Mittwoch, 19. Dezember 2018

1,75 bis 2,0 Prozent US-Notenbank tastet Leitzins nicht an

Hauptsitz der US-Notenbank Federal Reserve in Washington

Die US-Notenbank hat ihre Zinsen nicht angetastet - wie erwartet. Die Fed hält aber eine weitere Erhöhung im September für realistisch. Präsident Trump dürfte dies kaum gefallen.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins unverändert gelassen. Er bleibt auf dem Niveau von 1,75 bis 2,0 Prozent, wie die Fed am Mittwoch nach einer Sitzung ihres für die Zinspolitik zuständigen Ausschusses in Washington mitteilte. Die Notenbank signalisierte jedoch, dass weitere Zinserhöhungsschritte in diesem Jahr folgen könnten.

Als Reaktion auf das robuste Wachstum der US-Wirtschaft hatte die Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal angehoben, allerdings nur sehr moderat. Dass es diesmal keinen weiteren Erhöhungsschritt geben würde, war von den Analysten so erwartet worden.

In ihrer schriftlichen Mitteilung erklärte die Notenbank, dass die US-Wirtschaft seit der vorherigen Sitzung ihres Zinsausschusses im Juni in einem "starken" Maße gewachsen sei. Auch die Zunahme der privaten Konsumausgaben bewertete sie als "stark".

In ihrem Statement vom Juni hatte die Fed die wirtschaftliche Entwicklung noch mit etwas vorsichtigen Formulierungen beschrieben. Ihre jetzige Wortwahl deutet darauf hin, dass die Fed ihre im vergangenen Monat veröffentlichte Vorausschau, wonach es in diesem Jahr insgesamt vier Zinserhöhungsschritte geben könnte, für weiterhin realistisch hält.

Unmut aus dem Weißen Haus

Präsident Donald Trump dürfte dies allerdings kaum gefallen. Er hatte die zu erwartenden Zinserhöhungen vor knapp zwei Wochen in einem Interview kritisiert. Die positive Entwicklung der US-Wirtschaft werde dadurch beschädigt: Die USA sollten "nicht dafür bestraft werden, dass sie sich so gut schlagen". Dass sich ein US-Präsident derart zur Zinspolitik der US-Notenbank äußert, ist ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Fed in ihren Entscheidungen unabhängig.

Obwohl das Weiße Haus nach dem Interview in einem Statement beteuert hatte, Trump wolle sich selbstverständlich nicht in die Belange der Fed einmischen und respektiere "natürlich" deren Unabhängigkeit, machte der Präsident seinen Standpunkt danach noch einmal bei Twitter deutlich: "Ich mag es nicht, wenn ich die Zinsen steigen sehe nach all der Arbeit, die wir in die Stärkung der Wirtschaft gesteckt haben." Während China, die EU und andere ihre "Währungen und Zinsen nach unten manipuliert" hätten, werde der Dollar mit jedem Tag stärker und nehme den USA so ihren "großen Wettbewerbsvorsprung".

Seit Trumps Wahlsieg im November 2016 hat die US-Notenbank den Leitzins bereits sechs Mal erhöht. Allerdings tat sie dies nur in kleinen Schritten von jeweils 0,25 Prozentpunkten, um eine wachstumsdämpfende Wirkung der Zinssteigerungen zu vermeiden. Der US-Präsident möchte das Wachstum - nicht zuletzt mit seiner radikalen Steuerreform - auf mindestens drei Prozent hochtreiben.

Der Kurs des Euro hat am Mittwoch auf die Zinsentscheidung in den Vereinigten Staaten kaum reagiert. Im US-Handel wurde die Gemeinschaftswährung zuletzt mit 1,1663 Dollar gehandelt. Sie kostete damit in etwa so viel wie im europäischen Nachmittagsgeschäft. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1696 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8550 Euro.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH