Montag, 18. Juni 2018

Handelsstreit im Faktencheck So schwach ist Merkels Abwehr gegen Trumps Kritik

Angela Merkel und Donald Trump auf dem G7-Gipfeltreffen in Kanada

2. Teil: Altmodische Dinge wie Autos, Maschinen, Chemie oder Pharma

Unbestritten hat die Handelsbilanz im engeren Sinn - also die Differenz zwischen exportierten und importierten Waren - eine gewaltige Unwucht. Laut US-Handelsstatistik lieferten die USA im vergangenen Jahr Waren für 285 Milliarden Dollar in die EU und kauften in umgekehrter Richtung für 438 Milliarden Dollar ein.

Daraus ergibt sich ein Defizit der USA (also ein Überschuss der EU) von 153 Milliarden Dollar. In den ersten Monaten 2018 ist diese Lücke noch weiter gewachsen.

Eurostat weist ebenfalls einen EU-Handelsüberschuss gegenüber den USA aus - mit 120 Milliarden Euro (136 Milliarden Dollar) etwas geringer, aber in der gleichen Größenordnung. Zur Beruhigung des transatlantischen Handelsstreits verweisen die europäischen Statistiker darauf, laut ihren Zahlen sei die Lücke nicht mehr so groß wie noch 2015.

Autos, Maschinen, Chemie, Pharma: altmodisch, aber ein großes Problem für Trump, der versprochen hat, die Industriemacht der USA wieder aufzurichten. Seine Strafzölle zielen darauf ab, diese Handelslücke zu schließen. Ob der Handel mit Dienstleistungen ein anderes Bild abliefert, könnte ihm daher egal sein. "Über das Richtige sprechen" heißt für ihn über physische Produkte made in USA.

Merkel kann argumentieren, Amerikas Stärken lägen eben woanders. Die einen bauen Autos, die anderen bieten digitale Dienste an - internationale Arbeitsteilung, vielleicht sogar vorteilhaft für diejenigen, die sich auf Dienstleistungen spezialisieren, weil dieser Sektor viel mehr Jobs bringt als die Industrie.

Um diese Ansicht zu prüfen, muss die Statistik nicht unbedingt modernisiert werden. Neben der Handelsbilanz wird längst auch eine Dienstleistungsbilanz erfasst, und beide zusammen sind Bestandteil der Leistungsbilanz. Was sagen die Daten?

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