Donnerstag, 18. Oktober 2018

"Solide Grundlage für weitere Verhandlungen" China sieht positive Entwicklung in Handelsgesprächen mit USA

US-Finanzminister Steve Mnuchin: Auf der Suche nach dem richtigen "Arbeitsmechanismus"

Staatsmedien in China haben ein positives Bild der am Freitag beendeten Handelsgespräche zwischen den USA und der Volksrepublik gezeichnet. Trotz großer Differenzen gebe es eine positive Entwicklung, schrieb die englischsprachige "China Daily". Dazu zähle eine konstruktive Vereinbarung zur Fortführung der Gespräche über strittige Handelsfragen.

Dies sei besser als gegenseitige Zoll-Beschlüsse, die beide Seiten an den Rand eines Handelskrieges bringen könnten. Die "Volkszeitung" schrieb, die Gespräche hätten eine solide Grundlage für weitere Verhandlungen geschaffen, an deren Ende Vorteile für beide Seiten stehen könnten.

US-Delegation nach zweitägigen Gesprächen abgereist

Eine US-Delegation war am Freitag nach zweitägigen Gesprächen über den Handelsstreit aus Peking abgereist. Der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge wurde in mehreren Punkten eine Einigung erzielt, in anderen Fragen habe es aber noch relativ viel Uneinigkeit gegeben. Beide Seiten wollten aber weiter miteinander reden.

US-Präsident Donald Trump will sich am Samstag mit den Vertretern seiner Delegation treffen und sich über den Verlauf der Gespräche informieren lassen. Trump wirft China Dumping-Preise, Diebstahl geistigen Eigentums von US-Firmen und andere unfaire Handelspraktiken vor und will China mit Sonderzöllen zum Einlenken bringen. Peking hat Gegenmaßnahmen angekündigt.

Am Freitag hatte sich Peking zunächst noch skeptisch über den Verlauf der Gespräche geäußert. "Die beiden Seiten haben erkannt, dass es in einigen Fragen immer noch große Differenzen gibt und dass sie ihre Arbeit weiter verstärken und weitere Fortschritte machen müssen", sagte Chinas Vizepremier Liu He laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua unmittelbar nach einem Treffen mit einer von US-Finanzminister Steven Mnuchin geführten Delegation in Peking.

Beide Länder seien sich jedoch auch einig, relevante Wirtschafts- und Handelsfragen durch Dialog und Konsultation lösen zu wollen. Es soll ein Arbeitsmechanismus geschaffen werden, um die relevanten Themen weiter zu besprechen.

Eine hochrangige US-Delegation um Finanzminister Steven Mnuchin war am Donnerstag zu zweitägigen Verhandlungen nach Peking gereist. Wirtschaftsminister Wilbur Ross, der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer sowie die beiden Wirtschaftsberater Trumps, Peter Navarro und Larry Kudlow, gehören der Delegation ebenfalls an. US-Präsident Donald Trump nahm das zum Anlass, sein Verhältnis zu Chinas Staatspräsident Xi Jingping als "großartig" zu bewerten.

Die Volksrepublik ist bislang am stärksten von den neuen US-Zöllen auf Stahl- und Aluminium-Produkte betroffen und hat bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. Trump droht aber auch europäischen Anbietern. Eine Ausnahmeregelung endet zum 1. Juni.

US-Handelsdefizit im März deutlich geschrumpft

Das US-Handelsdefizit, wesentlicher Auslöser für Trumps Vorgehen, schrumpfte im März allerdings kräftig. Die US-Importe übertrafen die Exporte nach Zahlen des Handelsministeriums nur noch um 49 Milliarden Dollar - 15,2 Prozent weniger als im Februar, als das Defizit mit fast 58 Milliarden Dollar den höchsten Stand seit neuneinhalb Jahren erreicht hatte.

Hauptgrund dafür war ein neuer Monatsrekord beim Export. Die US-Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen nach China, dem wichtigsten Handelspartner, nahmen um mehr als ein Viertel zu. Dennoch geht mehr als die Hälfte des US-Handelsdefizits auf das Konto des Reichs der Mitte. Das US-Defizit mit der EU stieg leicht auf 12,1 Milliarden Dollar.

China hat den USA nach der Entscheidung Trumps für Importzölle bei Stahl und Aluminium und der Androhung weiterer Abgaben auf chinesische Waren im Volumen von 150 Milliarden Dollar Gegenmaßnahmen angedroht. Unter anderem hat die Volksrepublik höhere Einfuhrzölle für US-Fahrzeuge sowie Agrarprodukte wie Soja ins Gespräch gebracht.

la/reuters

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