Montag, 15. Oktober 2018

Schicksalswahl Was Indien jetzt anpacken muss

Narendra Modi: Der Kandidat der Bharatiya Janata Partys (BJP) will Premiermininister von Indien werden. Viel Arbeit wartet auf ihn

Die Zeit läuft Indien davon - am Freitag endet dort die Wahl, Reformer Narendra Modi dürfte der nächste Premierminister des Landes werden. Und er muss schnell handeln, schlagen Investoren Alarm. Denn das Land fällt immer weiter hinter China zurück. Das trifft auch Deutschland.

Hamburg - Seit einem Monat läuft die Wahl in Indien; am 12. Mai endete sie - und nun werden die Stimmen ausgezählt, am Freitag das Ergebnis verkündet. Der aktuelle Premierminister Manmohan Singh dürfte als Verlierer aus der Wahl hervorgehen und Herausforderer Narendra Modi triumphieren. Selbst wenn es anders kommt - auf den neuen Premier kommt viel Arbeit zu. Denn für das Land steht eine Menge auf dem Spiel. "Historische Bedeutung" misst Investment-Urgestein Mark Mobius der Wahl daher zu.

Das zeigt sich zum einen in den nüchternen Zahlen. Das indische Wirtschaftswachstum sank in den vergangenen Jahren auf zuletzt 4,5 Prozent (Wirtschaftsjahr 2012/2013). Auch in China ist die Kennzahl rückläufig. Doch während die dortige Entwicklung Kalkül ist - die Administration will so eine Überhitzung der chinesischen Wirtschaft verhindern -, rutschte Indien unabsichtlich in diese Entwicklung hinein und konnte sich bislang nicht davon befreien.

"Es ist still geworden um Indien", nennt es Sharat Shroff. Für einen Investor wie Shroff, der für die Fondsgesellschaft Matthews Asia den Pacific Tiger Fund verwaltet, der auch in Indien investiert, ist das grundsätzlich eine gute Nachricht. Denn in Zeiten makroökonomischer Unschärfe sind die entsprechenden Aktien oftmals günstig bewertet. "Doch die Bewertungen sind nicht mehr niedrig, sondern näher an ihrem fairen Wert", erklärt Shroff - denn an der Börse habe man den Sieg Modis bereits antizipiert.

Seit Modi im Herbst vergangenen seine Kandidatur verkündete, hat der indische Leitindex Sensex fast 20 Prozent an Wert gewonnen. Die Vorschusslorbeeren sind also bereits verteilt, nun muss die neue Regierung liefern.

Die Kritik wird lauter

Einiges sei zwar schon geschehen, urteilt Shroff. Doch die Räder drehten sich zu langsam. So liegen zum Beispiel 200 Milliarden Dollar für Infrastrukturprojekte quasi "im Regal und sammeln Staub". Und das, obwohl die Infrastruktur für Indien so wichtig ist. Es gibt Schätzungen, denen zufolge der desolate Zustand von Straße und Schiene jedes Jahr 2 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums kostet.

Neben der ausufernden Korruption wird aber auch immer wieder der schwache industrielle Sektor angemahnt. "Das Land hat sich, anders als andere Länder Asiens, vor allem auf den Dienstleistungssektor geworfen und nicht auf die Industrie. Indien braucht eine gemeinschaftliche Anstrengung, um Blue-Collar-Jobs in der Produktion zu schaffen, wie zum Beispiel besonders in China."

Der Druck kommt indes nicht nur von außen, also den Investoren. Er kommt auch von innen. Nach einer Umfrage des Pew Research Center sind nicht einmal 30 Prozent der Inder mit der Entwicklung des Landes zufrieden. Die Stimmung kann also schnell kippen.

Übrigens auch bei den Investoren. Zwar wuchsen die Foreign Direct Investments (FID) 2013 um 17 Prozent - doch Mitte des Jahres kam es zu massiven Kapitalabflüssen. Geld, das das Land dringend benötigt. Denn Indien importiert noch immer mehr als es exportiert; diese Lücke muss durch ausländisches Kapital gedeckt werden. Dabei ist auch das Interesse deutscher Unternehmen berührt.

So lag der deutsche Überschuss im Handel mit Indien 2012/2013 bei rund 3,4 Milliarden Euro. Dabei geht es vor allem um Investitionsgüter wie Maschinen oder Automobilteile. Patzt ein Premierminister Modi also, kommt das auch in Deutschlands Firmenzentralen an.

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