Freitag, 20. Juli 2018

Ökonomen messen erstmals den Kapitalstrom in Steueroasen Hier verschwinden 500 Milliarden Euro Konzerngewinne

Finanzdistrikt von Dublin: Eines der Hauptziele der globalen Steuervermeidungsindustrie

2. Teil: In Irland gebuchte Profite sind achtmal so groß wie die örtlichen Löhne

Die Zielländer der Kapitalströme können zwar ihre - meist sehr niedrigen - Steuereinnahmen deutlich steigern (mit Ausnahme von Ländern wie Bermuda, wo der Körperschaftssteuersatz null beträgt und beispielsweise der Google-Mutterkonzern Alphabet mehrere Milliarden Dollar parkt). Als Volkswirtschaften haben sie aber auch nicht allzu viel von den "Papierprofiten", die laut der Studie kaum produktive Investitionen und damit Jobs schaffen.

Die Ökonomen zeigen auch, wie hoch die ausgewiesenen Gewinne der globalen Konzerne im Vergleich zu den vor Ort gezahlten Löhnen (und zu den Gewinnen der lokalen Unternehmen) sind. Während tatsächlich im Land tätige Firmen meist nur einen Bruchteil der Lohnsumme als Profit erwirtschaften, fällt in den Steueroasen ein Vielfaches davon an - aber auch nur bei den Multis. In Irland sind die Gewinne ausländischer Unternehmen achtmal so hoch wie die Löhne der Iren. Im US-Karibikterritorium Puerto Rico ist es sogar fast der Faktor 17.

Laut der Studie wachsen die Kapitalströme in Steueroasen seit Jahren kontinuierlich an, das Problem wird also immer größer. Als Reaktion die Unternehmensteuern zu senken, wie es die USA zum Jahreswechsel getan haben, dürfte nur begrenzt Gewinne zurück ins Land führen. "Es gibt immer noch große Anreize und große Möglichkeiten für Unternehmen, Profite in Niedriglohnländer zu verschieben",zitiert das "Wall Street Journal" Zucman.

Mit Anreizen beschäftigen sich die Forscher auch auf der Seite der Finanzbehörden. Denn für die sei es schwer, Geld aus den Steueroasen zurückzuholen: Das sei schwierig, teuer und langwierig - es gebe eine starke Gegenwehr der Konzerne. Dagegen falle es den Behörden leichter, um Steuereinnahmen mit den Kollegen aus anderen Nicht-Oasen zu kämpfen. Auch wenn das ein Nullsummenspiel ist.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH