Montag, 18. Juni 2018

Jeans, Orangen, Mais, Motorräder ... EU-Vergeltungsliste für drohenden Handelskrieg mit USA steht

  Jeans-Marke mit Weltgeltung:  Schon jetzt sind Levis-Textilien nicht wirklich billig. Sie könnten sich bei einem zuspitzenden Handelsstreit mit den USA um mindestens ein Viertel verteuern
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Jeans-Marke mit Weltgeltung: Schon jetzt sind Levis-Textilien nicht wirklich billig. Sie könnten sich bei einem zuspitzenden Handelsstreit mit den USA um mindestens ein Viertel verteuern

Brüssel zeigt Zähne - in dem Handelskonflikt mit den USA hat die Europäische Union eine Liste von US-Produkten erstellt, die sie mit einem zusätzlichen Zoll von 25 Prozent belegen würde. Das zeigt Wirkung: Namhafte Republikaner warnen Präsident Donald Trump vor einem drohenden Handelskrieg und fordern ihn zur Umkehr auf.

Hemden, Jeans, Kosmetika, Motorräder, Orangensaft, Bourbon Whiskey, Mais … ... in dem Handelsstreit mit den USA droht die Europäische Union mit Zöllen auf diverse US-Produkte. Der Nachrichtenagentur Bloomberg liegt eine Vergeltungsliste von Waren vor, die die EU ihrerseits mit Strafzöllen belegen wird, sollte die US-Regierung unter Donald Trump wie angekündigt Stahl und Aluminium aus Europa mit Zöllen belasten.

Jack Daniels wäre von EU-Vergeltungszöllen ebenfalls betroffen
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Jack Daniels wäre von EU-Vergeltungszöllen ebenfalls betroffen

Der zusätzliche Zoll auf diese US-Produkte könnte 25 Prozent betragen. Die EU-Kommission habe die Liste am Montagabend in Brüssel mit Vertretern der EU-Mitgliedsstaaten beraten. Dem Bericht zufolge wären US-Waren im Wert von mindestens 2,8 Milliarden Euro (3,5 Milliarden Dollar) betroffen. Allerdings lässt der Bericht offen, auf welchen Zeitraum sich diese Summe bezieht.

Konsumgüter wie Jeans aber auch Motorräder oder Sportboote machten mit einem Wert von einer Milliarde Euro gut ein Drittel des zunächst betroffenen Volumens aus. Im Wert von 951 Millionen Euro wären Orangensaft, Bourbon Whiskey, Mais und andere landwirtschaftliche Produkte betroffen. Zölle drohten ebenfalls auf US-Stahl und andere Industrieprodukten im Wert von 854 Millionen Euro.

Dem Bericht zufolge habe die EU das Recht, Waren im Wert von 50 Prozent des EU-Stahlexportvolumens in die USA, die von Importzöllen betroffen wären, unverzüglich mit Einfuhrzöllen zu belegen. Sie müsse für diese Entscheidung nicht das Votum der Welthandelsorganisation WTO abwarten.

EU-Nadelstiche zeigen Wirkung: Republikaner warnen Donald Trump

Laut Bloomberg sorgt Trumps Plan in der eigenen Partei für erheblichen Widerstand. Der mächtige Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, aber auch andere republikanische Senatoren warnen laut Bloomberg ihren Präsidenten eindringlich vor den unkalkulierbaren Folgen eines Handelskrieges auch für die eigene Wirtschaft.

Er sei "extrem besorgt über die Folgen eines Handelskriegs", zitiert Bloomberg Ryan. Das parteipolitische Schwergewicht stammt aus dem Bundesstaat Wisconsin, in dem der Motorradhersteller Harley-Davidson seinen Sitz hat. Unternehmen und Mitarbeiter wären unmittelbar von Vergeltungszöllen betroffen. Dass Ryan Aufruhr in seinem Wahlkreis vermeiden möchte, liegt auf der Hand. Die Taktik der EU, auf Strafzölle mit einer Strategie der gezielten Nadelstiche zu reagieren und so Widerspruch im Machtgefüge Trumps zu sorgen, scheint damit vorerst aufzugehen.

"Extrem besorgt": Republikaner Paul Ryan

Auf der Liste der ausgewählten Nadelstiche sollen auch Bourbon-Whiskey aus Tennessee sowie Kentucky stehen, der Heimat des Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell. Die Liste der betroffenen US-Produkte stammt indes schon aus der Zeit des letzten großen Handelsstreits unter Präsident George W. Bush, soll seither aber angepasst worden sein.

Doch nicht nur Beschäftigte in den USA, sondern auch die US-Verbraucher selbst dürften die Folgen eines möglichen Handelskrieges unmittelbar zu spüren bekommen: Denn die von Trump als besonders schützenswert erachteten heimischen Stahlwerke könnten selbst bei Vollauslastung nicht jene Stahlmengen produzieren, um zum Beispiel den Bedarf der heimischen Autoindustrie zu befriedigen, heißt es. Zölle auf importierten Stahl würden also auch in den USA produzierte Autos verteuern.

Donald Trump hatte vergangene Woche Importzölle auf Stahl und Aluminium in Höhe von 25 beziehungsweise 10 Prozent angekündigt. Trump gibt vor, aus Gründen der nationalen Sicherheit zu handeln. Selbst republikanische US-Abgeordnete zweifeln die Stichhaltigkeit dieser Begründung an. Vor wenigen Tagen hatte Trump noch einmal mögliche Zölle auf aus dem europäischen Ausland importierte Autos ins Gespräch gebracht.

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