Freitag, 1. Juli 2016

Drastische Maßnahmen der Notenbank EZB senkt Leitzins auf Null - und kauft noch mehr Anleihen

Mario Draghi reloaded: Diesmal will der EZB-Chef beweisen, dass die Notenbank noch Macht über die Märkte hat. In ihrem Bemühen, die Geldvergabe und die Teuerung in der Euro-Zone anzuschieben, greift die EZB zu drastischen Mitteln

Der Leitzins im Euroraum sinkt auf Null Prozent. Das beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank am Donnerstag in Frankfurt. Die Anleihekäufe werden auf 80 Milliarden Euro pro Monat ausgeweitet. Der Dax springt.

In ihrem Kampf gegen die Deflation greift die EZB zu drastischen Mitteln. Die Europäische Notenbank senkt nicht nur den Leitzins in der Eurozone auf Null, sie verschärft außerdem erneut den Strafzins für Bankeinlagen. Statt 0,3 Prozent müssen Banken künftig 0,4 Prozent Strafzins zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken.

Die EZB weitet außerdem ihr milliardenschweres Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Wertpapiere aus. Statt 60 Milliarden Euro werde die Notenbank ab April 80 Milliarden Euro in den Markt pumpen, teilte die Notenbank mit. Anleger hatten mit einer Ausweitung auf 70 Milliarden Euro gerechnet.

Die Börsen reagierten mit einem Kurssprung. Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen baute seine Gewinne unmittelbar nach der Entscheidung auf mehr als 2 Prozent aus und kletterte über die Marke von 9900 Punkten.

Der Euro gab dagegen deutlich nach. Die Gemeinschaftswährung war bereits vor den mit Spannung erwarteten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank unter Druck geraten. Zuletzt verbilligte sich der Euro auf 1,0866 Dollar von zuvor 1,0972 Dollar.

Weidmann im EZB-Rat diesmal nicht stimmberechtigt

Dem EZB-Rat, der sich aus Draghi, seinem Vize Vitor Constancio, den vier EZB-Direktoren und den Notenbankchefs der 19 Euro-Länder zusammensetzt, bereitet die hartnäckige Mini-Inflation im Euro-Raum Sorgen.Wegen des Rotationsprinzips war Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der als Gegner von Draghis ultralockerer Geldpolitik gilt, dieses Mal nicht stimmberechtigt.

Inzwischen rückt das EZB-Ziel einer Inflation von knapp zwei Prozent, was die Notenbank als optimalen Wert für die Wirtschaft im Währungsraum erachtet, immer weiter in die Ferne. Im Februar waren die Preise wegen des Ölpreisverfalls sogar um 0,2 Prozent gesunken.

Den Ratsmitgliedern liegen auf der Zinssitzung neue Inflations- und Konjunkturprognosen ihrer Experten vor. Noch im Dezember hatten sie für 2016 eine Inflationsrate von 1,0 Prozent veranschlagt. Diese Prognose wackelt aber wegen des Ölpreisrutsches inzwischen gewaltig

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