Dienstag, 17. Juli 2018

Produktionsverlagerung nach EU-Vergeltungszöllen Harley Davidson flüchtet - Donald Trump schnaubt

Erst bewundert, jetzt verdammt: US-Präsident Donald Trump (l.) und Vizepräsident Mike Pence bestaunen eine Harley Davidson, die neben dem Südrasen des Weißen Hauses in Washington geparkt ist. Manager des Konzerns hatten im Februar den Präsidenten besucht

Noch vor wenigen Monaten stand der legendäre Motorradbauer Harley Davidson im Weißen Haus Pate für Donald Trumps "America First"-Politik. Doch ausgerechnet jetzt will die US-Industrie-Ikone Teile ihrer Produktion ins Ausland verlegen. Der Präsident schnaubt, denn für ihn ist die Entscheidung des Managements ein Rückschlag.

Es war so etwas wie ein Funken der Bewunderung, der in Donald Trumps Augen aufblitzte: Mit ausgebreiteten Armen blieb er am Rande des Südrasens des Weißen Hauses stehen und zeigte auf eine Maschine von Harley-Davidson - die US-amerikanische Industrie-Ikone schlechthin. Einige ihrer Manager waren zu dem Termin eigens mit blankgeputzten Bikes aus dem Hause Harley angereist - als Zeitzeugen und sinnbildliche Unterstützer von Trumps "America-First"-Politik.

Diese begründete der Präsident während eines gemeinsamen Dinners im Februar und versprach später nach dem Essen, dass seine Politik den Konzern voranbringen und "glücklich" machen werde. Ein paar Monate später ist das Funkeln in den Augen Trumps wieder zu sehen - doch diesmal ist es Enttäuschung und nur schwer unterdrückte Wut über Harley Davidson.

"America First": Umgeben von schicken Bikes und Vize-Präsident Mike Pence heißt US-Präsident Donald Trump (Mitte) Harley-Davidson-Chef Matthew Levatich (rechts) vor dem Weißen Haus herzlich willkommen

Denn der Motorradhersteller verlagert wegen der EU-Vergeltungszölle auf amerikanische Waren einen Teil seiner Produktion aus den USA - und handelt sich prompt Ärger mit dem Weißen Haus ein. Das Unternehmen hatte erklärt, durch den Schritt solle eine Preiserhöhung für Kunden in Europa vermieden werden.

Für Trump ist der Schritt des weltbekannten Motorradherstellers ein Rückschlag, hatte er doch seine Zollpolitik stets mit dem Prinzip "Amerika zuerst" begründet. Eines seiner erklärten Ziele war demnach, Unternehmen dazu zu bewegen, mehr in den USA zu produzieren und neue Jobs zu schaffen - oder zumindest den Status quo zu erhalten. Dass Harley-Davidson nun wegen des von ihm initiierten Handelskonflikts Teile der Produktion ins Ausland verlagern will, konterkariert die Strategie des Weißen Hauses.

"Ich habe für sie gekämpft" - Trump überrascht von Harley-Ankündigung

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Bild: REUTERS

"Überrascht, dass Harley Davidson von allen Unternehmen als erstes die weiße Flagge hisst", twitterte Trump in der Nacht zum Dienstag. "Ich habe hart für sie gekämpft", aber anscheinend habe die Firma eine "Ausrede" für ihren Schritt gesucht. Zugleich zeigte sich Trump optimistisch, dass Harley-Davidson am Ende der Verhandlungen gar keine Zölle auf Verkäufe an Kunden in der EU zahlen werde.

Das Unternehmen hatte argumentiert, die Anhebung der EU-Zölle von bisher 6 auf 31 Prozent mache ein Motorrad von Harley-Davidson in Europa im Schnitt um 2200 Dollar teurer. Bis die Verlagerung der Produktion binnen 9 bis 18 Monaten über die Bühne geht, werde Harley-Davidson diese Kosten selbst tragen. Das bedeute allein für den Rest dieses Jahres eine Belastung von voraussichtlich 30 bis 45 Millionen Dollar.

Mit den am vergangenen Freitag in Kraft getretenen Vergeltungszöllen für US-Produkte wie Whiskey, Jeans, Reis, Mais und Motorräder reagierte die EU auf zuvor von Trump verhängte Sonderabgaben auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus Europa.

Harley Davidson befürchtete "sofortigen und langanhaltenden" Schaden

Harley-Davidson ist das erste US-Unternehmen, das eine detaillierte Einschätzung zu den Folgen dieses Handelskonflikts abgab. Würde man die höheren Kosten per Preiserhöhung an Käufer weitergeben, hätte das einen "sofortigen und langanhaltenden" Schaden für das Geschäft in der Region zur Folge, erklärte Harley-Davidson. Europa sei mit knapp 40.000 verkauften Harley-Motorrädern im vergangenen Jahr der zweitwichtigste Markt für die Firma nach den USA.

Harley-Fahrer vor wenigen Tagen in Hamburg: 2200 Dollar mehr im Schnitt würde eine Harley kosten, wenn der Motorradhersteller seine Produktion nicht verlagerte. Ob sich deshalb Ärzte, Rechtsanwälte, Banker und andere Harley-Davidson-Fans jetzt keine neuen Maschinen mehr kaufen würden?

Werke außerhalb der USA hat Harley-Davidson derzeit in Brasilien, Indien und Thailand. Diese Fabriken sollen nun ausgebaut werden. Harley-Davidson machte keine Angaben dazu, welche genauen Folgen die Verlagerung für Beschäftigtenzahlen und Standorte in den USA haben wird. Man fühle sich zwar der Produktion im Heimatland verbunden - der Umzug von Teilen der Fertigung sei aber die einzige Möglichkeit, in Europa nachhaltig im Geschäft zu bleiben.


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Der Handelskonflikt trifft Harley-Davidson in einem ungünstigen Moment: Das internationale Geschäft wird für die Firma immer wichtiger, während die jüngeren Amerikaner weniger Interesse an den Motorrädern zeigen. Im ersten Quartal wuchs der Auslandsumsatz um 12 Prozent, während die US-Erlöse stagnierten.

Im vergangenen Jahr setzte der Konzern aus Milwaukee mit seinen Zweirädern 5,65 Milliarden Dollar (4,55 Milliarden Euro) um, das waren 6 Prozent weniger als noch 2016. Der Gewinn brach - auch wegen der Effekte der US-Steuerreform - um knapp ein Viertel auf 522 Millionen Dollar ein. In diesem Jahr rechnet der Konzern damit, um fünf Prozent weniger Motorräder zu verkaufen als noch 2017.

rei mit dpa

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