Sonntag, 4. Dezember 2016

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Rückfall in Deflation, turmhohe Schulden Endspiel mit der Notenpresse - Japan weist uns unsere Zukunft

Japans Premier Shinzo Abe: Der verzweifelte Versuch, mit Hilfe der Notenpresse die Konjunktur anzuschieben und aus der Deflations- und Schuldenspirale zu entkommen, ist gescheitert

Im Trubel von VW-Skandal und Flüchtlingskrise ging eine wichtige Nachricht aus der Wirtschaft in der vergangenen Woche unter. Die japanische Wirtschaft ist in die Deflation zurückgefallen, es droht eine neue Rezession. Es wäre immerhin die vierte in fünf Jahren.

Das sind schlechte Nachrichten für Japan und die Wirtschaftspolitiker in den USA und Europa. Es ist eben doch nicht möglich, mit der Notenpresse Wohlstand zu schaffen und Krisen zu lösen. Japan zeigt uns demnächst, wie das Endspiel aussieht, auf das auch wir mit immer höherer Geschwindigkeit zusteuern.

Daniel Stelter
Wie von mir bereits Anfang 2014 an dieser Stelle vorhergesagt, ist der verzweifelte Versuch der japanischen Regierung gescheitert, die Wirtschaft aus der Spirale immer höherer Schulden, stagnierender Wirtschaft und fallenden Preisen zu befreien. Dabei waren die Hoffnungen groß. Die japanische Regierung um Ministerpräsident Abe hat alles auf eine Karte gesetzt - wie ein Autofahrer, der erkennt, dass er vor einer Mauer nicht mehr zum Stehen kommt, und deswegen Vollgas gibt, um diese zu durchbrechen.

Die Strategie der Abenomics basierte auf drei Säulen:

  • Viel Geld drucken (relativ zur Größe der Volkswirtschaft rund ein Drittel mehr als die nicht gerade knausrige Fed), um dadurch die Inflation über 2 Prozent zu bekommen.
  • "Flexibel" weiter Defizite machen (zurzeit ca. 10 Prozent vom BIP Staatsdefizit).
  • Mit Reformen das Wachstumspotential stärken. Zum Beispiel durch eine höhere Erwerbsquote von Frauen.

Nachdem es mit den Reformen nur schleppend vorangeht, passierte nicht viel mehr als die massive Abwertung der eigenen Währung und das Aufkaufen von Wertpapieren durch die eigene Notenbank. Der erhoffte Exportboom hat sich jedoch nicht eingestellt.

Die japanische Industrie - wie auch die deutsche - verkauft vor allem hochwertige Produkte, die nicht unbedingt über den Preis verkauft werden. Die Unternehmen haben deshalb weniger den Preis gesenkt und stattdessen lieber die Gewinne maximiert. Weil sie diese Gewinne nicht investieren oder höhere Löhne bezahlen, kommt es im Inland nicht zu mehr Nachfrage.

Gleichzeitig wirken gestiegenen Importpreise wie eine Konsumsteuer. Private Haushalte zahlen den Preis für die verzweifelte Politik. Stagnierende Einkommen und höhere Lebenshaltungskosten führen zu weniger, nicht zu mehr Wachstum.

Dabei muss man Abe in Schutz nehmen: die Fehler wurden vor 20 Jahren gemacht. Er versucht heute verzweifelt das Unvermeidliche zu verhindern: die Pleite Japans.

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