Samstag, 15. Dezember 2018

Trump ist größtes Risiko für die Weltwirtschaft Trumps gefährliches Spiel mit der Fed

Die Federal Reservenormalisiert die Geldpolitik. Donald Trump hält nichts von höheren Zinsen - und bezeichnet die Fed als "seinen größten Gegner". Trump sorgt für einen dramatischen Vertrauensverlust in das US-Finanzsystem

Die Unabhängigkeit einer Notenbank ist ein hohes Gut. Die Erfahrungen von politischer Einflussnahme in der Vergangenheit haben gezeigt, wie schnell zuvor stabile Währungen zerstört werden können und eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt wird, die nicht mehr gestoppt werden kann. Diesbezüglich hat die Deutsche Bundesbank hinsichtlich der Geldwertstabilität der Deutschen Mark nach Ende des Zweiten Weltkrieges international Maßstäbe gesetzt. Ähnliches gilt auch für die US-Notenbank, die zwar weniger als unabhängige Institution konzipiert wurde, aber dennoch in der Vergangenheit jeder politischen Einflussnahme widerstanden hat. Dabei war es hilfreich, dass sich die Federal Reserve nicht nur Stabilitäts- und Inflationszielen verpflichtet ist, sondern auch die US-Wirtschaft durch ihre Geldpolitik unterstützen soll.

Markus Schön
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    Markus Schön ist Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung GmbH. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der individuellen Vermögensverwaltung und dem strategischen Finanzmanagement auf überwiegend langfristiger, makroökonomischer Basis. Aktuell hat Markus Schön ein Buch über die Wirtschaftspolitik Donalds Trumps "Twittern zur Planwirtschaft" geschrieben.

Insbesondere nach der mühevollen Stabilisierung des weiterhin fragilen Finanzsektors richtete der ehemalige US-Notenbankpräsident Ben Bernanke sein Augenmerk auf eine wirtschaftliche Erholung der amerikanischen Wirtschaft. Vordergründig ist dies gelungen. Betrachtet man allerdings die Produktivität und die Gesamtbeschäftigungsquote, bewegt sich die US-Wirtschaft weiterhin deutlich unter dem Niveau, das sie vor der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht hatte.

Dies ist einer der Aspekte, die Donald Trump gespürt hat. Diese von ihm wahrgenommene und ins öffentliche Bewusstsein gebrachte Unzufriedenheit hat ihm die Wahl zum US-Präsidenten 2016 erst ermöglicht. Die zunehmende Polarisierung in der Bevölkerung hat bei ihm die Überzeugung weiter genährt, der Einzige zu sein, der alle staatspolitischen und ökonomischen Fragen in ihrer Komplexität versteht, diese Komplexität reduzieren kann und die richtigen Antworten darauf bietet.

Die Steigerung von "alternativlos" ist "unfehlbar" - Trump attackiert die Fed

Trumps Steigerung von "alternativlos" ist "unfehlbar" - was seine Überzeugung verstetigt, dass er am besten alles selber macht.

Aus dieser Selbstüberschätzung erfolgt nun ein unverhohlener Angriff auf die US-Notenbank. Er will die bislang sehr unabhängige Federal Reserve dazu zwingen, seinen wirtschaftspolitischen Kurs durch geldpolitische Maßnahmen zu stützen. Aus diesem Grund hatte er die Amtszeit der Präsidentin Janet Yellen nicht verlängert und mit Jerome Powell einen vermeintlich loyalen Empfänger seiner Befehle installiert.

Bislang verfolgt die Fed allerdings einen restriktiveren geldpolitischen Kurs mit Zinserhöhungen, den sie für die US-Wirtschaft angemessen hält. Trump hingegen ist anderer Meinung, weil er durch eine lockere Geldpolitik ein stärkeres Wirtschaftswachstum schaffen will, aber vor allen Dingen niedrige Zinsen benötigt, um seine Verschuldungspolitik fortzuführen. Entsprechend nahmen seine verbalen Angriffe gegen die Notenbank zuletzt immer weiter zu. Zuletzt verglich Trump deren Geldpolitik mit einer wirtschaftlichen Schädigung der USA, wie sie China verursache.

Die Fed wählt das kleinere Übel

Fed-Chef Powell, Trump: Der Feind im Weißen Haus

Angesichts dieser Drohungen scheinen die Fed und ihr Präsident Jerome Powell nun zu kapitulieren. Mit Blick auf die aktuelle Situation der US-Wirtschaft könnte sich der Zinserhöhungszyklus seinem Ende nähern. Grundsätzlich erscheint dies richtig, aber dennoch überrascht der Zeitpunkt. So kurz nach der Forderung des US-Präsidenten, die Zinserhöhungen zu stoppen, in eben diese Richtung zu argumentieren, ist kein Zeichen einer wirklich unabhängigen Notenbank.

Dabei scheint die Federal Reserve genau diese Überlegung in ihre Entscheidung einbezogen zu haben. Donald Trump ist bekannt dafür, den medialen Druck immer weiter zu erhöhen, bis er sein Ziel erreicht. Da es unwahrscheinlich ist, in den zwei verbleibenden Jahren seiner Amtszeit den Zinserhöhungszyklus im bisherigen Tempo fortführen zu können, hat die US-Notenbank das kleinere Übel gewählt: Sie setzt sich lieber dem Vorwurf aus, Trumps politischer Einflussnahme nachgegeben zu haben, als sich dauerhaft von ihm vor sich hertreiben zu lassen.

Der Druck aus dem Weißen Haus würde nur umso größer werden. Und nichts wäre für die massiv überschuldete US-Volkswirtschaft - auch mit Blick auf ihre internationalen Verflechtungen - fataler, als eine offene und anhaltende Diskussion über die mangelnde politische Unabhängigkeit der Notenbank.

Die Welt hat Glück gehabt - bisher

Die Folge einer solchen Dauerdebatte könnte ein noch viel dramatischerer Vertrauensverlust in das US-Finanzsystem sein, auf den weder die politische Führung der USA, noch die Federal Reserve mit geldpolitischen Maßnahmen Antworten bieten könnten. Donald Trump kennt dieses Risiko - und nimmt es bewusst in Kauf. Ihm ist selbst die minimale Chance auf kurzfristigen Erfolg wichtiger, als die dauerhafte Stärkung der Volkswirtschaft und des Staates.

Daher ist Trump im Sinne Winston Churchills noch nicht einmal ein Staatsmann, sondern er bleibt das größte Risiko für die Weltwirtschaft. Man sollte daher nicht erwarten, dass die zweite Hälfte seiner Amtszeit wirtschaftlich ohne große negative Folgen bleibt. Bislang war es einfach Glück, dass sich die weltweite Konjunktur weiterhin recht ordentlich entwickelt hat und viel des von Trump verursachten wirtschaftlichen Unsinns einfach noch nicht auf die Realwirtschaft durchgeschlagen ist.

Markus Schön ist Geschäftsführer des DVAM Vermögensverwaltung GmbH und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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