Mittwoch, 24. Januar 2018

Enthüllungsbuch über Donald Trump Die Russen, die Deutsche Bank  und ein tobender US-Präsident

Ein Enthüllungsbuch über Donald Trump und der brutale Bruch Trumps mit seinem Ex-Chefberater Steve Bannon sorgen in den USA für ein spektakuläres Drama.

US-Präsident Donald Trump hat wenig Freunde. Er hat Beziehungen, die ihm nutzen und die enden, wenn sie ihm nicht länger nutzen. New York wimmelt von abservierten Ex-Freunden, die einem davon erzählen können.

Jüngstes und brisantestes Beispiel: Steve Bannon, der rechte Demagoge, der Trump zur Präsidentschaft verhalf. Als Wahlkampfboss und Chefstratege prägte er Trumps Nationalismus, bis er das Weiße Haus im August auf Druck des neuen Stabschefs John Kelly verließ. Trump schätzte ihn weiter: "Er ist seit Langem mein Freund", sagte er noch im Oktober. "Ich mag Steve sehr."

Die Freundschaft endete am Mittwoch - im spektakulärsten Drama, das die an Dramen nicht arme Präsidentschaft Trumps bisher geboten hat.

"Steve Bannon hat nichts zu tun mit mir oder meiner Präsidentschaft", tobte Trump in einer Erklärung, die er persönlich verfasst hatte. "Als er gefeuert wurde, verlor er nicht nur seinen Job, er verlor auch seinen Verstand." Bannon sei nur ein einfacher "Angestellter" gewesen, ein Lügner, der falsche Informationen an die Medien weitergab, um sich "wichtiger zu machen, als er war". Es war der ultimative Bruch.

Trump und Bannon (Januar 2017)

"Fire and Fury"

Trumps beispielloser Ausbruch, mit dem er Bannons einstige Machtfülle kleinzureden versuchte, war eine Antwort auf einen ebenso beispiellosen Vorgang: Bannon hatte zuvor nicht nur Trumps Familie verunglimpft, eine Kardinalsünde. Sondern ihnen Landesverrat und Geldwäsche vorgeworfen - und Trump selbst dabei mit in kriminellen Verdacht gerückt.

Bannon - der der Insider war und jetzt wieder die rechte Website "Breitbart News" leitet - wird in dem neuen Enthüllungsbuch "Fire and Fury" über Trumps Wahlkampf und seine ersten Monate im Amt mit explosiven Vorwürfen zitiert. Der explosivste dreht sich um das berüchtigte Treffen von Donald Trump junior mit Emissären Moskaus im Juni 2016, mitten im US-Wahlkampf. Dieses Treffen im Trump Tower, das in den Mittelpunkt der Russland-Ermittlungen gerückt ist, sei "Verrat, unpatriotisch und übler Scheiß" gewesen, so Bannon in dem Buch.

"Fire and Fury: Inside the Trump White House", verfasst vom kontroversen Autor Michael Wolff, erscheint in der kommenden Woche, doch Auszüge zirkulieren schon jetzt. Der "Guardian" veröffentlichte erste Passagen, viele US-Medien folgten.

An der besagten Zusammenkunft mit einer russischen Anwältin, die belastendes Material über Trumps Rivalin Hillary Clinton versprochen hatte, nahmen neben Trump junior auch Wahlkampfmanager Paul Manafort und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner teil. "Die drei ranghohen Herren hielten es für eine gute Idee, in einem Konferenzraum im 25. Stock des Trump Towers eine Vertreterin einer ausländischen Regierung zu treffen", wird Bannon in Wolffs Buch zitiert. "Sie hätten sofort das FBI rufen sollen."

Mehr noch: Donald Trump - der jegliche Kenntnis davon dementiert hat - sei wahrscheinlich voll im Bilde gewesen. Bannon zeigte sich hundertprozentig sicher, dass Trump junior die Russen auch "ins Büro seines Vaters im 26. Stock gebracht" habe.

Welche Konsequenzen drohen

Das ist mehr als nur Gossip oder Schmutzwäsche. Für Sonderermittler Robert Mueller, der womöglich illegale Verbindungen zwischen dem Trump-Lager und Russland untersucht, dürfte "Fire and Fury" eine interessante Lektüre sein. Mueller wollte Bannon angeblich sowieso unter Eid vernehmen, nun dürfte er das garantiert tun.

