Samstag, 23. Juni 2018

Analyse der Körpersprache Trump oder Kim? Wer dominierte wen beim Gipfel?

Stefan Verra
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    Severin Schweiger
    Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten im deutschen Sprachraum. Seine Vortragsreisen führten ihn bisher in 13 Länder auf vier Kontinenten. Er ist Universitätsdozent, Bestsellerautor und teilt seine Tipps und Körpersprache Analysen auf www.stefanverra.com.

Donald Trump ist der klare Sieger des Gipfels von Singapur - nein, nicht politisch. Aber körpersprachlich. Wir wissen zwar immer noch nicht, was die beiden Herren da wirklich unterschrieben haben. Aber wie sie unterschrieben haben - holla, die Waldfee, das war ein Match wie Deutschland gegen Österreich. Dabei war das Händeschütteln noch nicht mal das Entscheidendste. Ein subtileres Körpersprachephänomen war noch viel aussagekräftiger ...

Flatternde Hosen

Beim ersten aufeinander Zugehen wirkt Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un sehr souverän und entspannt. Bei jedem Schritt wirft er seine Unterschenkel nach vorne, dass sogar sein Beinkleid flattert. Das war's aber dann auch mit der Souveränität. Denn Trump ist der Erste, der die Hand zur Begrüßung ausstreckt und hat damit vorgegeben, was Sache ist. Kim tut es ihm wenige Augenblicke später gleich. An dieser Abfolge - Trump gibt vor, Kim folgt nach - ändert sich während des Treffens nie etwas. Nie!

Alle in Deckung: Trump schüttelt Hände

Kim steht eigentlich auf der besseren Position, nämlich der linken. Er kann so beim Händeschütteln seinen ganzen Arm ins Blickfeld bringen, während Trump mit der vom Publikum abgewandten Seite schüttelt. Diesen Nachteil macht Trump aber auf Donald-Manier wett: Er klopft mit der linken (sichtbaren) Hand einfach auf Kims Oberarm. Damit zeigt er zum zweiten Mal seine Dominanz.

Natürlich macht er sein typisches Trump-Händeschütteln. Darauf ist Verlass wie auf die superpünktlichen Schließzeiten Ihrer Postfiliale ums Eck. Zweimal reißt er Kim zu sich heran. Wahrscheinlich sind ihm diese Ruckbewegung gar nicht bewusst, und doch bringt er sein Gegenüber damit ordentlich in die Defensive. Der verliert nämlich immer ein klein wenig an Gleichgewicht wodurch er ein klein wenig derangiert wirkt.

Hohe Hacken

Als sich die beiden gegenüberstehen, erkennt man deutlich den Größenvorteil Donald Trumps. Da helfen auch Kim's im Schuh verborgenen Absätze nicht. Größere Menschen wirken dominanter. Und Kim macht dabei einen Fehler: Er steht zu nahe an Trump. Damit muss er seinen Kopf recht weit nach hinten legen, wie ein Schuljunge bei der morgendlichen Befehlsausgabe. Ich hoffe, Sie fassen das nicht despektierlich auf. Ich bin mir bewusst, dass sich hier zwei sehr mächtige Menschen gegenüber stehen. Und genau deswegen, hätte ich an Kims Stelle körpersprachlich bewusster agiert.

Asymmetrie

Während dieses 15-sekündigen Händeschüttelns (das ist verdammt lange, versuchen Sie es mal mit jemandem, den Sie nicht wirklich gut kennen und der auf Tuchfühlung auf Sie herab schaut) spricht Trump mit Kim. Und es spricht nur Trump. Hier ist die Asymmetrie besonders deutlich zu sehen. Dabei hat Kim hat sichtlich Schwierigkeiten, mit seiner Aufmerksamkeit bei Trumps Worten zu bleiben. In der Zeitlupe erkennt man, dass er mit seinem Blick immer wieder für kurze Momente abschweift. Offensichtlich hat er Schwierigkeiten all die Eindrücke zu verarbeiten und gleichzeitig noch Trumps Worten zu lauschen.

Ein nicht steuerbares Signal

Trump ist auch derjenige, der während der gesamten Begegnung die Richtung vorgibt. Blickt er in eine bestimmte Richtung, dreht sich Kim ebenfalls dort hin. Trump weist den Weg, Kim folgt. Trump klopft Kim auf den Rücken - Kim macht es ihm nach. Meistens passiert diese Abfolge innerhalb von Millisekunden. Und das reicht dem Auge des Betrachters, um zu erkennen, wer hier das größere Alphatier ist.

Achten Sie auf dieses Signal

Für alle, die in Ihrer Bude nicht genau wissen, ob sie als Chef akzeptiert sind oder nicht: Achten Sie auf dieses subtile Körpersprachephänomen. Ein echtes Alphatier lässt sich öfter anschauen, als er selbst die Kollegen anschaut. Kim sucht immer wieder den Blick auf Trump. Er braucht das offensichtlich als Orientierung. Umgekehrt kümmert es Trump sehr wenig, was der Nordkoreaner gerade macht.

Einen Punkt in Sachen Körpersprache holt Kim aber doch: beim Lächeln. Man mag ihn mögen oder nicht, aber sein Lächeln steckt an. Hoch gezogene Wangen - da hilft ihm seine ostasiatische Gesichtsform mit deutlich geöffnetem Mund - lassen sein Lächeln deutlich einladender wirken als Trumps.

Berater? Wo seid ihr?

Falls Sie mal Zeit haben, schauen Sie sich auf meinem Youtube-Kanal meine Analyse zu der Szene an, in der Kim die Unterschriftenmappe vorgelegt bekommt. Er starrt völlig ratlos auf das Papier. Hilfesuchend dreht er sich ein wenig nach links und sucht aus dem Augenwinkel Hilfe bei Trump. Es stellt sich die Frage, warum Kim Jong-un von seinen Beratern auf diese und ähnliche Situationen nicht besser vorbereitet wurde.

Insgesamt spiegelt die Körpersprache der beiden Staatschefs die politische Asymmetrie deutlich wider. Hier das kleine, international wenig erfahrene Nordkorea. Dort die mächtigere und erfahrenere Großmacht USA. Unabhängig von allen inhaltlichen Faktoren muss man sagen, dass Trump hier in der Körpersprache eindeutig souveräner agiert hat. Was das am Ende politisch wert ist, wird sich zeigen.

Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten in Deutschland, Dozent und Autor zahlreicher Bücher. Verra ist Mitglied der Meinungsmacher von manager-magazin.de. Dennoch gibt sein Beitrag nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.

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