Samstag, 18. November 2017

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Quantitative Easing Warum Anleihekäufe der EZB der Euro-Zone schaden

Euro in Not: Kauft die EZB Staatsanleihen auf, läuft dies auf eine Sozialisierung der Schulden hinaus. So entsteht ein Schuldentilgungsfonds durch die Hintertür - selbst dann, wenn die nationalen Notenbanken die Schulden des jeweiligen Landes aufkaufen
Stuart Minzey/Getty Images
Euro in Not: Kauft die EZB Staatsanleihen auf, läuft dies auf eine Sozialisierung der Schulden hinaus. So entsteht ein Schuldentilgungsfonds durch die Hintertür - selbst dann, wenn die nationalen Notenbanken die Schulden des jeweiligen Landes aufkaufen

Die EZB wird am Donnerstag wohl mit Staatsanleihekäufen beginnen, um ein Chaos an den Finanzmärkten zu vermeiden. Das "Quantitative Easing" wird der Euro-Zone jedoch nicht helfen - es dürfte sogar schaden. Statt Staaten verdeckt zu finanzieren, wäre es effizienter, den Bürgern das Geld direkt zu überweisen.

Kritiker wie ich haben in den vergangenen Wochen mehrfach darauf hingewiesen, dass Quantitative Easing in der Eurozone nichts bewirken wird. Die Gründe dafür sind vielfältig:

1. Zum einen ist festzuhalten, dass Quantitative Easing auch in den USA , England und Japan nicht die gewünschten Effekte hatte. Japan steckt noch immer in der Krise, England profitierte vor allem über die Schwächung des Pfundes und in den USA lag der Nutzen ebenfalls in der zeitweisen, deutlichen Schwächung des US-Dollars.

Dass die USA heute besser dastehen als wir in Europa, liegt vor allem an der konsequenteren Sanierung der Banken und einem großzügigeren Konkursrecht. Die Privaten konnten deutlich einfacher als in Europa die Schulden senken. Hinzu kam die günstigere Energie dank Fracking - ein Vorteil, der sich in den letzten sechs Monaten jedoch abgebaut hat.

2. Im Unterschied zu den USA ist in Europa der Bankensektor für die Finanzierung entscheidend. Die wenigsten Firmen haben einen direkten Kapitalmarktzugang. Solange das europäische Bankensystem nicht saniert ist und solange die bestehenden hohen privaten Schulden nicht gesunken sind, wird es nicht zu einer deutlichen Belebung der Kreditvergabe kommen.

3. Billigeres Geld wirkt sich - ebenfalls im Unterschied zu den USA - nicht auf bestehende Kreditverträge aus. Die amerikanischen Immobilienbesitzer werden durch sinkende Zinsen entlastet. Die Europäischen zahlen hingegen weiterhin den ursprünglich vereinbarten Zinssatz.

4. Das Zinsniveau in Europa befindet sich auf Jahrhundert-Tiefstständen. Da bringen ein paar weitere Punkte an Zinssenkung herzlich wenig.

Obwohl Quantitative Easing nichts bringt und zudem einiges dafür spricht, dass es sogar schadet, will die EZB unbedingt ein entsprechendes Programm auflegen. Wie hier schon diskutiert, liegt dies nicht zuletzt daran, dass die EZB gar nicht anders kann, als die Erwartungen der Kapitalmärkte zu erfüllen.

Tut sie es nicht droht ein Chaos, wie nach dem Aufheben der Kursuntergrenze des Franken: der Euro würde deutlich steigen, die Zinsen in den Krisenländern vermutlich auch.

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