Donnerstag, 28. Juli 2016

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Schlechte Konjunkturdaten aus Asien Chinas Handel bricht ein - Japans Wirtschaft schrumpft

Stahlrollen in einer Fabrik in Taiyuan, der chinesischen Provinz Shanxi: Der chinesischen Wirtschaft ging es im Januar deutlich schlechter als erwartet.

Der Sorge vor einer Dauerkrise der Weltwirtschaft erhält durch die Schwäche der beiden größten asiatischen Volkswirtschaften neue Nahrung. In China brachen im Januar sowohl die Exporte als auch die Importe überraschend stark ein, während das japanische Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2015 schrumpfte. An den Börsen gingen die Kurse zum Wochenauftakt dennoch nach oben.

Die chinesischen Ausfuhren fielen im Januar um 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte die Zollverwaltung mit. Das war bereits der siebte Rückgang in Folge, der überdies sechsmal so stark ausfiel wie von Ökonomen erwartet. Überdurchschnittlich stark nahmen die Exporte in die Europäische Union ab, auch die in benachbarte Staaten wie Südkorea und Taiwan sowie die Ausfuhren in die USA schrumpften.

Erneuter Importeinbruch schlecht für deutsche Firmen

Angesichts der unsicheren Entwicklung wolle die Regierung in diesem Jahr kein Wachstumsziel für den Außenhandel ausgeben, sagte ein Insider aus dem Handelsministerium der Nachrichtenagentur Reuters. 2015 war der Handel um 8 Prozent gesunken, während die Regierung ein Plus von 6 Prozent angestrebt hatte.

Die Importe brachen zum Jahresauftakt sogar um 18,8 Prozent ein. Für deutsche Unternehmen sind das schlechte Nachrichten, schließlich fielen ihre Exporte in die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bereits im vergangenen Jahr und damit erstmals seit 1997. Einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young zufolge verkauften Volkswagen, Daimler und BMW im vergangenen Jahr noch 4,4 Millionen Pkw in China und damit 1 Prozent weniger als 2014.

Auch Japan schwächelt - Legt die Notenbank nach?

Kummer bereitet der Weltwirtschaft aber nicht nur China, sondern auch Japan. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von Oktober bis Dezember auf das Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent, wie die Regierung mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 1,2 Prozent gerechnet.

Offenbar fruchten die Anreize der Regierung zum Ankurbeln des Konsums bislang nicht: Die Ausgaben der Privathaushalte, die 60 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, gingen um 0,8 Prozent zurück. Exporte in Schwellenländer konnten das nicht ausgleichen.

Das befeuert Spekulationen, wonach die japanische Notenbank (BOJ) ihre Geldpolitik weiter lockern wird. "Es ist eine Frage der Zeit, wann die BOJ und die Regierung zusätzliche Maßnahmen beschließen werden", sagte die Chefökonomin von Sumitomo Mitsui Banking, Junko Nishioka. "Ich möchte, dass der Finanzminister die Lage genau beobachtet und mit angemessenen Maßnahmen reagiert, sollte dies erforderlich sein", sagte Ministerpräsident Shinzo Abe.

Nach der Börsentalfahrt in der vergangenen Woche gab es an den asiatischen Märkten aber eine deutliche Erholung. In Tokio gewann der Nikkei mehr als 1000 Punkte oder 7,2 Prozent hinzu, nachdem er in der abgelaufenen Woche noch 11 Prozent eingebüßt hatte. "Heute geht es allein um eine technische Erholung", sagte Takuya Takahashi vom Wertpapierhandelshaus Daiwa Securities.

rei/reuters/dpa

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