Samstag, 15. Dezember 2018

China ist das Risiko für die Weltwirtschaft - nicht Trump Der Elefant im chinesischen Porzellanladen

Donald Trump (im Bild mit Staatspräsident Xi Jinping) drohte China zuletzt damit, alle Importe aus dem Reich der Mitte mit Sonderzöllen zu belegen. China steht direkt für mehr als ein Drittel des Wachstums der Weltwirtschaft. Jede Schwächung der chinesischen Wirtschaft hätte damit Auswirkungen auf die Weltkonjunktur

Im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Schulden von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten weltweit um 8 Billionen US-Dollar auf den neuen Rekordwert von 247 Billionen Dollar. Das ist erneut mehr als der Zuwachs am Welt-BIP, was die Schuldenquote auf über 300 Prozent des Welt-BIP treibt. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahrzehnte unvermindert fort, mit immer mehr und immer billigerem Geld Wirtschaftswachstum zu kaufen und Wohlstand vorzugaukeln.

Daniel Stelter

Schulden per se sind nicht schlecht, so sie zu einem Mehrprodukt führen. Dann steigen Schulden und BIP ungefähr im Gleichschritt. Je mehr Schulden jedoch zum Konsum, zum Kauf vorhandener Vermögenswerte und zum Erhalt nicht wettbewerbsfähiger Strukturen - also Zombieunternehmen und Zombiebanken - dienen, desto schneller steigen die Schulden relativ zum Einkommen. Schon die Finanzkrise 2008 war auf übermäßige Verschuldung zurückzuführen. Seither haben wir nichts getan, diesen Trend umzukehren. Im Gegenteil haben Politik und Notenbanken alles daran gesetzt, das Schuldenwachstum zu erleichtern.

Schulden wohin man blickt

Die größten Schuldner der Welt sind: die USA, China, Japan, gefolgt von Frankreich und Italien. Während es in China vor allem der Unternehmenssektor ist, der eine Verschuldung von rund 200 Prozent des BIP auf die Waage bringt, sind es in den USA Privatschulden von 150 Prozent und Staatsschulden von über 100 Prozent. Gerade die Verschuldung der US-Unternehmen ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen, weshalb sogar der IWF hierin einen der möglichen Auslöser für eine neue Finanzkrise sieht. Japan liegt bei der Verschuldung des Privatsektors im soliden Mittelfeld, was nach fast 30 Jahren Schuldenabbau seit dem Platzen der Blase an Immobilien-und Aktienmarkt nicht überrascht. Spiegelbildlich sind dazu allerdings die Staatsschulden gestiegen und nähern sich dem Niveau von 240 Prozent des BIP. Ein zunehmender Anteil dieser Schulden wird von der japanischen Notenbank gehalten, weshalb sich in Japan das spannende Szenario einer Entschuldung über die Notenbankbilanz abzeichnet, sobald die Bank of Japan erklärt, diese Forderungen abzuschreiben oder aber wirtschaftlich so zu behandeln, dass sie niemals getilgt und verzinst werden müssen

Länder wie Frankreich und Italien werden dies sicherlich genau beobachten, stehen sie doch ebenfalls vor erheblichen Schuldenproblemen. In Frankreich liegen private und öffentliche Schulden über dem Niveau in den USA, was erklärt, mit welcher Macht der französische Präsident für mehr europäische Solidarität mit mehr Umverteilung zu Lasten Deutschlands wirbt. Eurozonenbudget und Eurofinanzminister dienen weniger dem Erhalt der Währungsunion wie an dieser Stelle schon erläutert, sondern vor allem der Mobilisierung der noch vorhandenen Verschuldungskapazität Deutschlands. Ein Aspekt, den unsere Politiker geflissentlich übersehen.

Italien derweil hat ein Staatsschuldenproblem und leidet unter einem Bankenwesen mit einem Rekordniveau an faulen Krediten. Die privaten Haushalte stehen dagegen finanziell sehr gut da und sind deutlich vermögender als die Deutschen. So gesehen war es nur konsequent von der neuen italienischen Regierung einen Schuldenerlass durch die EZB in die Diskussion zu bringen, weil jeder ernsthafte Schuldenschnitt sonst vor allem die eigenen Banken und Sparer treffen würde.

Weitere Kandidaten für Schuldenproblemen in Europa sind Portugal, Spanien, Belgien und Großbritannien.

In den Schwellenländern ist die Verschuldung in den letzten Jahren besonders stark gestiegen und beträgt fast 59 Billionen US-Dollar. Besonders gefährdet sind jene Länder, die sich in Fremdwährungen verschuldet haben, wie die Türkei, Ungarn, Argentinien, Polen, Chile und Korea. Kommt es - wie in der Türkei und Argentinien gerade wieder zu beobachten- zu einem Einbruch der eigenen Währung ist eine Zahlungsbilanzkrise die unvermeidliche Folge.

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