Dienstag, 19. Juni 2018

G7-Gipfel - ein Foto geht um die Welt Dieses Bild ist der Gipfel

G7-Gipfeltreffen: Die Regierungsfotos
Fotos
AFP

Es ist wohl DAS Foto, das vom G7-Gipfel in Kanada im Gedächtnis bleiben wird: Bundeskanzlerin Angela Merkel steht, umringt von ihren Verbündeten vor Donald Trump, und scheint auf eine Antwort des US-Präsidenten zu warten. Dabei schaut Trump sie gar nicht an, sondern vielmehr an ihr vorbei auf Frankreichs Präsidenten Emanuel Macron.

Es ist ein Foto, das in die Geschichtsbücher eingehen könnte - als Symbolbild für den tiefen Riss, der Trump von den übrigen Verbündeten trennt. An vorderster Front kämpft Merkel, um Differenzen aus dem Weg zu räumen - so könnte die Interpretation lauten.

Als "geradezu ikonographisch", beschreibt so auch beispielsweise der Deutschlandfunk das Foto, das bei den Beratungen am Rande des Gipfels entstand. Von Trumps bockigem Gesichtsausdruck mit verschränkten Armen ist die Rede. Weltweit wird die Szenerie inzwischen diskutiert, und wie immer, variieren die Sichtweisen auf die Situation.

Deuten die einen den festgehaltenen Moment als Punktgewinn für Merkel, interpretieren andere das Bild als Ausdruck eines mächtigen US-Präsidenten, der es offenbar nicht nötig hat, stehend an der Diskussion teilzunehmen. Er demonstriere und etabliere seine Autorität, indem er sitze, heißt es.

Gleichwohl findet sich auch viel Anerkennung für das Foto, geschossen von Jesco Denzel. Der gebürtige Bremer, Jahrgang 1972, arbeitet seit 2010 als Fotograf für die Bundesregierung. Er gilt als Starfotograf und hat mittlerweile mehrere Reisen von Politikern begleitet. Davon zeugt nicht nur seine Webseite, sondern unter anderem auch ein erster Platz bei dem renommierten Fotopreis World Press Photos in der Kategorie "Contemporay Issues" für ein Foto aus Marokko.

Regierungssprecher Steffen Seibert veröffentlichte das G7-Foto derweil über Twitter - dem Hauptkommunikationskanal von Trump. Ob er den US-Präsidenten damit erreicht, ist nicht bekannt. Jedenfalls hat er für eine schnelle Verbreitung im Internet gesorgt - und für viel Diskussion. Wie die Auswahl des Bildes erfolgte, ob Frau Merkel selbst ihr Votum abgegeben hat, ist nicht bekannt, genauso wenig, ob vorher mit dem Fotografen die Szene besprochen wurde.

Auf Fragen von manager-magazin.de verwies das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung lediglich auf das Statement von Steffen Seibert: "Ich und auch das Bundespresseamt verbinden mit so einem Bild keine Interpretation", hatte der Regierungssprecher in einer Pressekonferenz erklärt.

Wie unterschiedlich die Szenerie wirken kann, wird indes noch deutlicher, betrachtet man die übrigen Fotos, die im gleichen Kontext entstanden und über die Presseagenturen verbreitet wurden. So scheinen die Bilder in ihrer Abfolge schon eine andere Geschichte zu erzählen als das einzelne Bild. Auch die Fotos, die die anderen jeweiligen Regierungen ausgegeben haben, lassen viel Spielraum für Interpretation. Die US-Regierung zeigt beispielsweise Trump umringt von den anderen Regierungschefs, während die französische Regierung die Rolle von Macron ins Zentrum stellt. Es ist der Augenblick, der zählt.

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