Montag, 16. Juli 2018

Wichtiger Rohstoff für Elektroauto-Batterien China drängt im Kobalt-Wettrennen ganz nach vorne

Kobalt-Fabrik im Kongo: China investiert auf allen Stufen in dem Land

Volkswagen scheiterte daran bereits zwei Mal, BMW hatte offenbar mehr Verhandlungsgeschick und Geduld. Die Münchner haben sich laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) langfristige Lieferverträge für zwei Rohstoffe gesichert, die für den Bau von Elektroautos unerlässlich sind: Für Lithium und das Metall Kobalt, das die Energiedichte von Batterien erhöht.

Ziel von BMW sei es, für seine Elektroauto-Offensive den Materialstrom von Vormaterialien bis zur Mine hin zu sichern - und zwar für zehn Jahre, erklärte BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann der FAZ. BMWs Verträge für die Lieferung von Lithium und Kobalt seien "unterschriftsreif", so Duesmann. Der Volkswagen-Konzern hatte Ende vergangenen Jahres ebenfalls versucht, die Versorgung mit Rohstoffen für Elektroautos langfristig zu sichern, war jedoch zwei Mal daran gescheitert.

Kobalt-Händler und Produzenten können es sich leisten, wählerisch zu sein: Weltweit steigen die Produktionszahlen für Elektroautos, in den kommenden Jahren dürften die Stückzahlen noch viel kräftiger wachsen. Das erhöht die Kobalt-Nachfrage , was sich auch am Preis ablesen lässt: Seit Anfang 2016 ist der Preis für eine Tonne Kobalt auf über 80.000 Dollar gestiegen und hat sich so beinahe vervierfacht.

Längst hat ein weltweites Rennen eingesetzt, wer die komplette Lieferkette für Kobalt sichern kann - also den Abbau, die Aufbereitung und Verarbeitung. Dabei liegt ein Land, nämlich China, ganz weit vorne, berichtet das Wall Street Journal (WSJ).

Wilde Schürfer im Kongo bei der Arbeit

China kauft im Kongo, was es an Kobalt kriegen kann

Größtes Förderland für Kobalt ist der Kongo, eines der ärmsten Länder der Welt. Gut 54 Prozent des weltweiten Kobalt-Angebots stammen aus dem afrikanischen Riesenland. Gefördert wird es dort unter teils abenteuerlichen Bedingungen: Neben größeren Minengesellschaften gibt es auch tausende wilde Schürfer, die auf eigenes Risiko nach dem Metall graben. Schutzausrüstungen oder Atemschutz tragen sie nicht, schwere Verletzungen und Kinderarbeit sind dabei an der Tagesordnung.

Europäische und US-Unternehmen versuchen, auf diese Art und Weise gewonnenes Kobalt zu meiden - da sie von NGOs dafür bereits heftig kritisiert wurden. Chinesische Unternehmen haben da offenbar deutlich weniger Skrupel. Laut WSJ dominieren chinesische Unternehmen jenes Netzwerk an Mittelsmännern, die Kobalt von diesen "Freelance-Schürfern" kaufen. Die wilden Schürfer sollen Untersuchungen zufolge für bis zu 14 Prozent des Kobalt-Outputs im Kongo sorgen.

Gegenüber dem WSJ erklärte ein Sprecher des chinesischen Kobaltriesen Zehjiang Huayou Cobalt, seit April kein Kobalt mehr von Großhändlern zu beziehen, die diesen von wilden Schürfern kaufen.

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