Dienstag, 11. Dezember 2018

Verschwundener Meng Hongwei im Gefängnis China verhaftet Interpol-Chef und ermittelt wegen Korruption

Verschwundener Interpol-Chef Meng Hongwei: Die chinesischen Behörden haben den 64-Jährigen wegen Korruption festgenommen

Der absurde Interpol-Krimi neigt sich dem Ende: Chinas Behörden haben am Montagmorgen bekannt gegeben, "wegen Bestechlichkeit" und anderer illegaler Aktivitäten gegen den chinesischen Interpol-Chef Meng Hongwei zu ermitteln.

Nun ist auch klar, wo sich Meng Hongwei die vergangenen zwei Wochen befand: Der 64-Jährige war am 25. September nach der Landung in China festgenommen worden, ohne dass die chinesischen Behörden die internationale Polizeiorganisation Interpol unterrichtet hatten. Seine Frau hatte Meng Hongwei vergangene Woche bei den französischen Behörden als vermisst gemeldet, weil sie nichts von ihm gehört hatte, seit er nach China gereist war. Als letztes Lebenszeichen erhielt sie von ihm auf dem Handy nur ein Emoji mit einem Messer, was sie beunruhigte.

Gestern Abend teilte das chinesische Ministerium dann mit, dass der Interpol-Chef "unter Aufsicht" genommen worden sei und gegen ihn ermittelt werde. Interpol erhielt am Sonntag zudem eine Erklärung des Chinesen, in der dieser seinen sofortigen Rücktritt erklärte.

Das Parteikomitee unter Vorsitz von Polizeiminister Zhao Kezhi billigte das Vorgehen gegen den ersten chinesischen Interpol-Chef als "rechtzeitig, völlig gerechtfertigt und sehr klug". Es demonstriere die entschlossene Haltung des Zentralkomitees unter der Führung von Staats- und Parteichef Xi Jinping, die Partei streng zu führen und den Kampf gegen Korruption umzusetzen. Niemand stehe über dem Gesetz. Wer gegen das Gesetz verstoße, müsse streng bestraft werden.

Meng Hongwei in chinesischen Machtkampf verwickelt?

Das Vorgehen gegen den international prominentesten chinesischen Polizeirepräsentanten löste Spekulationen aus, ob der 64-Jährige vielleicht in Machtkämpfe hinter den Kulissen verwickelt gewesen sein könnte. Meng Hongwei hat Karriere im Polizeiministerium gemacht, als es noch unter Führung des später gestürzten und 2015 zu lebenslanger Haft verurteilten Sicherheitschefs Zhou Yongkang gestanden hatte, der als Rivale von Xi Jinping galt. Der Präsident äußerte später sogar den Verdacht einer Verschwörung.

Der Sturz des eigenen Interpol-Chefs ist ungewöhnlich. Experten sahen auch einen Schlag für die Reputation Chinas und seine Bemühungen, durch eigene Vertreter in internationalen Organisationen eine größere Führungsrolle weltweit zu übernehmen. So galt die Berufung Meng Hongweis an die Spitze von Interpol 2016 als Erfolg Chinas, sich mit seinem gewachsenen Gewicht auf der globalen Bühne durchzusetzen.

Die Personalie war international umstritten und hatte auch Menschenrechtler besorgt. Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach chinesischen Dissidenten und Aktivisten zu benutzen. Die wichtigste internationale Polizeiorganisation hat ihren Sitz im französischen Lyon. Die 192 Mitgliedstaaten tauschen unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus.

Interpol teilte inzwischen mit, dass Vizepräsident Kim Jong Yang aus Südkorea vorübergehend die Präsidentschaft übernehme. Die Generalversammlung soll im November einen Nachfolger wählen.

mg/dpa-afx

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