Samstag, 26. Mai 2018

Zukunftsökonom Jeremy Rifkin über die Folgen der Digitalisierung "Wer nicht schnell genug ist, ist tot"

Von Mette-Marit bis Mary Barra: Wer ist in Davos dabei?
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2. Teil: "Pilotprojekte reichen nicht"

mm.de: Und wie sieht es in der Wirtschaft aus? Ist das ganze Ausmaß der uns bevorstehenden Veränderungen dort schon angekommen?

Rifkin: In der Wirtschaft hat sich in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten viel getan. Die meisten deutschen Unternehmen haben die Herausforderung erkannt und reagieren. Und die Herausforderungen sind enorm: Die Unternehmen müssen den Schritt von einem traditionellen Geschäftsmodell der zweiten industriellen Revolution in die neue digitalisierte Welt schaffen, wo ihre Kunden nicht mehr nur Konsumenten, sondern auch Produzenten sind. Und nicht nur das. Sie müssen gleichzeitig in beiden Welten sein. Das schafft enormen Stress. Wenn sie sich nicht schnell genug bewegen, nicht die richtigen Partnerschaften kreieren, dann sind sie tot.

mm.de: Sie haben gesagt, dass Sie glauben, dass die politische Führungselite sich der Herausforderung durch die Digitalisierung und der Veränderungen, die die massiv sinkenden Grenzkosten mit sich bringen, bewusst ist. Erfahrungsgemäß liegen oft Welten zwischen dem, was sich die Europäische Kommission in Brüssel ausdenkt und dem, was letztlich umgesetzt wird. Gerade wenn man sich ansieht, in welchem Zustand sich Europa gerade befindet.

Rifkin: Das stimmt. Ich berate mit einer Organisation mehrere europäische Regionen beim Aufbau der nötigen digitalen, klimafreundlichen Infrastruktur und wir kollidieren jeden Tag mit alten Regulierungen, die aus einem anderen Industriezeitalter stammen. Die Technik ist da - aber die Regularien stoppen uns täglich. Das muss sich ändern. Schnell. Aber ich bin vorsichtig optimistisch, dass dies passieren wird. Wir haben es schließlich auch geschafft, in vier Generationen Städte aufzubauen, die Welt zu elektrisieren, Verkehrsnetze und Städte aufzubauen. Es ist ein Kampf. Und ich weiß nicht, ob wir ihn gewinnen. Aber es gibt keinen Plan B.

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