Donnerstag, 26. Mai 2016

Weltwährungsfonds und Griechenland IWF-Veteran wirft dem Fonds Reden mit gespaltener Zunge vor

Ein Bild der Harmonie: IWF-Präsidentin Christine Lagarde mit Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis

Das größte Risiko für Griechenland Zahlungsfähigkeit ist in diesem Jahr der Internationale Währungsfonds. Fast zehn Milliarden Euro seiner Schulden muss das Land dem IWF 2015 zurückzahlen. Allein bis Mitte Juni werden fast 2,5 Milliarden Euro fällig. Schon die kleineren Raten bisher waren stets ein Ereignis: Bis hierhin schaffte die Athener Regierung es noch, pünktlich und vollständig zu zahlen.

IWF-Chefin Christine Lagarde drängt die Euro-Staaten zu einem Kompromiss mit Griechenland, um die Geldnot des Landes zu überbrücken. Sie sollte allerdings selbst mit gutem Beispiel vorangehen, fordert nun in einem Beitrag für "Bloomberg View" Ashoka Mody.

Den Gastprofessor für internationale Wirtschaftspolitik der US-Eliteuni Princeton könnte man zwar als einen von vielen akademischen Besserwissern abtun. Doch Mody ist auch ein Insider. Zuvor war er beim IWF stellvertretender Leiter der Forschungs- und der Europa-Abteilung. Deshalb hat es Gewicht, wenn er sagt, der Fonds solle seinen "großen griechischen Fehler" korrigieren.

Die Erkenntnis, dass das bisherige Programm ein Fehler war, ist nicht neu für den IWF. Mody verweist auf eine Reihe entsprechender Schriften seiner Ex-Kollegen. Der italienische Ökonom Francesco Saraceno fügt noch einige hinzu: Praktisch alle Krisenrezepte des früheren "Washington consensus" - Staatsausgaben kürzen, Arbeitsmarkt flexibilisieren, unter allen Umständen freier Kapitalverkehr - haben die Experten in Washington inzwischen in der Luft zerrissen.

Warnungen gab es von Anfang an

Die griechische Regierung kann sich zur Begründung ihrer Abweichung vom bisherigen Kurs direkt auf den IWF berufen - und trifft trotzdem auf dessen harten Widerstand. Für Lagarde haben vertragsgemäße Zahlungen an den IWF absoluten Vorrang, auch weil es sich um Kredite der Weltgemeinschaft einschließlich vieler Entwicklungsländer an eine reiche europäische Nation handelt.

Doch Mody verlinkt auch einen Bericht des "Wall Street Journals" mit Auszügen aus IWF-Protokollen von 2010: Schon als die Entscheidung über Kredite an Griechenland fiel, warnten neben der Schweiz vor allem die Vertreter von Schwellenländern: Die Wirtschaft des Landes werde unter dem verordneten Sparkurs und den neuen Schulden zusammenbrechen, nur um private Gläubiger - vor allem deutsche und französische Banken - zu retten.

In Kontrast dazu steht Lagardes spätere Aussage, damals habe man das Debakel ja noch nicht absehen können. Ihr Vorgänger Dominique Strauss-Kahn (damals als IWF-Präsident) wiederum ließ verbreiten, dass er auf eine frühzeitige Umschuldung gedrängt habe, aber an der Sturheit der europäischen Regierungen gescheitert sei - also auch an Lagarde als damaliger französischer Finanzministerin.

Für Mody gibt es nur eine Lehre aus dem Schwarzer-Peter-Spiel: Der IWF solle seine eigene Erkenntnis beherzigen, dass die Schulden früher oder später doch erlassen werden müssen, und Griechenland gegenüber einen Teilverzicht erklären.

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