Montag, 23. Juli 2018

Lage nach Giftgasangriff droht zu eskalieren "Mach Dich bereit, Russland!" Donald Trump kündigt per Tweet Raketenangriffe auf Syrien an

Donald Trump

Syrische Truppen erwarten seit 48 Stunden einen US-Gegenschlag als Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff. Genau damit droht Donald Trump nun via Twitter. Die Reaktion aus Moskau folgt prompt. Die Lage könnte gefährlich eskalieren. Doch der US-Präsident lässt in seiner derzeit typisch zweigleisigen Strategie noch ein Hintertürchen offen.

Mit einem Tweet hat US-Präsident Donald Trump auf die russische Drohung reagiert, auf Syrien gerichtete amerikanische Raketen abzuschießen. Gleichzeitig kündigte er an, ein solcher Angriff stehe bevor und forderte Russland auf, sich vom syrischen Machthaber Assad zu distanzieren.

Trump reagiert damit auf den jüngsten mutmaßlichen Giftgasangriff auf die Stadt Douma durch syrisches Militär. Der US-Präsident hatte eine "schlagkräftige Reaktion" in Aussicht gestellt und die Möglichkeit eines Militärschlages innerhalb von 48 Stunden ins Spiel gebracht. Bei dem Giftgasangriff auf die Stadt sollen mehr 150 Menschen ums Leben gekommen sein.

Die kolportierte Frist läuft diesen Mittwoch ab. Trump wie auch sein Verteidigungsminister James Mattis haben ihre Reisepläne für den Rest der Woche angesichts der Lage in Syrien aufgegeben. Nach verschiedensten Presseberichten bereiteten sich Truppen des Assad-Regimes seit Tagen auf einen möglichen Raketenangriff der USA vor, hätten sich an wichtigen Stützpunkten eingraben oder die Stützpunkte geräumt.

Russland kündigt Gegenschlag an

Russland werde nach Angaben seines Botschafters im Libanon jegliche US-amerikanische Rakete auf syrischen Hoheitsgebiet abfangen. "Sollte es einen Angriff von Seiten Amerikas geben (...), werden die Raketen abgeschossen und die Objekte angegriffen, von denen sie abgefeuert wurden ", sagte Alexander Sassypkin im libanesischen Fernsehen.

Würde Russland tatsächlich einen US-Zerstörer oder US-Kampfflugzeuge angreifen, die zuvor Raketen auf syrische Stellungen gefeuert haben, stünden sich die USA und Russland als unmittelbare Kriegsparteien feindlich gegenüber - mit unkalkulierbaren Folgen nicht nur für die gesamte Nahost-Region. Kremlsprecher Dmitri Peskow rief daher die USA zur Besonnenheit auf. Moskau ist im Bürgerkrieg ein enger Verbündeter der syrischen Regierung.

USS Donald Cook: Der Zerstörer war am Montag von Zypern aus Richtung syrische Küste aufgebrochen und soll Tomahawk-Marschflugkörper bei sich führen, wie sie bereits vor einem Jahr bei einem US-Gegenangriff auf Syrien zum Einsatz gekommen waren

Bei einem Angriff mit dem Giftgas Sarin waren Anfang April vergangenen Jahres mindestens 86 Menschen ums Leben gekommen. Zwei im östlichen Mittelmeer kreuzende Zerstörer des US-Marine hatten darauf 60 Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert. Die Raketen zerstörten die syrische Luftwaffenbasis Al Sheirat. Um Menschenleben zu schonen und auch keine Opfer unter den russischen Verbündeten zu riskieren, hatten die USA Moskau zuvor gewarnt. Allerdings hatte das syrischen Regime die Basis binnen Kürze wieder aufbauen können, von der seitdem fortwährend Kampfflugzeuge aufsteigen und Aufständische sowie die eigene Zivilbevölkerung bekämpfen.

Beobachter gehen in Abwägung militärischer Optionen davon aus, dass die USA zu ähnlichen Maßnahmen greifen werden wie vor einem Jahr. Der Lenkwaffenzerstörer "USS Donald Cook" soll am Montag seinen zypriotischen Hafen Larnaka verlassen und Richtung syrische Levante gesteuert sein. Dieser Zerstörer führe eine nicht bekannte Zahl Tomahawk-Marschflugkörper bei sich, heißt es in den Berichten.

Wie sein zweiter Tweet (siehe oben) zeigt, ist sich Trump der Gefahr einer ernsthaften Eskalation des Konflikts, wie sie der Abschuss neuer Raketen auf Syrien zweifelsohne bedeuten würde, durchaus bewusst: "Unser Verhältnis zu Russland ist schlechter als es je war, den Kalten Krieg eingeschlossen", schrieb Trump.

Gleichzeitig aber, das zeigt bereits der nächste Satz in der Kurzmitteilung, führt Trump eine in letzter Zeit öfter zu beobachtende zweigleisige, zugleich Dialogbereitschaft signalisierende Kommunikationsstrategie gegenüber dem Kreml: So heißt es in dem Tweet: "Russland braucht unsere wirtschaftliche Unterstützung, die sehr einfach wäre, und wir brauchen alle Nationen, um zusammenzuarbeiten." Ergänzend fügt Trump dann an: "Das Wettrüsten stoppen?"

Der Vorschlag, das Wettrüsten zu beenden, sei eine "tolle Idee" - sollten die USA doch mit ihren Chemie-Waffen beginnen, keilte der Kreml postwendend zurück. Also vorerst doch nur ein verbales aber gefährliches Säbelrasseln?

An Frankfurter Börse jedenfalls gingen die Investoren zunächst einmal in Deckung: Der Dax Börsen-Chart zeigen tauchte am Nachmittag ab und verlor gut 1 Prozent.

rei mit Nachrichtenagenturen

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