Freitag, 28. Juli 2017

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Dollar-Index fällt zurück Der Trump-Dollar wird schon wieder schwach

Dollar, Gold, Öl und Co: Wo die heiße Trump-Luft schon entwichen ist
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DPA

Zum Unabhängigkeitstag an diesem Dienstag haben es die USA amtlich: Der Trump Trade ist vorbei.

Der starke Dollar hat die seit der Wahl Donald Trumps gewonnene Kraft wieder eingebüßt. Der Dollar-Index der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der die Wechselkurse der US-Währung zu den nach Handel gewichteten Devisen wie mexikanischem Peso, kanadischem Dollar, Yuan, Yen oder Euro zusammenfasst, steht leicht über 96 Punkten.

Zum Wahltag im November waren es noch mehr als 97. Bis zum Jahresende stieg der Index auf knapp 104, so hoch wie nie seit 2002 - eine Rally, die Kreditzinsen, Aktienkurse und vieles mehr mit nach oben riss.

Vor allem der mexikanische Peso hat sich vom Trump-Schock wieder erholt, schreibt der Ökonom Brad Setser vom Council on Foreign Relations. Aber auch gegenüber dem Euro Börsen-Chart zeigen zeige der Dollar Schwäche. Die von manchen Devisenanalysten als Folge der Trump-Wahl vorausgesagte Parität ist wieder aus dem Blick geraten.

Für Amerikas Industrie eine gute Nachricht

Setsers Erklärung geht ungefähr so: Weil Trumps Regierung schwächer ist als gedacht, wird auch der Dollar schwächer als gedacht. Vor allem die fest eingeplante billionenschwere Steuersenkung scheint schwer zu verwirklichen. Wenn sie aber käme, müsste die Federal Reserve die Wirtschaft drosseln, indem sie die Zinsen noch schneller anhebt als ohnehin schon. Alles zusammen würde die Kapitalrenditen in Amerika stärker steigen lassen als anderswo. Doch diese Grundlage der Trump-Rally fällt vorerst aus.

Für Amerikas Industrie sei das eine gute Nachricht, erklärt Setser. Aus ihrer Sicht sei der Dollar, dessen Anstieg schon 2014 begann - lange vor Trumps Wahl -, immer noch zu stark. Denn er verteuert ihre Exporte und macht konkurrierende Importgüter auf dem amerikanischen Markt billiger.

Dieser komplexe Zusammenhang ist auch Trump selbst entgangen. Im Februar berichtete die "Huffington Post", der Präsident habe nachts um 3 Uhr seinen damaligen Sicherheitsberater Mike Flynn angerufen und gefragt, ob ein starker Dollar gut oder schlecht sei. Der entgegnete, Trump solle lieber einen Ökonomen fragen.

Die Antwort: Ein starker Dollar ist gut für die Kaufkraft der Amerikaner, aber schlecht für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Und letztere scheint Trump inzwischen wieder mehr am Herzen zu liegen.

Trumps Team schießt sich auf einen Handelskrieg ein, vor allem die Stahlindustrie will er mit Anti-Dumping-Zöllen schützen. Das dürfte eines der Streitthemen auf dem G20-Gipfel in Hamburg werden. Ein schwächerer Dollar wäre viel wirkungsvoller, bemerkt Setser - insofern ist das Ende des Trump-Trades also eine gute Nachricht für Trump.

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