Montag, 21. Mai 2018

Dax-Chefs dinieren mit US-Präsidenten Joe Kaeser lobt Trump - und tritt gleich darauf in Fettnapf

Flankiert von Dax-Chefs: US-Präsident Trump wird beim Dinner in Davos umrahmt von SAP-Chef Bill McDermott und Siemens-Chef Joe Kaeser. (links Anheuser-Busch Chef Carlos Brito, Heimatschutz-Ministerin Kirstjen Nielsen).

Lob für Trump - und Ärger daheim: Als US-Präsident Donald Trump kurz nach seiner Ankuft beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit ausgewählten Top-Managern zu Abend dinierte, saßen Siemens-Chef Joe Kaeser und SAP-Boss Bill McDermott an seiner Seite. Trump nutzte die Gelegenheit, für Investitionen in den USA zu werben - und erntete auch Lob von den europäischen Unternehmenslenkern. "Glückwunsch zur Steuerreform", sagte Kaeser - und war mit diesem Lob für die deutliche Senkung der Unternehmens-Steuersätze in den USA auch nicht allein.

Doch dann fügte Kaeser eine Bemerkung an, die nicht direkt mit der US-Steuerreform zu tun hatte - die ihm aber in Deutschland reichlich Ärger einbrachte. Siemens habe entschieden, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln, sagte Kaeser einem sichtlich zufriedenen US-Präsidenten.

Diese Äußerung stieß nicht nur Siemens-Mitarbeitern am Standort Görlitz sauer auf: Die Gasturbinen gehören zur Kraftwerkssparte, in der Siemens weltweit wegen Nachfrageschwäche und Preisverfall rund 6900 Arbeitsplätze abbauen will, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Vor allem der Standort Görlitz ist von dem Jobabbau betroffen.

Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Klaus Abel, nannte Kaesers Äußerungen dann auch prompt mit Blick auf die Sorgen der Menschen um ihre Jobs "unverantwortlich". Offensichtlich gebe es doch eine Nachfrage für die Gasturbinen, und es gehe dem Unternehmen vor allem darum, eine höhere Marge zu erzielen.

Turbinen für USA "in keinem Zusammenhang" mit Einschnitten in Europa

Ein Siemens-Sprecher wies die Kritik zurück. Es sei üblich, dass für lokale Märkte bestimmte Gasturbinen auch vor Ort entwickelt, getestet und produziert würden, zumal sie für die unterschiedlich ausgestatteten Stromnetze ausgelegt seien. Die Entwicklung der Turbinen in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina stehe mit den für Deutschland angekündigten Einschnitten in keinerlei Zusammenhang.

Kaeser habe mit seiner Äußerung eine Testanlage für Siemens' neue, hocheffiziente HL-Klasse-Gasturbine angesprochen, die Siemens in Lincoln County, North Carolina, in Zusammenarbeit mit dem dort ansässigen Energieversorger Duke Energy bauen will, sagte der Sprecher auf Anfrage von manager-magazin.de. Diese Technologiepartnerschaft mit Duke sei bereits im Juni 2017 vereinbart worden. In deren Rahmen will Siemens die gerade auf den Markt gebrachte Riesenturbine testen, validieren und weiterentwickeln. Die neue Turbinen-Technologie stehe also weder mit der US-Steuerreform noch mit dem Umbau in Europa in Zusammenhang.

Interview: Was Joe Kaeser mit Siemens plant

Kaeser war nicht der einzige, der von Trump in Davos zu seinen US-Plänen vor laufender Kamera des US-Fernsehens ausgefragt wurde. Mit von der Partie waren aus Deutschland neben Kaeser und McDermot auch Adidas-Vorstandschef Kasper Rorsted, Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger sowie Werner Baumann vom Chemiekonzern Bayer Börsen-Chart zeigen. Trump wollte das Dinner mit den Top-Managern nutzen, um für den Wirtschaftsstandort USA zu werben.

Trump wurde bei dem Dinner von Mitgliedern seiner Regierung begleitet, darunter Außenminister Rex Tillerson, Heimatschutzministerin Kirstjen Nielson und dem Nationalen Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster.

Weltwirtschaftsforum
Insgesamt diskutieren in Davos mehr als 3000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unter dem Motto "Für eine gemeinsame Zukunft in einer zerrütteten Welt". Abseits der großen Bühne finden zahlreiche Workshops und Podiumsdiskussionen statt.

Das Weltwirtschaftsforum, 1971 von dem aus Ravensburg stammenden Professor Klaus Schwab ins Leben gerufen, hat sich zum Ziel gesetzt, den "Zustand der Welt zu verbessern". Kritiker werfen der Organisation aber vor, Teil des Problems zu sein.

Neben der starken deutschen Fraktion waren auch Unternehmer aus Großbritannien, Norwegen und der Schweiz bei dem Abendessen dabei.

Siemens-Chef Kaeser war bereits Teil der Delegation, die Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch in Washington begleitet hatte. Für den Münchner Technologiekonzern sind die USA der größte Einzelmarkt. Siemens setzte in dem Land im Jahr 2016 knapp 24 Milliarden Dollar (aktuell 19,6 Mrd Euro) um und beschäftigte 50 000 Menschen in den USA. Damit erzielte Siemens mehr als ein Viertel seines weltweiten Umsatzes in den Staaten.

Video: Gründer Klaus Schwab blickt auf das Weltwirtschaftsforum 2018

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Bild: REUTERS

la/dpa

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