Das wiederum könnte aber dazu führen, dass Trump, der am Mittwoch getobt haben soll, Mueller präventiv feuert oder alle Betroffenen begnadigt - was die schwerste US-Verfassungskrise seit Watergate auslösen würde.

Zumal Bannon noch andere folgenschwere Anschuldigungen erhebt. Muellers Ermittlungen konzentrierten sich "auf Geldwäsche" im Trump-Lager, schreibt Wolff, erneut unter Berufung auf Bannon. Mueller werde die drei engsten Vertrauten Trumps als Kronzeugen ködern - Manafort, Trump junior und Kushner. Die Russlandaffäre beschrieb Bannon laut Wolff als einen Hurrikan der "Kategorie fünf", während Trumps Berater "am Strand rumsitzen".

Manafort ist bereits wegen Geldwäsche angeklagt. Auch die Deutsche Bank - von der Mueller Akten eingefordert hat - sei darin verwickelt: "Das läuft durch die Deutsche Bank und den ganzen Kushner-Scheiß", wird Bannon zitiert. Stimmt das, wäre das verhängnisvoll - auch für Trump selbst.

Donald und Melania Trump, im Hintergrund Jared Kushner und Ivanka Trump (Mai 2017)

Klar, dass das Weiße Haus so brutal zurückschlägt. Bannon war Trumps Königsmacher, nun stößt er ihm den Dolch in den Rücken. Zwar habe man von Wolffs Buch Ärger erwartet, hieß es: "Doch sie waren nicht darauf vorbereitet, dass Bannon sowas tun würde."

Ivanka, Fastfood, Tränen - Worüber im Buch noch berichtet wird

Wolff will mehr als 200 Personen interviewt haben, darunter Trump, Bannon und Trumps "innersten Zirkel". Neben juristisch relevanten Neuigkeiten enthalten die 336 Seiten viele weitere, pikante Enthüllungen über das Weiße Haus unter Trump. Das Buch beschreibt eine Welt, in der jeder nur an seinem eigenen Profit interessiert ist.

  • Trump habe nie Präsident werden wollen. Er habe die Wahl schamlos ausgenutzt, um seine TV-Karriere zu fördern, und sei über den Sieg ebenso "entsetzt" gewesen wie "fast alle" Berater, die ihn für inkompetent befunden hätten. "Dieses Ding ist so verfickt", habe Trump gesagt. Dann habe er sich aber schnell selbst davon überzeugt, dass "er es verdiene, Präsident zu sein".
  • Bei der Vereidigung hätten Trump und die designierte First Lady Melania - die nach dem Wahlsieg aus Verzweiflung geweint habe - "sichtlich gestritten". Trump sei "sauer" gewesen, dass keine Stars gekommen seien.
  • Wolff beschreibt Trumps Tochter Ivanka ("dumm wie Stroh", so Bannon) und ihren Gatten Jared Kushner als eiskalte Karrieristen, die Trump nur für ihre persönlichen Zwecke ausnutzten. Ivanka, die sogar selbst mit einer Präsidentschaftskandidatur liebäugele, mache sich über die gequälte Frisur ihres Vaters lustig, plump gefärbt mit dem Billighaarprodukt "Just for Men".
  • Niemand hatte Wolff zufolge Gutes über Trump zu sagen. "Er las nicht. Er überflog nicht mal. Einige hielten ihn für nicht mehr als halbgebildet." Einer Extra-Lehrstunde über die US-Verfassung habe Trump nicht folgen können.
  • Beraterin Katie Walsh habe geklagt, der Umgang mit Trump sei, "als wolle man herausfinden, was ein Kind will". Medienmogul Rupert Murdoch, dessen Sender Fox News zu Trumps lautesten Cheerleadern gehört, habe Trump einen "fucking idiot" genannt. Ähnliche Worte werden Finanzminister Steve Mnuchin, Sicherheitsberater H.R. McMaster und Ex-Stabschef Reince Priebus zugeschrieben. Wirtschaftsberater Gary Cohn halte Trump für "strunzdumm".
  • Trump ängstige sich im Weißen Haus und ziehe sich oft in sein Schafzimmer zurück, wo er ohne die First Lady nächtige. Dort habe er über den vorhandenen Fernseher hinaus zwei weitere installieren lassen. Das Personal dürfe nichts anfassen, "vor allem nicht seine Zahnbürste". Aus Angst vor Vergiftung esse Trump am liebsten Fastfood von McDonald's.

Am Abend rückte "Fire and Fury" auf der Amazon-Bestsellerliste schon vorab auf Platz eins.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH