Dienstag, 20. November 2018

Konjunktur China wächst so langsam wie seit Finanzkrise nicht mehr

Garn-Spulen in einer Textilfabrik in Haian (Provinz Jiangsu)

Belastet von dem verbissenen Handelsstreit mit den USA ist Chinas Wirtschaft im dritten Quartal so wenig gewachsen wie zuletzt während der globalen Finanzkrise. Experten rechnen damit, dass die Folgen des Handelskriegs in den kommenden Monaten erst richtig durchschlagen werden.

Chinas Wirtschaft legte im dritten Quartal nur um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Das Statistikamt in Peking teilte am Freitag mit. Der Rückgang überraschte. Experten hatten mit 6,6 Prozent Zuwachs gerechnet. Das Wachstum im vergangenen Vierteljahr war das schwächste seit dem ersten Quartal 2009, als die globale Finanzkrise die Konjunktur belastete.

Die USA und China überziehen sich seit Monaten gegenseitig mit Importzöllen. Eine echte Entspannung in dem Konflikt ist bislang nicht in Sicht. Seit Jahresanfang habe Chinas Wirtschaft allerdings insgesamt um 6,7 Prozent zugelegt, berichtete das Statistikamt.

"Zugleich müssen wir auch sehen, dass die externen Herausforderungen deutlich zugenommen haben", sagte der Sprecher Mao Shengyong. Im ersten Quartal waren 6,8 Prozent erreicht worden, im zweiten dann 6,7 Prozent. Das Wachstum bisher liegt gleichwohl weiter über der vorsichtigen Vorgabe der Regierung von rund 6,5 Prozent für das Gesamtjahr.

Handelskrieg wird in nächsten Monaten stärker durchschlagen

Der Außenhandel hatte sich im dritten Quartal noch als durchaus robust erwiesen, unter anderem weil Exporteure den Sonderzöllen der USA zuvorkommen wollten. Experten rechnen daher damit, dass sich der Handelskrieg in den nächsten Monaten deutlich stärker auswirken wird, da der Großteil der US-Sonderabgaben auf Importe aus China erst seit vergangenen Monat in Kraft sind.

Um das Wachstumsniveau relativ stabil zu halten, habe die Regierung schon die Geld- und Haushaltspolitik gelockert, sagte Max Zenglein vom China-Institut Merics in Berlin. "Die chinesische Regierung fürchtet einen starken wirtschaftlichen Abschwung." So versuche sie, dem Wachstum etwa durch Infrastrukturprojekte neue Impulse zu geben.

Dadurch drohten aber neue Gefahren: Die Bemühungen, die Risiken im Finanzsystem zu bekämpfen, könnten ins Stocken geraten. Durch den Handelskrieg und die ausufernde Verschuldung sei China "mit einer Kombination von externen und internen Risikofaktoren konfrontiert", sagte Zenglein. Peking sei zum Handeln gezwungen. "Damit wird klar, dass die Widerstandsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft sinkt."

"Widerstandsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft sinkt"

Der Kampf gegen die Verschuldung und Finanzrisiken erhöht die Kreditkosten für Unternehmen. Auch sinke die Zuversicht der Marktteilnehmer, berichtete Liu Yuanchun, Wirtschaftsprofessor der Pekinger Volksuniversität. "Die Wirtschaft ist beeinträchtigt durch einen langsameren Trend bei Investitionen und im Konsum." Auch werde sich der Handelskrieg im vierten Quartal noch direkter auswirken.

US-Präsident Donald Trump hatte Importe aus China im Wert von 250 Milliarden US-Dollar mit Sonderzöllen belegt - etwa die Hälfte der chinesischen Ausfuhren in die USA. Trump droht mit einer weiteren Eskalation, indem er die Zölle noch erhöht. Trump fordert von Peking eine größere Marktöffnung, ein Ende staatlicher Subventionen und ein wirksames Vorgehen gegen Technologieklau.

Als Vergeltung hat China Sonderzölle auf Einfuhren aus den USA im Wert von 110 Milliarden US-Dollar verhängt. Wesentlich mehr geht nicht, weil die USA im vergangenen Jahr nur für rund 130 Milliarden US-Dollar nach China exportiert haben.

rei/dpa/Reuters

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