Montag, 15. Oktober 2018

Streit um Handelsüberschuss China dementiert Angebot an USA

Annäherung im Handelsstreit? US-Präsident Donald Trump and Chinas Staatspräsident Xi Jinping

Verwirrung um ein angebliches Angebot im Handelsstreit zwischen China und den USA: China wolle den von Donald Trump viel kritisierten Handelsüberschuss jährlich um rund 200 Milliarden Dollar reduzieren, hieß es zunächst aus Verhandlungskreisen. Doch Peking dementiert.

Verwirrung im Handelsdisput zwischen den USA und China: Nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag über ein Angebot Chinas zur Verringerung seines großen Handelsüberschusses mit den USA berichtet hatte, streuten chinesische Medien Zweifel an der Existenz des Angebots. Beiträge in den staatlichen sozialen Medien Chinas dementierten den Medienbericht ebenso wie ein Offizieller des chinesischen Außenministeriums. Ein derartiger Vorschlag entziehe sich seiner Kenntnis, so der Offizielle.

Zuvor hatten Bloomberg und die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, China habe eine Verringerung seines Handelsüberschusses mit den USA um 200 Milliarden US-Dollar angeboten. Dies solle unter anderem über eine Erhöhung der Einfuhren amerikanischer Waren erfolgen. Das Angebot sei im Rahmen der laufenden Handelsgespräche zwischen den USA und China gemacht worden. Im Gespräch sei auch die Abschaffung von chinesischen Zöllen im Wert von vier Milliarden Dollar auf landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Obst, Nüsse, Schweinefleisch, Wein und Hirse.

Einer der Insider hatte gegenüber Bloomberg erklärt, dass der US-Flugzeugbauer Boeing mit am meisten von einem solchen Angebot der Chinesen profitieren könnte. Boeing ist der größte Exporteur der USA und verkauft bereits ein Viertel seiner Verkehrsflugzeuge nach China. Die Gesamtsumme des chinesischen Angebots entspräche einer Forderung von Donald Trump, der von Peking verlangt, den Überschuss bis 2020 um 200 Milliarden Dollar abzuschmelzen und die Zölle auf US-Exporte deutlich zu senken.

Trump sieht sein Land benachteiligt, weil die Volksrepublik viel mehr in die Vereinigten Staaten exportiert als dort einkauft. Zurzeit hält sich Chinas Vizepremier Liu He in den USA zu einem Dialog auf.

Trump sieht sein Land benachteiligt, weil die Volksrepublik viel mehr in die Vereinigten Staaten exportiert als dort einkauft. Im vergangenen Jahr betrug das Handelsdefizit der USA mit China 375 Milliarden Dollar. Eine Reduzierung um 200 Milliarden Dollar wäre also enorm.


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Zuvor hatten staatliche Medien Liu mit den Worten zitiert, die Regierungen in Washington und Peking sollten ihren Streit im gegenseitigen Respekt angehen und sich um Ergebnisse bemühen, die beiden Seiten nutzten. Trump äußerte sich später über die Erfolgsaussichten der Handelsgespräche pessimistisch. "Der Grund für meine Zweifel ist, dass China sehr verwöhnt ist", sagte er. China habe die USA zu lange abgezockt. Das könne er nicht mehr zulassen. Die Gespräche sollen am heutigen Freitag fortgesetzt werden.

rei/Reuters/dpa-afx

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