Dienstag, 16. Oktober 2018

Regierungspläne in Rom Italien läutet das Ende des Euro ein

Immer was los hier: Kolosseum in Rom.

Jetzt ist es also soweit. Die sich anbahnende neue italienische Regierung ist fest entschlossen, das Illusionsschauspiel der Euroretter nicht mehr mitzuspielen. Der Kaiser ist nackt.

Überraschen kann es eigentlich nur die gutgläubigsten Beobachter der Eurozone und jene, die sich von den offiziellen Verlautbarungen der Politik und der EZB einlullen lassen. Der Euro ist und bleibt eine Konstruktion, die zu mehr Divergenz geführt hat, statt die Konvergenz der Wirtschaften der beteiligten Länder zu fördern. Sagt der IWF.

Und er sei nicht durch mehr Transfers zwischen den Ländern zu stabilisieren. Sagt ebenfalls der IWF.

Gerade um Italien und Portugal steht es besonders schlecht. Die Länder ächzen unter einer hohen Schuldenlast, Portugal sogar noch mehr, sind doch die privaten Haushalte in Italien nur gering verschuldet und zudem erheblich reicher als die Deutschen. Seit 2008 haben beide Länder weiter deutlich an Wettbewerbsfähigkeit verloren, statt wie erhofft, den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit seit der Euroeinführung zu korrigieren.

Daniel Stelter

An dieser Stelle habe ich schon mehrfach die Krise des Euro beschrieben. Kurzgefasst haben wir es mit Folgendem zu tun:

1. Wir hatten einen privaten Verschuldungsboom, der zu der Krise in Portugal, Spanien und Irland führte.

2. Wir haben ein Staatsschuldenproblem in Griechenland, Italien und auch in Portugal. Zunehmend auch in Frankreich.

3. Im Zuge der Rettung des Privatsektors, allen voran der Banken, mussten Länder wie Irland und Spanien zusätzlich erhebliche Staatsschulden machen.

4. Im Zuge des Kreditbooms haben die europäischen Banken zu viele Kredite gegeben, die nun nicht mehr einbringbar sind.

5. Aufgrund der geringen Kapitalbasis verzögern die Banken eine Bereinigung der faulen Kredite und lassen deshalb zunehmend Zombie-Unternehmen am Leben, die wiederum das Wirtschaftswachstum dämpfen.

6. Bekanntlich hat sich die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Euroraumes deutlich auseinanderbewegt und Länder wie Italien und Portugal sind nicht mehr, sondern weniger wettbewerbsfähig als im Jahr 2008.

7. Nicht nur Lohnkosten entscheiden über die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Das tun vor allem auch die Innovationen. An denen mangelt es vor allem in den hoch verschuldeten Krisenländern. Deshalb gibt es wenig Hoffnung auf höheres Wirtschaftswachstum.

In jeder Hinsicht hat sich die Lage in den letzten Jahren verschlechtert. Lediglich mit Blick auf die Verschuldung des Privatsektors und auch der Gesamtverschuldung des Landes konnten in einigen Ländern wie Portugal und Spanien geringe Fortschritte erzielt werden. Dies lag an der besseren Weltkonjunktur und vor allem an der Europäischen Zentralbank, die mit ihrer aggressiven Politik des billigen Geldes und der Wertpapierkäufe die Illusion einer Erholung geschaffen hat. Wie bei einem Todkranken hat die EZB viel Morphium verabreicht und damit einen gewissen Zustand der Euphorie erreicht. Nur heilen kann man mit Morphium nicht.

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