auch sechs Jahre nach Krisenbeginn auf tönernen Füßen und es gehört nicht viel Fantasie dazu, die Ereignisse in Zypern und zuletzt in Österreich für die Vorboten einer viel weitergehenden Beteiligung der Sparer bei der "Sanierung" von Banken zu sehen. Schon im Falle von Zypern sprach Eurogruppenchef Dijsselbloem von einer "Blaupause" für ähnliche Fälle in Europa.

Gibt es kein Bargeld mehr, kann niemand mehr aus diesem System flüchten. Ein Run auf eine Bank wäre dann nicht mehr mit langen Schlangen vor den Schalterhallen verbunden. Stattdessen müssten die Sparer versuchen, ihr Geld zu einer anderen - sichereren? - Bank zu transferieren. Wir wären vor die Wahl gestellt: Enteignungsrisiko eingehen, das Bargeldverbot missachten und umgehen, das Geld in teure Vermögenswerte stecken oder es gleich ausgeben.

Ginge es den Befürwortern des Bargeldverbotes wirklich nur um die Bekämpfung von Kriminalität und Steuerhinterziehung, würden sie konsequenter Weise ihre Forderung mit einer weiteren verbinden: der Abkehr von unserem heutigen Geldsystem, in dem jede Bank weitgehend unbegrenzt neues Geld schaffen kann. Jede Kreditvergabe schafft heute neues Geld. Zwar sollten diese Kredite nur gegen angemessene Sicherheiten vergeben werden, doch wie wir gesehen haben, trifft dies in der Praxis nicht zu. Ein immer größerer Teil der Schulden vor denen wir stehen, ist nicht mehr ordentlich zu bedienen und die Sicherheiten, wie zum Beispiel Immobilien in Irland und Spanien, sind längst nicht mehr so werthaltig wie früher angenommen.

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