Donnerstag, 19. Juli 2018

Starke Währung Wie der Trump-Dollar den Handelskrieg anheizt

US-Präsident Donald Trump

Die US-Währung wird wieder stärker. Doch US-Präsident Donald Trump wird das kaum gefallen. Der Dauerkonflikt mit wichtigen Handelspartnern dürfte sich weiter zuspitzen.

Eine neue Normalität hält Einzug, und sie verheißt wenig Gutes. Der Dollar wird stärker und stärker. Dadurch ziehen neue wirtschaftspolitische Konflikte herauf. Sie werden uns in den kommenden Wochen und Monaten beschäftigen.

Henrik Müller
manager magazin
Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor war Müller stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

Eigentlich hätte der Dollar schon früher aufwerten sollen. Die volkswirtschaftlichen Daten jedenfalls sind schon seit längerem danach: Während in den USA die Zinsen steigen, liegen sie in der Eurozone, Japan und anderswo bei Null. Die höheren Renditen in den USA sollten Kapital nach Amerika locken, was den Wert des Dollar steigen lassen sollte. Eigentlich.

Aber Finanzmärkte sind ziemlich seltsame Veranstaltungen. Phasenweise blenden sie wichtige Fakten aus. Sie folgen dann anderen Narrativen und ignorieren Daten, die zu anderen Zeiten im Mittelpunkt des Interesses stehen.

So war es seit Beginn des vorigen Jahres. Die Finanzmarkt-Story hatte eine politische Hauptfigur, nämlich Donald Trump. Seit seinem Amtsantritt Anfang 2017 war der Dollar seltsam schwach. Dabei hatte der neue Präsident Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen - und folglich steigende Schulden - angekündigt. Entsprechend stiegen die Zinsen. Aber der Dollar wurde nicht stärker, sondern schwächer - ganz anders als etwa in den frühen 80er Jahren, als der damalige Präsident Ronald Reagan einen ähnlichen Kurs gesteuert und eine rapide Dollar-Aufwertung ausgelöst hatte.

Die Geschichten der Börsen

Man konnte den schwachen Trump-Dollar als Misstrauensvotum interpretieren. Es sah so aus, als begännen die Anleger allmählich an der unbedingten Zahlungsfähigkeit der USA zu zweifeln - als würden sie Dollars nur zu höheren Zinsen kaufen wollen, weil sie Trumps Kurs angesichts des hohen Schuldenstands der USA für allzu risikoreich hielten. Und es ist durchaus möglich, dass die Sorgen um Amerikas Solvenz erneut aufkommen. Insbesondere, falls US-Regierungsmitglieder wieder versuchen sollten, den Dollar schwach zu reden, wie im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Erst Trump-Dollar, dann Powell-Dollar

Vor etwa zwei Wochen jedoch sind die Devisenmärkte auf eine andere Story eingestiegen. Deren zentrale Akteure sind die Notenbanken, insbesondere die Federal Reserve Bank (Fed) mit ihrem neuen Chairman Jay Powell an der Spitze.

Das derzeit dominierende Narrativ geht in etwa so: In den USA entwickelt sich die Konjunktur robust. Anderswo jedoch scheint die konjunkturelle Erholung ins Stocken zu kommen, insbesondere in der Eurozone und in Japan. Deshalb werden die Notenbanken in Frankfurt und Tokio die Zinsen noch länger bei Null halten und Wertpapiere aufkaufen. Die Fed hingegen wird die Zinsen weiter entschlossen anheben.

Der Gouverneursrat der Fed hat diesen Kurs am vorigen Mittwoch bestätigt: Man bereite sich auf "weitere graduelle Erhöhungen" des Leitzinses vor, ließ man verlauten, um inflationären Entwicklungen zuvorzukommen.

Steigende Zinsen sprechen für eine stärkere Währung. Auf den Trump-Dollar folgt der Powell-Dollar.

Eigentlich eine normale Entwicklung. Aber so normal sind die Zeiten leider nicht.

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