Sonntag, 24. Juni 2018

USA beim G7-Treffen isoliert "USA können einen Handelskrieg nicht verlieren"

6 gegen 1: Das G7 Treffen im kanadischen Whistler

Im Handelsstreit mit den größten Wirtschaftsblöcken der Welt zeigt sich US-Präsident Donald Trump unnachgiebig. "Wenn man beim Handel fast 800 Milliarden Dollar zurückliegt, kann man keinen Handelskrieg verlieren" twitterte Trump am Wochenende mit Blick auf das Defizit der USA gegenüber anderen Staaten.

Die USA seien zu lange von anderen Ländern über den Tisch gezogen worden. Beim Treffen der G7-Finanzminister im kanadischen Whistler waren die USA in Handelsfragen gegenüber den anderen sechs Industriestaaten isoliert. Zugleich warnte auch China die US-Regierung davor, zusätzliche Zölle einzuführen.

"Dies ist der seltene Fall, dass der Widerstand gegen die USA einstimmig gewesen ist", sagte der japanische Finanzminister Taro Aso nach den Beratungen in Whistler. Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagte, so viel Dissens bei einem G7-Treffen sei "schon ungewöhnlich". Nach Verhängung der US-Importzölle gegen die EU auf Stahl und Aluminium komme es nun darauf an, alle Gelegenheiten zu nutzen, um die USA noch umzustimmen.

Dabei setzt Scholz auch auf den Gipfel der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer kommende Woche, zu dem auch Trump nach Kanada kommt. EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici zeigte sich im französischen Radio dagegen wenig optimistisch, dass es beim Gipfel eine Annäherung gibt. Man werde sehen, ob ein Handelskrieg losbreche.

Gegenmaßnahmen von EU und Kanada

Zur einflussreichen G7-Gruppe gehören die USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland. Neben der EU kündigte auch Kanada Klage vor der Welthandelsorganisation WTO gegen die neuen US-Importzölle an, die nicht nur den nördlichen US-Nachbarn und Europa, sondern auch Mexiko treffen.

Die Gegenmaßnahmen der EU werden die USA nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hart treffen und auch Auswirkungen auf die Verbraucher dort haben. "Was da auf der Liste der EU-Maßnahmen steht, ist sehr sorgfältig ausgewählt. Zölle auf diese Waren sind keineswegs Peanuts für die Amerikaner und gehen weit über Peanutbutter hinaus", sagte Altmaier der "Welt am Sonntag". Die US-Schutzzölle auf Stahl und Aluminium werden ihm zufolge kaum Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland haben. Der Schaden für die hiesigen Stahlkocher werde sich in Grenzen halten, weil ihre Produkte von hoher Qualität seien.

Zugleich warnte China die USA vor der Einführung zusätzlicher Zölle. Andernfalls seien bislang getroffene Handelsvereinbarungen nichtig, hieß es in einer über die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichten Mitteilung nach dem Abschluss einer weiteren Gesprächsrunde zwischen US-Handelsminister Wilbur Ross und dem chinesischen Vizeministerpräsidenten Liu He in Peking. Von weiteren Abmachungen war nicht die Rede. China hatte sich bereiterklärt, deutlich mehr Waren einzuführen - auch aus den USA. Daran halte die Volksrepublik fest, hieß es bei Xinhua. Ross hatte die Gespräche zuvor als offen und freundlich bezeichnet. Die beiden Länder drohen sich gegenseitig Zölle von jeweils bis zu 150 Milliarden Dollar an.

Die Luftfahrtindustrie warnt vor negativen Folgen des internationalen Handelsstreits. Alle Aktionen, die Handel und Reisen behinderten, seien schlecht, sagte IATA-Chef Alexandre de Juniac auf der Jahrestagung des Branchenverbandes. Noch macht sich der Handelsstreit laut American Airlines-Chef Doug Parker zwar nicht am Umsatz bemerkbar. "Wir werden aber immer nervös, sobald es zu Spannungen beim weltweiten und freien Handel kommt."

la/dpa/reuters

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