Sonntag, 23. Juli 2017

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Einsichten aus Trump-Werk "The Art of the Deal" Was das "zweitbeste Buch nach der Bibel" über Trump verrät

US-Präsident Donald Trump: Bereits vor 30 Jahren war er Medienprofi, wie sein Buch "The Art Of The Deal" zeigt

Einer der größten Business-Bestseller aller Zeiten sei es, tönt der neue US-Präsident Donald Trump gerne über dieses Werk. Überhaupt sei es das zweitbeste Buch nach der Bibel, wie er vor einem Jahr bei einer Wahlkampfveranstaltung verriet. Die Rede ist natürlich von "The Art Of The Deal", jenem 367-Seiten-Buch, das Trump im Jahr 1987 mit üppiger Ghostwriting-Hilfe des Journalisten Tony Schwartz publizierte. S

chwartz bereut seine Mitwirkung an dem Werk längst . Denn es hat viel dazu beigetragen, das mythische Bild von Trump als charmant-dreisten, erfolgreichen Geschäftsmann zu schaffen.

Dabei, so erklärte Trumps Ghostwriter gegenüber dem Magazin "The New Yorker", sei Trumps Persönlichkeit sein größtes Handicap. Pathologisch impulsiv und selbstbezogen sei der Immobilienunternehmer, meinte Schwartz vor einem halben Jahr - und damit als US-Präsident nicht unbedingt die Idealbesetzung.

Nun ist Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Seit Wochen fragt sich die Welt, was sie politisch erwarten kann von einem 70-jährigen Immobilienunternehmer, der den pompös-pöbeligen Auftritt liebt. Der traditionelle Medien verachtet und sie gleichzeitig perfekt bedient. Der aus reichem Elternhaus kommt, den Abschluss einer Eliteuniversität in der Tasche hat, und dennoch als Gegenkandidat zum Establishment punkten konnte.

Wie sich diese scheinbaren Gegensätze vereinen lassen, das lässt sich nun 30 Jahre alten Trump-Werk durchaus herauslesen. Die Kunst der Selbstvermarktung beherrscht Trump jedenfalls nicht erst seit kurzem - sondern seit Jahrzehnten. Und er ist seinen Markenzeichen augenscheinlich treu geblieben. Denn der Einband des Werkes ist ganz in schwarz mit goldener Schrift gehalten. Genau diese Farbgebung findet sich auch in vielen Trump-Bauwerken der späteren Jahre wieder.

Binsen-Donald: "Hör auf Dein Bauchgefühl"

Einfach zu lesen ist das Buch, das wir uns in der englischen Originalausgabe besorgt haben, nicht gerade. An den kurzen Sätzen liegt das nicht - sondern am selbstherrlichen Inhalt der ersten Seiten.

Er mache es nicht wegen des Geldes, erklärt Trump gleich zu Anfang. Geld habe er schließlich schon mehr als genug. "Deals sind meine Kunstform", eröffnet Trump auf der ersten Seite. "Ich mag es, Geschäfte zu machen, am liebsten große Deals. Das macht mir so richtig Spaß."

Eine Art Deal-Junkie ist Trump also, wie auch die nächsten Seiten zeigen. Sie sind eine Art Tagebuch einer Trump-Arbeitswoche. Im Detail beschreibt Trump darin, wer aller bei ihm anruft, mit wem er sich trifft, wem er mit welcher Begründung absagt.

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Es sind natürlich nur mächtige, wichtige und herausragende Menschen, mit denen sich Trump abgibt. Und er hat auch ein paar Binsen parat: "Manchmal zahlt es sich aus, ein wenig wild zu sein", schreibt er etwa an einer Stelle. "Ich versuche immer die besten Talente anzustellen, wo immer ich sie finden kann".

Reichlich dünn verpackt ist auch sein Selbstlob, als er etwa über seinen Sohn Donny schreibt. "Wahrscheinlich hat er meine Gene. Das Kind kann einfach kein Nein als Antwort akzeptieren".

Doch er lässt gleich zu Anfang auch auf ein paar seiner ehernen Geschäftsprinzipien blicken. "Hör auf Dein Bauchgefühl, egal wie gut etwas auf dem Papier auch aussehen mag", schreibt er an einer Stelle.

Sein Verhältnis zu den Medien beschreibt er so: Anders als oft beschrieben genieße er es zwar nicht, sich mit Presseleuten zusammenzusetzen. Eine Million Mal sei er jetzt die selben Fragen gefragt worden. Auch spreche er nicht allzu gerne über sein Privatleben. Allerdings: "Ich verstehe, dass Presseberichte sehr hilfreich sein können, um Geschäfte zu machen. Und es macht mir nichts aus, über sie zu sprechen."

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