Montag, 26. September 2016

Zukunftsökonom Jeremy Rifkin über die Folgen der Digitalisierung "Wer nicht schnell genug ist, ist tot"

Von Mette-Marit bis Mary Barra: Wer ist in Davos dabei?
Fotos
DPA

mm.de: Herr Rifkin, beim Weltwirtschaftsforum dreht sich in diesem Jahr alles um die Digitalisierung der Industrie. Ein Thema, mit dem sie sich in diversen Büchern eingehend beschäftigt haben. Während in Davos angesichts schrumpfender Wachstumszahlen Krisenstimmung herrscht, stellen sie eine Demokratisierung der Wirtschaft und Millionen neuer Jobs in Aussicht. Woher kommt dieser Optimismus?

Rifkin: Ich bin gar nicht so optimistisch. Es gibt eine ganze Menge Dinge, die aktuell ziemlich schlecht laufen. Sehr wenigen Reichen gehört ein Großteil der Welt. Und Wirtschaftswissenschaftler auf der ganzen Welt bereiten uns auf 20 Jahre schwaches Wirtschaftswachstum vor. Aber die Digitalisierung ist dabei unser ganzes Wirtschaftssystem umzukrempeln. Das Internet der Dinge, die Vernetzung und Digitalisierung in Bereichen wie Transport, Kommunikation und Erneuerbare Energien lassen die Grenzkosten auch in Bereichen jenseits der Kommunikation rapide sinken. Das ermöglicht es den Menschen, direkt miteinander in Kontakt zu treten und nicht nur als Konsumenten, sondern auch als Produzenten aufzutreten. Eine Entwicklung, die die Wirtschaft massiv verändern wird.

mm.de: Mit dieser Meinung, dass sich die Welt durch die Digitalisierung rasant ändert, stehen Sie ja nicht alleine da. Aber hat die Politik, haben die Konzerne diese Entwicklung Ihrer Ansicht nach schon verinnerlicht?

Rifkin: Die politische Führungsebene in vielen Ländern hat das Ausmaß der Umwälzungen mittlerweile erkannt. In China und auch in der EU gibt es Pläne, wie man sich den neuen Herausforderungen stellen will. Weiter unten in den Hierachien sieht das allerdings noch anders aus. Da glauben viele noch Digitalisierung bedeutet Breitband und Wifi. Andere setzen auf Pilotprojekte. Aber Pilotprojekte reichen nicht. Es geht um viel mehr. Es geht um eine umfassende Infrastruktur, digitale Energienetze, eine Kommunikationsstruktur, um Logistik.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH