Mittwoch, 18. Juli 2018

Richard Liu und Zhang Zetian mit JD.com auf Expansionskurs Chinas Glamourpaar greift an - erst Alibaba, dann Amazon?

Milliardärs-Paar: JD.com-Gründer Richard Liu und seine Frau Zhang Zetian. Beide haben noch Großes vor
imago/China Foto Press
Milliardärs-Paar: JD.com-Gründer Richard Liu und seine Frau Zhang Zetian. Beide haben noch Großes vor

Sie sind das Glamour-Paar der chinesischen Wirtschaft: Richard Liu (44) und seine Frau Zhang Zetian (24), genannt "Schwester Milchtee", weil sie vor ein paar Jahren mit ihrem hübschen Gesicht in den sozialen Medien für dieses Getränk posierte. Das Paar lernte sich in New York kennen. Er machte ihr einen Heiratsantrag auf seiner Yacht. Geheiratet wurde am Strand von Australien. Beide sind Milliardäre. Er, weil er ein erfolgreiches Unternehmen gegründet hat; sie, weil sie in dieses Unternehmen eingeheiratet hat und von ihrem Gatten "Spielgeld" für diverse Investments vor allem in der Modebranche bekommen hat. Inzwischen sitzt "Schwester Milchtee" bei den Modeschauen in Mailand, New York und Paris in der ersten Reihe.

Aber nicht wegen seines Jetset-Lebens ist derzeit das Paar in den Schlagzeilen, sondern wegen ihres Unternehmens. Und das heißt JD.com und ist in China das zweitgrößte E-Commerce-Unternehmen (Umsatz: knapp 54 Milliarden Dollar).

JD.com stand aber bislang stets im Schatten des allmächtig scheinenden Rivalen Alibaba Börsen-Chart zeigen. Doch nun entwickelt sich JD.com immer mehr zum großen Rivalen von Alibaba. Der Marktanteil von JD.com steigt stetig. Inzwischen beträgt er um die 35 Prozent.

Alibaba gegen JD.com: Duell Katze gegen Hund

Die beiden Giganten bekriegen sich jetzt schon heftig. Der "große Katzen-und-Hunde-Krieg" titulieren die chinesischen Medien die Auseinandersetzung. Das Maskottchen von JD.com ist ein weißer Hund, bei der Alibaba-Plattform Tmall ist es eine schwarze Katze.

Wolfgang Hirn

Es wird mit harten Bandagen gekämpft. Alibaba wird vorgeworfen, dass es von einem Teil - auch seiner ausländischen - Lieferanten Exklusivverträge verlangt: Wenn Du bei uns verkaufst, darfst Du dies nicht aus gleichzeitig bei JD.com tun.

Alibaba versus JD.com - das ist auch ein Kampf zweier Systeme. Während sich Alibaba "nur" als vermittelnde Plattform versteht, ist JD.com ein Händler, der vom Einkauf bis zum Verkauf alles selbst steuert. Er folgt im Prinzip dem Modell Amazon. Man nennt JD.com deshalb auch das "Amazon von China". Das Unternehmen betreibt eigene Lagerhäuser, leistet sich ein gigantisches Logistiknetzwerk und setzt dabei auf die allerneuesten Technologien.

Derzeit testet JD.com ein Lager, das 200.000 Pakete am Tag versenden kann. Es wird von nur vier Beschäftigten gesteuert, den Rest erledigen Roboter. Auf den Straßen und Gehwegen im Haidian-Bezirk von Beijing kurven gerade die ersten kleinen Roboterfahrzeuge, die bis zu 30 Pakete laden können, zu den Kunden. Und in ländlichen Gegenden Chinas sind schon Drohnen für JD.com unterwegs.


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Warum Google bei JD eingestiegen ist

Dieses Technologie-Knowhow war sicher ein Punkt, warum sich Google Börsen-Chart zeigen vor kurzem mit 550 Millionen Dollar an JD.com beteiligt hat. Das ist etwas weniger als ein Prozent und hört sich bescheiden an. Doch es ist ein genialer strategischer Schachzug. Google, dessen Website seit 2010 in China gesperrt ist, kommt somit quasi durch die Hintertür wieder auf den chinesischen Markt, den der US-Konzern nicht kampflos aufgeben will.

Seit geraumer Zeit antichambriert das Google-Management denn auch heftig bei Chinas Führung, startete Goodwill-Aktionen wie die Eröffnung eines Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Beijing.

Und nun das Engagement bei JD.com. Es könnte für beide Unternehmen von Vorteil sein, denn beide haben große Ambitionen. Google, das Amazon Börsen-Chart zeigen als strategischen Rivalen sieht, will massiv ins E-Commerce-Business einsteigen. Und JD.com - das übrigens auch schon den US-Handelskonzern und Amazon-Gegner WalMart als Anteilseigner hat - will sein in China erfolgreiches Handelsgeschäft internationalisieren.

Um schon mal den Bekanntheitsgrad zu erhöhen, reiste Richard Liu im Februar diesen Jahres zum ersten Mal nach Davos. Bei einem exklusiven Mittagessen traf er sich mit 50 wichtigen Managern, darunter auch Adidas-Chef Kaspar Roersted. Anschließend ließ er sich auf dem Podium von Carlyle-Mitgründer David Rubenstein interviewen. Dabei sagte er Wichtiges - JD.com wolle ein globaler Player werden - und Alltägliches - er stehe morgens um 7 Uhr auf und schwimme gerne.

Und die Unwissenden im Saale klärte er auch über die die Herkunft des kryptischen Unternehmennamens auf: J stehe für Jing, den Vornamen seiner ersten großen Liebe, D für seinen chinesischen Vornamen Dong.

"Schwester Milchtee", die zweite große Liebe, saß im Publikum und lächelte.

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